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Zukunft des Landesmuseums Thema beim Heimatverein / Mitgliederzahl sinkt erstmals unter 1200

Offene Ohren, aber zugeknöpfte Taschen

Bückeburg/Lindhorst (bus). Der Schaumburg-Lippische Heimatverein geht die Bewältigung der in den kommenden drei Jahren anstehenden Herausforderungen mit breiter Rückendeckung durch die Mitglieder und fast unverändertem Führungsteam an. Während der im Lindhorster Schulzentrum tagenden Hauptversammlung regte sich beim Punkt "Vorstandswahlen" im gut besetzten Saal nicht eine Gegenstimme. In ihren Ämtern verbleiben Dr. Wolfgang Vonscheidt (1. Vorsitzender), Dr. Henning Lemme (2. Vorsitzender) und Wolfgang Gloede (Schriftführer). Karl Dreier übernahm die Position des Schatzmeisters von Karl-Heinz Kilb.

veröffentlicht am 26.03.2007 um 00:00 Uhr

K.-H. Kilb

Aus dem Kreis der Ortsgemeinschaften wurden Karl-Heinz Kirchhoff (Stadthagen), Friedrich D. Siekmann (Seeprovinz) und Inge Bührmann (Hagenburg) bestätigt. In Lindhorst ersetzte Regina Sieker Heinrich Amelung; Dorothea Hammer aus Bückeburg, wo keine eigene Ortsgemeinschaft existiert, hat in dem Zirkel per Vorstandsbeschluss Sitz und Stimme. Beherrschendes Thema der von Auftritten des Gemischten Chores Lindhorst und der Trachtengruppe des Gastgeberortes umrahmten Zusammenkunft war die Zukunft des Landesmuseums Bückeburg. Er sei bei der Erörterung dieser Thematik "überall auf viele offene Ohren getroffen" - aber auch auf beinahe ebenso viele zugeknöpfte Taschen, erläuterte Vonscheidt. Fazit: "Unser Museum muss sich völlig anders darstellen." Die Probleme seien finanzieller, struktureller und personeller Natur. Der Vorsitzende unterstrich, dass eine Abkehr von der ehrenamtlichen Führung - schon um überregionalen Förderungsansprüchen zu genügen - unabdingbar sei. Als möglichen Ausweg machte er ein hauptamtlich tätiges zentrales Management für alle Schaumburger Museen aus. Aktuell bereitet das Landesmuseum dem Verein vor allem wegen des Missverhältnisses von Ausgaben (21 000 Euro) zu Einnahmen (3046 Euro) Sorgen. Was angesichts des auf mehrere Millionen Euro geschätzten Wertes der Sammlungen ein Klacks ist. Vonscheidt: "Wir besitzen mehr als alle Museen in Schaumburg zusammen." Entschlüsse über die Museumszukunft wurden weder diskutiert noch gefasst. Derzeitiger Stand der Dinge ist ein Aussetzen der Öffnungszeiten. "Wir machen nach Bedarf auf", so der Vorsitzende. Vonscheidt hob ausdrücklich das Engagement von Kurt Ptak hervor. Der langjährige Mitarbeiter sei "die Seele des Museums", ohne den es die Einrichtung "schon lange nicht mehr" gebe. Ebenfalls lobende Worte richtete der Vorsitzende an Amelung, der mit der höchsten Auszeichnung des Vereins, der Herder-Medaille ausgezeichnet, wurde, und an Kilb, der seit 1978 die Finanzen der Gemeinschaft im Griff gehabt hat - und zum Abschied ein (zum Teil zweckgebundenes) Vermögen von mehr als 40 000 Euroübergab. Der Ex-Banker war der einzige Teilnehmer, der dem Tenor des Vorstandes einen Hauch von Kritik entgegenbrachte. Kilb gab zu bedenken, dass als Folge einer dauerhaften Museumsschließung womöglich mit einem veränderten Zuschussverhalten gewichtiger Sponsoren zu rechnen sei. Die Kasse des Vereins wird zu einem erheblichen Teil von Zuschüssen und Spenden gefüllt. Die Beiträge (18 000 Euro) machen nicht mal die Hälfte der Habenseite aus. Was nicht zuletzt dem stetig sinkenden Bestand zahlender Mitglieder geschuldet ist. Vonscheidt bilanzierte per 31. Dezember 2006 erstmals ein Abrutschen unter die 1200er Grenze. Die Gemeinschaft sei mehr noch als andere von der demographischen Situation betroffen, die Altersstruktur "schief". Der Vorsitzende machte die Entwicklung am Beispiel der ehemaligen Residenzstadt deutlich. Hier standen bemerkenswerten 31 Neueintritten 15 Todesfälle, zehn Kündigungen und 20 durch Bestandsbereinigung bedingte Abgänge gegenüber.

Wolfgang Vonscheidt (vorne, von links) und Henning Lemme sowie K
  • Wolfgang Vonscheidt (vorne, von links) und Henning Lemme sowie Karl Dreier (hinten, von links) und Wolfgang Gloede bilden den Kernvorstand des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins.
Im Rahmenprogramm der gut besuchten Versammlung setzen die Tänze
  • Im Rahmenprogramm der gut besuchten Versammlung setzen die Tänzer der Trachtengruppe Lindhorst folkloristische Glanzlichter. Fotos: bus

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