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Mit der Polizeistreife unterwegs auf der Suche nach Radfahrern ohne Licht - zur Sicherheit der Kinder

"Oh, aber mein Dynamo geht doch so schwer..."

Rinteln (cok). Radfahrer zu entdecken, die ohne Licht fahren, das ist an einem Wintermorgen kurz vor Schulbeginn so einfach wie herbstliches Pilzesuchen in Polen. Kommissarin Sibylle Bädermann (31) und ihr Kollege Sebastian Bebermeier (26) sind kaum vom Polizeigelände aus in die Dauestraße eingebogen, da kommen ihnen schon die ersten lichtlos radelnden Schüler entgegen.

veröffentlicht am 13.01.2007 um 00:00 Uhr

Sibylle Bädermann und Sebastian Bebermeier kontrollieren die Kin

"Wir wollen denen nichts Böses", sagt Sibylle Bädermann, die an dieser Stelle kurz vor der Kreuzung Seetorstraße ohnehin nichts ausrichten könnte, ohne selbst den Verkehr zu gefährden. "Wir wollen nur, dass ihnen nichts geschieht." Wer im morgendlichen Berufsverkehr- und Schülergewimmel ohne Licht unterwegs ist, bringt sich wirklich in die Gefahr, von Autofahrern oder Fußgängern übersehen zu werden. "Das vergessen so viele", meint die Kommissarin, "dass es nämlich nicht nur darum geht, selbst gut zu sehen, sondern auch darum, von anderen gesehen zu werden." Immerhin, der erste kleine Schüler, der angehalten und mit freundlicher Bestimmtheit auf sein kaputtes Licht hingewiesen wird, sagt, er sei gerade auf dem Weg zu Marktkauf, um sich dort eine neue Fahrradlampe zu besorgen. Ob das wohl stimmt? "Ich weiß es nicht, aber wir gehen davon aus, dass unsere Ermahnungen in den meisten Fällen dazu führen, dass das Licht in Ordnung gebracht wird." Der Kleine darf weiterziehen, allerdings mit der Auflage, sein Fahrrad zu schieben. Das tut er auch, zumindest so lange, wie die Streifenfahrer ihn noch sichten können. Inzwischen ist der grün-weiße Bulli in die Bäckerstraße eingebogen. Von fünf entgegenkommenden Radfahrern fahren drei ohne Licht. Alle werden einzeln von Sebastian Bebermeier aus dem Fenster heraus angesprochen, murmeln verlegen eine Entschuldigung und stellen dann entweder den Dynamo an oder schieben das Rad. Eine Strafe bekommt niemand aufgebrummt, obwohl die bis zu 10 Euro betragen kann. "Beim nächsten Mal aber kostet es was", diese Ermahnung bekommen alle mit auf den Weg. "Wir haben da unseren Ermessensspielraum", erklären die Beamten. "Wer freundlich und einsichtig ist, für den bleibt es bei einer Ermahnung. Spätestens beim dritten Mal aber ist ein Bußgeld angesagt." Das gilt übrigens auch für die unter 14-Jährigen, denn das Radfahren ohne Licht ist keine "Straftat", für die sie noch nicht zur Verantwortung gezogen werden dürfen, sondern eine "Ordnungswidrigkeit", und da müssen sie im Fall des Falles für ihr falsches Verhalten geradestehen. In der Fußgängerzone schließlich haben es die meist jungen Radfahrer alle schrecklich eilig, gleich klingelt die Glocke der nahen Realschule. "Bitte, bitte, ich schreibe gleich eine Arbeit", sagt ein Schüler, dessen Fahrrad insgesamt nicht gerade vertrauenswürdig aussieht. "Oh, mein Dynamo geht doch soschwer", ein anderer. "Gerade heute morgen kaputt gegangen", ein dritter. Die beiden Polizisten machen bereitwillig gute Miene. Manchmal aber gibt es, vor allem in der dunklen Jahreszeit, gezielte Kontrollaktionen, bei denen auffällige Fahrräder anhand einer Mängelliste auf Herz und Nieren geprüft werden. Besitzen Räder und Pedalen Reflektoren? Ist vorne ein weißer Reflektor und hinten ein roter Großflächen-Rückstrahler vorhanden? Funktionieren Klingel und Bremsen einwandfrei? Notfalls telefonieren die verantwortungsbewussten Beamten so lange hinter den Eltern der betroffenen Kinder hinterher, bis sichergestellt ist, dass das Fahrrad wieder verkehrstüchtig ist.

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