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Hilmar Dressler erzählt aus seinem Leben / "Bei mir herrscht nie Traurigkeit"

Olympia-Fotograf, Geschäftsführer und Schauspieler - er war alles auf einmal

Rinteln. Nicht oft trifft man auf Menschen, die so vielseitige Interessen haben und diese im Leben auch so erfolgreich ausleben konnten, wie es bei Hilmar Dressler (87) aus Rinteln der Fall ist. Er war Regisseur, Autor und Journalist, dazu hoher Sportfunktionär, Fotograf und Geschäftsführer einer großen Firma. 1981 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.

veröffentlicht am 19.01.2008 um 00:00 Uhr

Hilmar Dressler (87). Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

"Ich habe immer alles, was mir gefällt - aufgegriffen und angepackt", sagt der freundliche alte Mann, der es mit Gelassenheit erträgt, dass seine Augen ihre Sehfähigkeiten fast ganz verloren haben. Nicht gerade leicht für jemanden, dem das Lesen und Schreiben so wichtig ist. "Na, das ist auch wieder eine Art Herausforderung: Die Alterserscheinungen nicht ausufern zu lassen. Ich trainiere meine grauen Zellen und arbeite zum Beispiel am unserem Familienarchiv." Hilmar Dresslers Familie, in der es Kaufleute ebenso gab wie durchaus namhafte Künstler (zum Beispiel den Landschaftsmaler Eduard Leonhardi), lebte bei seiner Geburt in Dresden, wo der Vater Fabrikant für ärztliche Instrumente war. Eigentlich wollte der Sohn Medizin studieren, aber der Zweite Weltkrieg zerstörte erstmal alle Zukunftspläne. Nach dem Krieg fand er sich in Wiesbaden wieder, bewarb sich dort am Staatstheater als Dramaturg und wurde - so unerfahren er war - tatsächlich eingestellt. Vier Jahre lang stand er auch als Schauspieler auf der Bühne, spielte sogar an der Seite von Gustav Gründgens, bevor er sich dem kaufmännischen Bereich zuwandte und schließlich bei den Continental-Gummiwerken in Hannover begann, wo er innerhalb von 22 Jahren zum Planungs- chef aufstieg. Parallel dazu spielte der Sport, speziell die Leichtathletik, eine große Rolle in seinem Leben - war er doch 1940 als Teilnehmer für die dann durch den Krieg ausgefallenen Olympischen Spiele als Mittelstreckenläufer eingeplant gewesen. Ab 1951 kümmerte er sich nebenberuflich als Mitbegründer der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) nicht nur um finanzielle Dinge, sondern wurde dann auch Generalsekretär der DOG und Chefredakteur des "Olympischen Feuers" - eine so große Verlockung, dass er dafür sogar die Arbeit bei den Continental-Werken aufgab. Er fotografierte die Sportereignisse und berühmten Sportler, drehte einen Olympia-Film, schrieb jede Menge Fachartikel - und hatte damit mal wieder eine wunderbare Möglichkeit gefunden, seine vielseitigen Interessen unter einen Hut zu bekommen. Besonders eindrucksvoll in Hilmar Dresslers rundherum engagierten Leben ist unbedingt auch die Tatsache, dass er all diese Dinge mit seiner Frau teilen konnte, die er mit bereits 22 Jahren heiratete. Ein "frohgemutes Weib", wie er lächelnd sagt. Sie starb im letzten Jahr nach einer schweren Krankheit - und doch hat es für ihn den Eindruck, als stünde sie in gewisser Weise immer noch an seiner Seite. "Wenn man sich so gut verstanden hat, kann man sich eigentlich gar nicht verloren gehen." Mit ihr zusammen war er übrigens auch ein begeisterter Tänzer. In Rinteln, wo die Familie 1964 ein Haus baute, gründete er die Tanzsportabteilung im VTR. Das, und auch die Mitarbeit im Heimatbund führten dazu, dass er sich hier schnell heimisch fühlen konnte. "Ja - eigentlich war ich von Beginn an mit Rinteln verbunden", sagt er. Schnell entdeckte er nämlich, dass eines der Steinbilder an der Nikolaikirche einen seiner Vorfahren darstellt. Überhaupt, das Archiv der "Leonardi"-Familie umfasst über 40 Leitz-Ordner und ist auch jetzt noch ein unerschöpflicher Forschungsquell für den unerschöpflichen Mann, der dafür bereit ist, sich eine dicke Leselupe vor die Augen zu halten. "Bei mir herrscht nie Traurigkeit", sagt er. Ganz offensichtlich weiß er, wie man sein Leben reich machen kann...



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