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Chancen für eine Wiederbelebung der Strecke sinken / Peter Schultz will sich weiterhin einsetzen

Obernkirchener Bahnhof schließt am 30. Juni

Obernkirchen (sig). Nach dem 30. Juni ist der Bahnhof der Bergstadt nicht mehr besetzt. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das für immer geschieht. Dieser Schritt erscheint logisch: Den Personenverkehr gibt es schon seit den sechziger Jahren nicht mehr, sieht man mal von den sommerlichen Ausflugsfahrten der Dampfeisenbahn ab. Im vergangenen Jahr schmolz der Frachtverkehr auf ein Zehntel des davor bestehenden Umfanges zusammen. Was rechtfertigt dann noch eine andere Entscheidung?

veröffentlicht am 22.02.2007 um 00:00 Uhr

Der Obernkirchener Peter Schultz sieht das nach wie vor anders. Und er unternimmt deshalb alles, was in seinen Kräften steht, um die Bahnstrecke nicht nur zu erhalten, sondern sie sogar wieder neu zu beleben. Immerhin schaffte er es, dass sich am Mittwochmorgen am Obernkirchener Bahnhof ein kleines Team von Fachleuten und Interessenten versammelte, um eine Art Bestandsaufnahme der Strecke zwischen der Bergstadt und Stadthagen zu machen. Gleich zu Beginn der Gesprächsrunde machte er klar, dass dieses Treffen einzig und allein als Eigeninitiative zu sehen ist. Der daran teilnehmende Vertreter des Landkreises, Knut Utrech, legte Wert auf die Feststellung: "Es gibt kein Mandat des Landkreises für diese Pläne, aber wir sind bis 2009 Gesellschafter der Rinteln-Stadthagener Verkehrs GmbH (RStV) und werden zusammen mit den beteiligten Kommunen dafür sorgen, dass die Gleisanlagen bis zu diesem Zeitpunkt in einem verkehrssicheren Zustand bleiben." Olaf Ernst, Geschäftsführer der RStV, ergänzte diese Aussage mit dem Hinweis: "Wenn dann niemand mehr die entstehenden finanziellen Verluste ausgleicht und diese Strecke übernimmt, ist endgültig Schluss für die RStV. Aber wir sind froh, dass wir jetzt noch etwas Zeit gewonnen haben, um andere Ideen zu entwickeln." Wie diese Ideen aussehen können, blieb aber weitgehend offen. An die Chance, dass sich hier längs der Strecke in nächster Zeit zusätzliche Industrie ansiedelt, die für ein höheres Transportaufkommen auf der Schiene sorgt, mag er selbst kaum glauben. Bei den Bemühungen, verloren gegangenes Terrain zurückzuerobern, haben die Rinteln-Stadthagener Verkehrsbetriebe nicht viel Optimismus geschöpft. Das Rintelner Getränkeunternehmen Schwarze habe seine Logistik völlig auf den Einsatz von Lastkraftwagen umgestellt, und auch bei den Schaumburger Steinbrüchen seien größere Transportkapazitäten weggebrochen, berichtete Olaf Ernst. Der Umsatz mit der Obernkirchener Glasfabrik Heye sei im Laufe der Jahre ebenfalls zurückgegangen. "Das ist auch ein Preisproblem; wir befördern die Güter ja nur auf einer Strecke von 20 Kilometern, aber die zu übernehmende Bundesbahn wäre da einfach zu teuer", erklärte der RStV-Geschäftsführer. Die meisten Güterwagen, die derzeit noch auf der heimischen Nebenstrecke beladen werden, transportieren Holzstämme aus dem Schaumburger Land. Sie werden überwiegend zur weiteren Verarbeitung bei einem großen Werk in der Nähe von Stendal angeliefert. Dass mit dem zusätzlichen Angebot eines im Stunden-Rhythmus verkehrenden Schienenbusses das alljährliche Defizit ausgeglichen werden kann, hält kaum jemand für möglich. Knut Utrech vom Landkreis erwähnte zwar, dass für den Nahverkehr mit Bussen und Bahnen Mittel aus der Mineralölsteuer bereitgestellt werden, aber die Landesnahverkehrsbehörde prüfe dabei sehr genau, wie der Kosten-Nutzen-Effekt aussehe. Beim Triebwagen "Haller Willem", der auf einer vorher stillgelegten Strecke zwischen Bielefeld und Osnabrück reaktiviert wurde, sei das bejaht worden. Dieses Projekt habe sich auch wirtschaftlich als sinnvoll erwiesen. Solche günstigen Perspektiven gebe es für die Bahnlinie Obernkirchen-Stadthagen leider nicht, auch wenn man die Zahlen der Schüler und Pendler in die Überlegungen einbeziehe. Sowohl Peter Schultz als auch ein Vertreter des Stadthäger Seniorenbeirates wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass man auch an die touristische Erschließung der Bergstadt sowie an die Senioren denken sollte, die ihrer Meinung nach vermehrt die Bahn benutzen würden. Nach einer Bestandsaufnahme der von Peter Schultz angeregten Haltestellen,über deren Ergebnis wir noch gesondert berichten werden, betonte der Obernkirchener, er werde sich weiterhin mit aller Kraft für die Wiederbelebung der Bahnstrecke einsetzen. Dazu gehöre die Präsentation eines modernen Triebwagens von einem niedersächsischen Hersteller. Das geschehe auch dann,wenn er vorerst ein Einzelkämpfer bleibe.

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