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Baumdoktoren sanieren historische Linde vor dem Eisenhammer / 1818 bei Hausbau gepflanzt

"Ohne diesen Baum will ich hier nicht sein"

Bernsen (rnk). Seit 1818, seit dem Hausbau, steht sie vor der Eingangstür zum Eisenhammer. Wenn es nach Wilfried Möller geht, dann wird die alte Linde auch die nächsten Jahrzehte, wenn nicht sogar Jahrhunderte vor der Tür stehen: Vorgestern wurde mit ihrer Sanierung begonnen.

veröffentlicht am 21.02.2007 um 00:00 Uhr

Das gehört seit fast 200 Jahren zusammen: Die alte Linde und der

Denn der Orkan vom 18. Januar hat schwere Schäden an dem Baum verursacht: "Kyrill" hat so heftig an der Linde gerüttelt, dass sie gleichsam in zwei Teile gespalten wurde. Für Möller, der dort mit seiner Familie seit fast 200 Jahren wohnt, war sofort klar: "Ohne diesen Baum will ich hier nicht sein." Das ist eine Einschätzung, die Diplom-Forstingenieur Falk Dahms durchaus vorbildlich findet: "Bei so viel Geschichte sollte sich niemand leichtfertig von einem derartig schönen Baum trennen." Gemeinsam mit seinem Partner Markus Altgaßen hat Dahms vorgestern mit der Sanierung begonnen. Zunächst wurde der 26 Meter hohe Baum gekappt: Rund acht Meter ist er jetzt kürzer und bietet damit entsprechend weniger Windwiderstand. Im oberen Kronenbereich wollen Dahms und Altgaßen eine so genannte Dreiecksverseilung anbringen, die den Baum stabilisiert: Er kann künftig nur noch begrenzt wippen und schwingen. Die alte, vor rund 20 Jahren angebrachte Drahtseilsicherung verschwindet dafür. Eine zweite Sicherung wird in etwa sechs Metern Höhe angebracht, die den Riss im Stamm stabilisieren wird. Hier wird das alte Baum-Mädchen jede Hilfe brauchen, die es gibt, denn der Stamm kann nur noch oberflächlich zusammenwachsen. Danach, da sind sich Dahms und Altgaßen sicher, hat die Linde aber wieder, was ihr jetzt fehlt: Standsicherheit. Die "Baumdoktoren" betrachten den Baum ähnlich wie Möller: als ein historisches Kulturdenkmal, das vor Jahren aus Kostengründen aus den entsprechenden Listen gestrichen wurde. Und auch wenn die Sanierung rund zehn Mal so teuer ist wie ein Fällen des Baumes, so sind sich alle drei einig: Der Eisenhammer ohne Linde, das wäre wie Aue ohne Wasser. Und ihre Zukunfts chancen sehen gar nicht schlecht aus, findet Dahms. Sie könne ruhig noch 100 Jahre so stehen und wachsen. In der nächsten Woche soll die Sanierung beendet sein. Dass Wilfried Möller aus der privaten Schatulle den Baum sanieren lässt, ist zwar nicht der Normalfall, aber auch nicht die absolute Ausnahme, erzählen Dahms und Altgaßen. Erst kürzlich haben sie in der Nähe von Wendthagen eine Linde saniert, die gut und gerne ihre 380 Jahre auf dem Rindenbuckel hatte. Und wenn sie davon erzählen, dann ist zu merken, wie sympathisch ihnen Menschen sind, die noch ein bisschen Verantwortung für das übernehmen, was wir Natur nennen. Und auch wenn die Bernser Gaststätte "Zum Eisenhammer" an der Aue schon lange geschlossen hat, so gibt es doch noch die Möglichkeit, hier unter der alten Linde ein kühles Bierchen zu trinken: Wilfried Möller hat die Gaststätte am Wochenende für Stammgäste immer geöffnet. Und auch wer nicht dazu gehört, der kann es ja noch werden.

Arbeitsplatz in luftiger Höhe: Mit der Seilklettertechnik arbeit
  • Arbeitsplatz in luftiger Höhe: Mit der Seilklettertechnik arbeitet Falk Dahms in der historischen Linde. Fotos: rnk


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