weather-image
Petrus macht Brauchtum (fast) einen Strich durch die Rechnung / Gelldorfer Osterhase stapft durch weiße Landschaft

Ostern 2008: Feuer im Schnee - Stimmung im Trockenen

Landkreis (jp/la/sig). Definitionsgemäß haben Feuerwehren die Aufgabe, Menschen sowie ihr Hab und Gut vor dem Feuer zu schützen. Dass Feuerwehrleute verzweifelt bemüht sein würden, ein Feuer zu entzünden und anschließend in Gang zu halten, dürfte hingegen Seltenheitswert haben. So geschehen aber bei nicht wenigen Osterfeuern im Landkreis, die in diesem Jahr bei schneidender Kälte und dichtem Schneetreiben alles andere als freundliche Bedingungen für ein zünftiges Brauchtumsfeuer erlebten.

veröffentlicht am 25.03.2008 um 00:00 Uhr

Dank guter Vorbereitung brennt das Osterfeuer der Feuerwehr im R

Die Ortsfeuerwehr Bergdorf hatte Mühe, das völlig durchnässte Holz den Flammen schmackhaft zu machen. Mehr als einmal mussten die Brandschützer dem riesigen Stapel mit einem Brenner zu Leibe rücken, um ein völliges Erlöschen der zunächst sehr spärlichen Flammen zu verhindern. Nicht viel anders sah es bei der Ortsfeuerwehr Meinsen-Warber-Achum aus. Hier brannte zwar das (deutlich kleinere) Osterfeuer sehr viel schneller, doch angesichts der mehr als ungemütlichen Witterungslage hielt es hier - wie fast überall - nicht allzu viele Besucher im Freien. Viel lieber sammelte man sich fernab von Wind und Schneegestöber im Inneren des Gerätehauses, um dort den leiblichen Vergnügungen in Form von Pommes, Bratwurst, Kuchen und diversen Getränken zu frönen. Beteiligt waren hier der Spielmannszug, die Schalmeienkapelle und die Trachtengruppe Meinsen-Warber. Enttäuscht über das ungnädige Wetter dürfte man auch beim THW Bückeburg gewesen sein, wo man wie in jedem Jahr wieder viel Mühe, Engagement und Fleiß in die Vorbereitung des Osterfeuers auf dem THW-Gelände an der Scheier Straße investiert hatte. Rund um die Osterfeuer im Auetal standen meist nur Kinder und Jugendliche, die dem Winterwetter trotzten. In Rehren wurde zunächst ein Kinderosterfeuer gezündet, über dem der Nachwuchs Marshmallows "grillte". Im Feuerwehrgerätehaus waren zahlreiche Spiele für die Kinder aufgebaut. Außerdem gab es bei einer Tombola wertvolle Sachpreise und Eintrittskarten für Freizeitparks und Zoos zu gewinnen. Mehr Glück mit dem Wetter hatte die Dorfgemeinschaft Borstel, die als einzige ihr Osterfeuer erst am Sonntagabend auf dem Hof Kuhlmann anzündete. Zwar herrschten auch dabei winterliche Temperaturen, aber es war trocken und nicht nur am lodernden Feuer, sondern auch bei heißen Getränken und Bratwurst konnten sich die zahlreichen Besucher wärmen. "Eigentlich müsste jetzt der Nikolaus vorfahren; der könnte sogar problemlos mit dem Schlitten kommen, was im Dezember nicht möglich war", bekamen die Besucher der Osterfeuer im Bereich der Bergstadt Obernkirchen mehrfach zu hören. Ein Landwirt erinnerte sogar an eine alte Bauernweisheit: "Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee." In Gelldorf stapfte der Osterhase mit seiner vollen Kiepe durch den knöcheltiefen Schnee der Schulwiese und freute sich bei seiner Ankunft vor dem Gerätehaus der Feuerwehr, dass ihm Ortsbürgermeister Andreas Hofmann sofort die Last von den Schultern nahm. Stadtjugendfeuerwehrwart Gerald Pohl muss besonders gute Verbindungen zur Hasen-Leitstelle haben, denn er wusste genau, aus welcher Richtung Meister Langohr kam. Zielsicher zeigte er in das Dunkel, aus dem sich der erstaunlich große Mümmelmann löste. Einige der wartenden Kinder liefen ihm entgegen. Als er endlich eingetroffen war, gab es kein Halten mehr. Die mit Schleckereien gefüllten Tüten, geordert von der Dorfgemeinschaft, waren in Nullkommanichts weg. Erst danach interessierte es den dörflichen Nachwuchs, dass es außerdem Pommes, Bratwurst, Steaks und heißen Kakao gab. Diesmal bekamen die Zapfhähne auch mächtig Konkurrenz durch den Glühwein, der mit Rum, Cognac oder Likör zum gefragten "Frostschutz" wurde. In Vehlen wurde wegen des erstaunlichen Ansturms von unverdrossenen Besuchern nicht nur die Fahrzeughalle geöffnet, sondern erstmalig auch der Schulungsraum. Dort machte es bedeutend mehr Spaß, die heißen Krakauer, Bratwürste und Pommes zu vertilgen. Diese Erfahrung machten auch die Obernkirchener Blauröcke, die wieder viele Tische und Bänke sowie die Theke in der angenehm beheizten großen Fahrzeughalle aufgestellt hatten. Mit einer tüchtigen Portion Stroh habe man das Feuer in Gang gebracht, verriet Ortsbrandmeister Clemens Keich. Es loderte schließlich drei bis vier Meter hoch. An den im Freien aufgestellten Versorgungsständen hielten es die Gäste nicht lange aus. Sogar die Jugendfeuerwehr verzog sich mit ihrem Angebot an Süßigkeiten und Ostereiern in die wärmende Halle. In Buchholz machte Petrus mit seinen Wetterallüren alle Planungen zunichte. Dort wäre der Bereich um das Regenrückhaltebecken zu morastig geworden, auch wenn schon einige Ladungen Schotter aufgebracht worden waren. Bürgermeister Hartmut Krause möchte die ausgefallene Veranstaltung aber am Pfingstsonnabend nachholen. In Luhden suchte man zum Schutz gegen die Unbilden des Wetters die Autobahnbrücke auf. Das Feuer loderte diesmal nicht so hoch oben am Hang der Luhdener Klippen und grüßte deshalb damit auch nicht (wie früher) weit ins Land, sondern brannte auf kleinerer Flamme in der Nähe des Viadukts. Als Wegzehrung gab es Grillwürste und Frikadellen. Auch mit Glühwein hatte sich die gastgebende Feuerwehr reichlich eingedeckt. Der Vorplatz der Bad Eilsener Feuerwehr hüllte sich am Sonnabend in totales Dunkel. Vorösterliches Zentrum des Kurortes war zum ersten Male der Platz vor der Remise. Dort gab es eine kleine Budenstadt, in der sich die Feuerwehr um die Versorgung der Besucher kümmerte. Das klappte auch reibungslos. Nur der nasse Holzstapel widerstand lange allen Bemühungen, sich entzünden zu lassen. Ohne den Einsatz von Propangas hätte es wohl nur ein paar Rauchwolken gegeben. Die Wiese der Familie Beißner, auf der die Heeßer Dorfjugend ihr erstes Osterfeuer ausrichtete, war am Sonnabend eher für Skier und Schlitten geeignet. Mindestens eine Handbreit dick war die Schneedecke, die sich dort ausbreitete. Aber aufgeben gilt nicht, sagten sich Björn Beißner, Lena Wecke und Daniel Meier. Sie hatten auch keine Probleme mit dem Entzünden des Osterfeuers. Für diesen Zweck verwendeten sie die übergroßen Strohpuppen, mit denen sie im Spätsommer vergangenen Jahres auf das Erntefest aufmerksam gemacht hatten.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt