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Entzückendes Puppenspiel "Siebenschön" zu Gast in Grundschule Krankenhagen

"Oh - die ist aber wirklich richtig böse!"

Rinteln (cok). So ein jubelnder Applaus, so ausdauerndes "Zugabe"-Rufen unter den Kindern in der Grundschule Krankenhagen. Sie alle waren begeistert von "Siebenschön", einem rundherum gelungenen Märchenstück des Hannoveraner Figurentheaters "Die Roten Finger", das die alte Geschichte rund um Prinz, Prinzessin und beinahe verhindertem Liebesglück mit neuer Frische erzählte.

veröffentlicht am 05.12.2007 um 00:00 Uhr

Gruppenbild mit den "Stars" der Aufführung: Barbara Felsenstein

Dabei waren es vor allem die von Figurenmeister Bernd Linde selbst gebauten großen Puppen, die das junge Publikum so mitziehen konnten. Während er seine Handpuppen aus Holz schnitzt, entstanden diese großen Stangenpuppen aus leichtem Pappmaschee, ein Material, das den Spielern ausgesprochen lebendige Bewegungen ermöglicht, ohne die ständig hoch zu haltenden Spielerarme all zu sehr zu ermüden. Mit ausdrucksvollen Gesichtern bemalt, in handgenähte Kleider gekleidet und mit den Stimmen von Bernd Linde und seiner Kollegin Barbara Felsenstein sprechend, schienen sie beinahe eine eigene Seele zu besitzen. Und so nahm das Märchen glücklich seinen Lauf, in dem "Siebenschön", ebenso blauäugig schön, wie auch ein wenig mädchenzickig, im Waldhaus der bösen Stiefmutter eingesperrt, auf ihre Rettung wartet. Die erscheint auch bald in Gestalt eines blondgelockten Jünglings, der jungenhaft verliebt und übermütig keck das schöne Kind befreit, sehr zum Ärger der wunderbar biestigen Stiefmutter, deren Pläne, das Mädchen an den finsteren "Waldschrat" zu verhökern, schließlich erfolgreich durchkreuzt werden. Diese kleine Geschichte, inszeniert auf einer klug durchdachten Drehbühne mit den Bildern von Waldhütte und Waldlichtung, entlockte den Kindern ständig erstaunte Zwischenrufe. "Oh, die ist aber wirklich richtig böse!", hieß es zur Stiefmutter, deren überschnappendes Lachen und Keifen wirklich hämisch klang und bestens zu ihrem spitznasigen Klatschweibgesicht passte. "Der sieht aber witzig aus!", war der Kommentar zum verkommenen Waldschrat, der mit schiefäugigem Charme schließlich nicht das Mädchen "Siebenschön", wohl aber die Stiefmutter für sich erobert. Und immer wieder Beifall für allerlei witzige Spielereien mit herumturtelnden Täubchen, der boshaften Eule auf dem Waldhausdach oder einer zuklappenden Tür, die den Waldschrat einfach umhaut. Ganz besonders gut kamen die Szenen an, in denen der Prinz und sein Mädchen sich ihre Liebe gestehen und sogar ein Küsschen in Ehren wagten. Kein Wunder - die Art, wie die beiden Puppen sich zärtlich aneinander lehnten oder sich begeistert anstarrten und ausriefen: "Wie schön Du bist", hatte wirklich etwas schelmisch Bezauberndes, und wer weiß, ob nicht das eine oder andere Kind ein klein wenig von eigenen, ersten Flirtereien darin wiedererkennen konnte. "So ein Märchenstück in der Vorweihnachtszeit hat bei uns Tradition", erklärt Schulleiterin Antje Kronenberg. "Wir spielen hier auch selbst viel Theater mit den Kindern, und so bekommen sie eine zusätzliche Vorstellung davon, was auf einer Bühne alles möglich ist." Puppenspieler Bernd Linde, ehemals Sozialarbeiter, bevor er sein eigenes Theater erschuf, war für dieses Anliegen genau der Richtige. Selbst von jeher Theaterliebhaber, spürt man, wie viel ihm daran liegt, den Kindern in ihrer eigenen Märchenwelt entgegen zu kommen. Gewiss wird er nicht das letzte Mal in Krankenhagen zu Gast gewesen sein.



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