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Vor genau 175 Jahren begann der Abbau im Feggendorfer Stollen / Jubiläums-Feier am Wochenende

Oft stoppte Glatteis den Kohletransport am Deister

Feggendorf (nah). Der Deister hat es in sich. Dass tief im Berg kostbares Brennmaterial lagert, wussten die Menschen schon vor Jahrhunderten. Aus 1639 ist ein erster Kohleabbau in der Nähe des heutigen Annaturms dokumentiert. 1725 folgten bescheidene Förderungen aus Gruben bei Rodenberg. Erst im 19. Jahrhundert ging es ins Flöz. 40 Stollen wurden rund um den Deister in die Tiefe getrieben. Mehr als 2000 Menschen fanden über und unter Tage Arbeit. Heute ist das alles Geschichte. Nur ein Besucherbergwerk in Barsinghausen und der restaurierte "Feggendorfer Stollen" erinnern daran. Dieser wurde vor genau 175 Jahren angelegt.

veröffentlicht am 04.10.2006 um 00:00 Uhr

Der Feggendorfer Hermann Rickenberg hat eine Mengeüber die Gesch

Damals fand Kohle angesichts der zunehmenden Industrialisierung reißenden Absatz. Ende 1830 wurde im Barsinghäuser Klosterforst nach Steinkohle gesucht. Am 1. November 1831 erfolgte der erste Spatenstich oberhalb von Feggendorf. 1832 begann die Förderung. Der Feggendorfer Betrieb und der zeitgleich in Hohenbosel angelegte Stollen wurden 1862 verbunden zur besseren Belüftung. Der Feggendorfer Stollen war aber "nur dazu bestimmt, die Ortschaften jenseits des Deisters mit Hausbrandkohlen zu versehen", hat der Lauenauer Heimatforscher Karl Parisius ermittelt. Die Förderungwurde offenbar den Erwartungen gerecht: Für 1841 waren es etwa 1600 Tonnen Kohle. Vielleicht hätte die Produktion noch gesteigert werden können. Aber der Transport über den steilen Deisterhang erwies sich immer wieder als problematisch. Das hat der Feggendorfer Hermann Rickenberg aus alten Unterlagen ermittelt. Der 65-Jährige ist mit seinem Freund Helmut Bauer (69) fast täglich am alten Stollen anzutreffen, obwohl er selbst nie unter Tage beschäftigt war. Aber die Geschichte seines Heimatdorfes hat es ihm angetan. Und so packt er mit an, die Industrierelikte zu erhalten. So weiß Rickenberg, dass starke Regenfälle den Absatz beeinträchtigten. Mehr noch aber die kalten Winter: Da behinderte Glatteis die Fuhren ins Tal, obwohl gerade dann die Kohle benötigt wurde. Der direkte Weg wurde lediglich in Teilen gepflastert. Es entstand jedoch eine schnurgerade Verbindung jenseits des Dorfes direkt zur Landstraße nach Rodenberg. Absatzprobleme beendeten 1879 den Abbau: Die Feggendorfer Kohle war im Verhältnis zu den Produkten aus Westfalen zu teuer geworden. Erst 1917 ging es mit der Förderung weiter, weil der Krieg Brennstoff verlangte. 1921 erreichte der hiesige Bergbau seinen Höhepunkt - mit 139 Mann und dem Bau des "Bremsberges", auf dem Loreneinheiten über Gleise rollten. Nach einer kurzen Unterbrechung 1928/29 wurde der Stollen bis 1947 ausgebeutet. Danach holten sich Bergleute für einige Zeit noch ihre Deputatkohle, bis 1952 endgültig Schluss war. Auch in Barsinghausen gingen die Lichter aus (1956). Die letzten Stollen wurden bei Altenhagen II (Alte Taufe) und Bad Nenndorf (Strutzberg) bis 1960 betrieben. Die Anlage bei Feggendorf, die im Wesentlichen aus dem ursprünglichen Stolleneingang und ein paar Grundmauern bestand, verfiel, bis 1990 der Lauenauer Heimat- und Museumsverein zumindest den Eingangsbereich herrichtete. Seit 2004 bemüht sich eine Arbeitsgruppe, die Zeche zu erhalten. Weil beim Freilegen des alten Gangs eine "Störungszone" nicht bezwungenwerden konnte, sind die Helfer jetzt sogar dabei, einen neuen Weg durch das Gestein zu treiben - zum ersten Mal wieder nach mehr als 50 Jahren.

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