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Bückeburger Büro besteht seit fünf Jahren / Geburtstagsfeier mit Staatssekretär im Justizgebäude

Opferhilfe - feste Größe und sichere Bank

Bückeburg (ly). Schmalhans ist Küchenmeister bei der sparsamen Justiz. Wenn jedoch ein etwas größeres Büfett aufgefahren wird, muss es sich um einen besonderen Anlass handeln. Wohl wahr: Die Bückeburger Opferhilfe hat fünfjähriges Bestehen gefeiert, und die Geburtstagsgäste sparten nicht mit Lob über die Arbeit des Büros.

veröffentlicht am 21.12.2007 um 00:00 Uhr

Glücksfall für die Opferhilfe: die Bückeburger Büroleiterin Dagm

Dort arbeitet Dagmar Behrens, Diplom-Pädagogin, eine der ersten sozialpädagogischen Prozessbegleiterinnen Deutschlands und zurzeit in der Ausbildung zur Traumaberaterin. "Mit unglaublicher Tatkraft hat Frau Behrens das Büro aufgebaut", so Reinhard Sievers, Vorsitzender Richter am Landgericht und Regionalvorsitzender der Opferhilfe. "Sie ist im totalen Einsatz für ihre Schutzbefohlenen", fügte Friedrich von Oertzen, Präsident des Landgerichts, in einem Grußwort hinzu. Längst sei die Opferhilfe feste Größe und sichere Bank bei der Justiz. Zudem sieht von Oertzen diese als Anlauf- und Beratungsstelle für Richter und Staatsanwälte. "Daher sind wir auch Nutznießer", sagte er. Die Erfolgsbilanz des Büros kann sich sehen lassen, ein ständig steigendes Aufkommen an Hilfesuchenden ist der beste Beleg. Der Start 2002 war mit zwölf Klienten eher bescheiden, das zweite Jahr (39) schon deutlich besser. In 2007 hatte Büroleiterin Dagmar Behrens mehr als 80 Fälle. "Das zeigt, wie wichtig ein solches Angebot nach einer Straftat für Betroffene ist", stellt sie fest und freut sich: "Unser Bekanntheitsgrad hat mit den Jahren stetig zugenommen." Seit der Gründung hat das Büro 331 Klienten betreut, drei Viertel davon Frauen. Auch das Spendenaufkommen steigt ständig. "Dadurch erfährt die Arbeit Wertschätzung", sagte Sievers. Zu den wichtigsten Säulen der Opferhilfe zählen Gespräche über juristische Aspekte wie anwaltliche Hilfe, Zeugenbegleitung oder die Vorbereitung auf Gerichtsverfahren, häufig auch Fragen nach Beratungs- und Therapieangeboten. Der Wunsch nach finanzieller Hilfe kommt dagegen erst an zweiter Stelle. Dennoch: Alleindieses Jahr sind fast 20 000 Euro an finanziellen Hilfen gewährt worden, zum Beispiel für Theapiekosten oder Unterstützung beim Umzug. Herein kommt das Geld über Spenden und Bußgelder. Eine Spende hatte der Anwaltverein im Landgerichtsbezirk Bückeburg zur Geburtstagsfeier mitgebracht, übergeben vom Vorsitzenden Karsten Martens. Auch die jeweiligen Justizminister stehen voll hinter der Opferhilfe, wie der Geschäftsführer der Stiftung in Niedersachsen betonte, Oberstaatsanwalt Rolf Naujok. Gegründet worden war die Stiftung unter Christian Pfeiffer (SPD). Und auch Elisabeth Heister-Neumann (CDU) "hat sich Opferhilfe auf ihre Fahnen geschrieben", so Naujok. "Opfer von Straftaten dürfen nicht allein gelassen werden", erklärte Staatssekretär Dr. Jürgen Oehlerking vom Justizministerium, der für Heister-Neumann gekommen war. Opferschutz sei eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Zugleich erinnerte Oehlerking an einen Satz des Wissenschaftlers und Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma, der 1996 Opfer einer Entführung geworden war: "Zentrales Anliegen des Opfers ist es, nicht mehr in erster Linie Opfer zu sein."

Unterstützung: Karsten Martens (l.), Chef des Anwaltvereins, übe
  • Unterstützung: Karsten Martens (l.), Chef des Anwaltvereins, übergibt Reinhard Sievers, Vorsitzender des regionalen Vorstandes der Opferhilfe, eine Spende. Fotos: ly


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