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Ohne Einsicht gibt's keinen Führerschein

Bad Nenndorf/Stadthagen (menz). Der Fahrfehler eines VW-Fahrers aus Gronau hat im Juni vergangenen Jahres auf der Autobahn bei Bad Nenndorf zwei andere Autofahrer in die Bredouille gebracht. Ein Zeuge bescheinigte dem Führer eines Audi eine "fahrerische Glanzleistung", die allein ein größeres Unglück verhindert habe. Die glimpfliche Bilanz des Geschehens war ein Blechschaden von rund 5000 Euro.

veröffentlicht am 27.01.2007 um 00:00 Uhr

Der Unfall war eine Kettenreaktion auf den unvermuteten Spurwechsel des Gronauers, dadurch musste ein Golf auf der mittleren Fahrbahn ausweichen und zwang seinerseits den Audi auf den Grünstreifen. Ungeachtet des Vorfalls setzte der Gronauer in seinem Volkswagen die Fahrt fort. Vor dem Amtsgericht Stadthagen wurde der 49-jährige Schreiner jetzt wegen Fahrerflucht zu 35 Tagessätzen, in dem Fall 895 Euro verurteilt. Ihm wurde obendrein für weitere drei Monate der Führerschein entzogen. Für den selbständigen Handwerker ohne Angestellte ist das existenzbedrohend, es veranlasste den Verteidiger "bewusst auf die Tränendrüse zu drücken". Der Mann könne "den Laden dicht machen", den "können Sie morgen zum Sozialamt schicken", forderte er in seinem Plädoyer von der Einziehung der Fahrerlaubnis abzusehen. Bis zuletzt hatte der Gronauer seine Verantwortung für den Unfall bestritten. Drei Familienmitglieder konnten nur mit Mühe davon abgehalten werden, zu Gunsten des 49-Jährigen auszusagen. Unweigerlich hätte es weitere Verfahren wegen Falschaussage bedeutet, wie Staatsanwalt Günter Wilkening eindringlich warnte. Die Beweislage ließ keine anderen Schlüsse zu. Ganz klar stand die Aussage eines Ehepaares aus Bückeburg im Raum. Die beiden hatten schon beobachtet, wie sich das Unfallgeschehen durch das Fahrverhalten des Gronauers anbahnte und folgten dem VW anschließend. Das Kennzeichen wurde notiert, weil der Fahrer auf Hupen und Winken nicht reagierte.Davon habe er ebenso wenig bemerkt, wie von dem Unfall verteidigte sich der Gronauer und bestritt imÜbrigen jeglichen Spurwechsel im Bereich der Unfallstelle. Er strebte nach einem Freispruch und hatte vor der Verhandlung ein wohlmeinendes Angebot von Staatsanwalt Günter Wilkening in den Wind geschlagen. Es hätte ein Schuldeingeständnis erfordert, aber dafür hätte er den Führerschein behalten können. Auch die Richterin, Gönna Freifrau von Blomberg, war vor der Verhandlung hinsichtlich des Führerscheins noch konziliant gewesen, der Mann hatte zwischenzeitlich sogar die Lizenz zurückerhalten. Sie sei davon ausgegangen, dass vier Monate ohne Schein den Mann "ausreichend beeindruckt" hätten, sagte sie in der Urteilsbegründung. Im Verfahren vermochte sie aber von "einer erzieherischen Wirkung" nichts erkennen. Bis zum bitteren Ende hatte sich der Mann gegen jede Einsicht gesperrt.



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