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Bürgermeisterwahl: Nach Andreas Grossmann steht Bernhard Wagner als zweiter SPD-Bewerber fest

Opposition unter Zeitdruck

Aerzen/Emmerthal. Nur noch vier Monate bis zur Bürgermeisterwahl am 25. Mai – und nach wie vor gibt es einige Fragezeichen bei den Bewerbern in Aerzen und Emmerthal. Nachdem Bürgermeister Andreas Grossmann (SPD) im August frühzeitig seine Bereitschaft bekundet hatte, erneut kandidieren zu wollen, ließ Parteifreund und Amtskollege Bernhard Wagner lange alles offen. Erst gestern sagte er öffentlich auf Nachfrage, was zuvor schon in Parteikreisen als Entscheidung für Erleichterung gesorgt hatte: „Ich trete an“ – und „ich trete gerne an.“ Völlig offen stellt sich hingegen in beiden Gemeinden die Situation bei der CDU dar. Für sie drängt die Zeit – der Wahlkampf ist kurz, um potenzielle Kandidaten bekanntzumachen, die gegen die Bewerber mit Amtsbonus antreten müssten.

veröffentlicht am 24.01.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.03.2014 um 14:36 Uhr

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Eigentlich hatte kaum jemand daran gezweifelt, dass Sozialdemokrat Bernhard Wagner in der SPD-Hochburg Aerzen, 2006 erstmals mit deutlichem Vorsprung ins Amt gewählt, noch einmal antritt. Doch hatte er lange damit gerungen, seine Bewerbung auf den Tisch zu legen. Immer wieder sei er von Partei und Aerzenern ermutigt worden, erneut zu kandidieren. Und für den 60-Jährigen gilt es auch als persönlicher Ansporn, seine Arbeit fortzusetzen. „Wenn man im Amt ist, merkt man, wie schnell acht Jahre vergehen können“, sagt Wagner. Für ihn sei es wichtig, begonnene Projekte zum Abschluss zu bringen und neue anzuschieben, begründete er gestern seinen Entschluss, bei der Bürgermeisterwahl erneut anzutreten.

In Parteikreisen hat sich die Kommunalpolitik bereits auf Wagners Bewerbung eingestellt. Und mit Erleichterung aufgenommen, wie SPD-Ortsvereinsvorsitzender Heinz-Helmuth Puls sagt. „Wir haben schon darauf gehofft, doch gewusst, dass es eine schwerwiegende Entscheidung ist“, meint er unter Hinweis auf die siebenjährige Amtszeit. Der Parteivorstand habe vor einer Woche den Beschluss gefasst, den Mitgliedern zu empfehlen, Wagner zu nominieren. Die Versammlung ist für den 28. Februar vorgesehen.

Zu Gast beim Ortsverband der Bündnisgrünen, seit den vergangenen Kommunalwahlen Gruppenpartner der SPD im Gemeinderat, wird Wagner am 11. Februar sein. Wie Friedrich Pettig berichtet, hat sich der Ortsverband die Entscheidung vorbehalten, ob die Grünen den Amtsinhaber bei der Wahl unterstützen. Das Gespräch mit ihm solle darüber Aufschluss geben. Einen eigenen Kandidaten hatten die Grünen bislang bei keiner Bürgermeisterwahl aufgestellt, obwohl Ortsverbände in anderen Kommunen durchaus darin einen Sinn sehen. „Das wäre nicht aussichtsreich“, meint Pettig unter Hinweis auf das Wählerpotenzial in Aerzen.

Nachdem nun beide SPD-Bewerber bekannt sind, gerät in beiden Gemeinden die Opposition unter Zugzwang. Erheblich unter Druck sieht sich die Aerzener CDU-Parteivorsitzende Annegret Lorenz. „Wir tun unser Bestes“, sagt sie für den Vorstand – allerdings ohne Erfolg bislang. Dem Wunsch entsprechend sei zunächst in den eigenen Reihen gesucht worden. Zwei oder drei seien in Frage gekommen, hätten aber eine Absage erteilt. Lorenz räumt ein, dass es noch keine Gespräche mit potenziellen Bewerbern gegeben habe, die Suche mit jedem Tag schwieriger werde. Zuletzt sei das Thema am Mittwoch noch einmal in der Ratsfraktion diskutiert worden. Klare Ansage für den Wahltag am 25. Mai, so Annegret Lorenz: „Nicht ohne eigenen Kandidaten.“

Nicht besser gestaltet sich die Entwicklung in Emmerthal, wo die Christdemokraten ebenfalls auf einen heimischen Bewerber für das Bürgermeisteramt gehofft haben. Dort strebt die Gruppe aus CDU und Freier Wählergemeinschaft an, gemeinsam einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen; die FWE war bislang mit eigenen Kandidaten angetreten. „Die bisherigen umfangreichen Gespräche und Abstimmungen dazu haben aber noch zu keinem abschließenden Ergebnis geführt“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Fraktionsvorsitzenden Rudolf Welzhofer (CDU) und Ernst Nitschke (FWE). „Natürlich wäre es uns lieber gewesen, wenn wir vor drei Monaten einen Kandidaten gehabt hätten“, weiß Welzhofer, dass dies größere Vorteile bedeutet hätte. Zunächst sei überwiegend in den eigenen Reihen gesucht worden, die Hoffnung bleibe, dass sich kurzfristig ein Bewerber eventuell sogar ohne Parteibuch aus dem Landkreis melde, aber inzwischen „strecken wir die Fühler auch in der Region aus“. Für ihn zeige sich immer mehr der Nachteil mit der Eingleisigkeit, denn: Die frühere Doppelspitze mit hauptamtlichem Gemeindedirektor und ehrenamtlichem Bürgermeister sei sinnvoller und mit Blick auf die Kandidatensuche einfacher gewesen. Natürlich sei er sich bewusst, dass nun die Zeit knapp werde, meint Welzhofer und hofft auf eine baldige Erfolgsmeldung. In der zweiten Februar-Woche, so kündigen CDU und FWE an, werde sich ihre Findungskommission erneut zusammensetzen.

Ob dann ein Gegenkandidat für Andreas Grossmann feststehen wird? Zumindest gibt es hartnäckige Gerüchte, dass ein ehemaliger CDU-Ratsherr Interesse angemeldet hat, wenn er entsprechende Unterstützung auch dann erhält, falls er die Wahl verlieren sollte. Vielleicht weiß der Amtsinhaber, der auch von den Grünen unterstützt wird, ja am Sonntag, 9. Februar, schon mehr: Dann soll Grossmann von den Mitgliedern der SPD in Emmerthal bei der Nominierungsversammlung offiziell zum Bürgermeister-Kandidaten gewählt werden.

Die SPD-Bewerber sind inzwischen beide bekannt: Andreas Grossmann (oben) will in Emmerthal, Bernhard Wagner (unten) in Aerzen antreten. Beide waren erstmals 2006 zu Bürgermeistern gewählt worden. Ein großes Fragezeichen bleibt bei der CDU: Vier Monate vor dem Wahltermin stehen die Kandidaten noch nicht fest. Dana

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