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Krise in Venezuela

Oppositionsführer Guaidó bläst zum Sturm auf Caracas

Caracas (dpa) - Der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó will im seit Wochen andauernden Machtkampf mit dem venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro eine Entscheidung erzwingen. Am Samstag kündigte er einen großen Marsch von Regierungsgegnern aus dem ganzen Land auf die Hauptstadt Caracas an.

veröffentlicht am 10.03.2019 um 14:06 Uhr
aktualisiert am 10.03.2019 um 16:22 Uhr

Venezuela versinkt im Dunkel: Ein Stromausfall hatte in großen Teilen des Landes für Chaos gesorgt. Foto: Ariana Cubillos/AP

«Es kommen harte Tage auf uns zu. Das Regime wird versuchen, uns zu spalten», sagte er bei einer Kundgebung in der venezolanischen Hauptstadt. «In diesem Kampf ist es fundamental, dass wir weiter auf die Straße gehen.» Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bekräftigte im «Tagesspiegel am Sonntag», dass der internationale Druck hoch bleiben müsse.

Guaidó sagte, in den kommenden Tage wolle er mit oppositionellen Abgeordneten durch das Land ziehen und in der Provinz die Menschen für einen Marsch auf Caracas gewinnen. «Die Eroberung der Räume wird friedlich, verfassungsgemäß und geordnet sein», schrieb er auf Twitter.

Allerdings machte er auch deutlich, dass die Zeit für den «falschen Dialog» abgelaufen sein. In den vergangenen Jahren hatten Regierung und Opposition mehrfach versucht, die Krise mit Gesprächen beizulegen. Die Verhandlungen verliefen aber stets im Sande.

Guaidó hatte sich bereits am 23. Januar

selbst zum Interimspräsidenten erklärt

und damit den in einer umstrittenen Abstimmung wiedergewählten Staatschef Maduro offen herausgefordert. Zwar erkennen zahlreiche Länder Guaidó mittlerweile als rechtmäßigen Übergangspräsidenten an, allerdings konnte er auch wegen der Treue des Militärs zu Maduro in Venezuela selbst noch keine echte Machtposition aufbauen.

Außenminister Maas sagte im «Tagesspiegel am Sonntag»: «Wir sind in der Europäischen Union bereit, zusätzliche Sanktionen zu verhängen, wenn das nötig wird. Wir lassen uns nicht ein auf das Spiel auf Zeit, das Maduro betreibt. Unsere Unterstützung für Juan Guaidó ist unumstößlich.» Es sei zudem unverständlich, dass Maduro den deutschen Botschafter nicht mehr im Land haben wolle - «es verschärft die Lage und trägt in keiner Weise zur Entspannung bei». Der deutsche Botschafter Daniel Kriener war am Mittwoch in Venezuela zur unerwünschten Person erklärt und aufgefordert worden, das Land innerhalb von 48 Stunden zu verlassen.

Der wochenlange Machtkampf lähmt das Land, zuletzt wurde der Krisenstaat zudem von einem massiven Stromausfall lahmgelegt. Teile des Landes waren seit Donnerstagabend von der Elektrizitätsversorgung abgeschnitten. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Médicos por la Salud (Mediziner für die Gesundheit) starben während des Stromausfalls in den Krankenhäusern des Landes mindestens 17 Patienten. Guaidó hatte zuvor sogar von mindestens 79 Todesopfern gesprochen.

Die Regierung machte einen von den USA geplanten Cyberangriff auf die Energieversorgung des Landes für den Stromausfall verantwortlich. Außerdem seien die Elektrizitätswerke von Regierungsgegnern infiltriert worden. «Wir befinden uns in schwierigen Zeiten», sagte Staatschef Maduro am Samstag. «Aber wir haben in den vergangenen Jahren bereits große Herausforderungen gemeistert, mit revolutionärem Mut werden wir auch diese schaffen.»

Seine Anhänger marschierten durch die Innenstadt zum Präsidentenpalast Miraflores. «Wir sind ein Volk, das Widerstand leistet. Deshalb werden wir die Schwierigkeiten hinter uns lassen», sagte Außenminister Jorge Arreaza auf der Kundgebung. Der Präsident der regierungstreuen Verfassungsgebenden Versammlung, Diosdado Cabello, beschwor den Zusammenhalt zwischen der Bevölkerung und den Streitkräften. «Diese Einheit wird jeden Tag stärker», sagte er.

Guaidó sicherte sich bereits internationale Unterstützung, hat Zugang zu Auslandskonten und versucht immer wieder, das Militär auf seine Seite zu ziehen. Doch die Machtfrage wird letztlich auf den Straßen von Caracas entschieden. Um Maduro in die Knie zu zwingen, muss er den Druck erhöhen.

Der Ärger vieler Venezolaner über die Stromausfälle könnte ihm dabei in die Karten spielen. «Damit die Finsternis, der Hunger und das Elend enden, muss die unrechtmäßige Machtübernahme aufhören», sagte er bei der Kundgebung.



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