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Verschwundene Orte - heute: Die Stiftsanlage Asbeke / Fundamentstreifen sindÜberbleibsel von mittelalterlichem Bau

Nur wenige Jahre geistlicher Ort: Das Rätsel von Rehburg

Rehburg (ade). Wie das Leben in der Stiftsanlage Asbeke in Rehburg im 11. Jahrhundert war, lässt sich nur noch erahnen. Lediglich Fundamentreste sind der Nachwelt erhalten geblieben.

veröffentlicht am 01.08.2008 um 00:00 Uhr

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Der weite Blicküber die Umgebung und der trockene Platz auf einem Hügel der Rehburger Berge waren bei der Standortwahl der kleinen Stiftsanlage wohl entscheidende Faktoren. Trotz ihrer erhöhten Lage ist sie heutzutage nicht leicht zu finden, denn von den Gebäuden von einst steht bereits seit rund 1000 Jahren keines mehr. Nur ein grünes Schild auf der "Jägerstraße" in Rehburg, der Ausfallstraße zum Klosterort Loccum, weist auf die mittelalterliche Stiftsruine hin. Wer dem Hinweis folgt, sollte nicht zu schnell aufgeben oder gar umkehren, denn erst wenn der schmale landwirtschaftliche Weg sich bis auf den ersten Hügel hinauf gewunden hat, liegt zur linken Hand das kleine, eingezäunte Areal - das Ziel. Ideal für ein Picknick im Sonnenschein ist der Platz, der Blick reicht in einer Richtung weit über Rehburg, und auch das Steinhuder Meer ist in Sichtweite. Die Rasenfläche ist stets gut gemäht, der neu, aber an historisch belegter Stelle aufgemauerte Brunnen mit einem Gitter gesichert und die leicht erhöhten Fundamentreste, die Zeugen der Vergangenheit in der Nähe Rehburgs sind, laden dazu ein, auf ihnen den Grundriss abzugehen. Vor rund 30 Jahren war an dieser Stelle noch Ackerland. Und wenn der Zufall es nicht gewollt hätte, dass ausgerechnet der passionierte Heimatforscher August Lustfeld dieses Feld bestellte, hätte sich sicherlich bis heute nichts daran geändert. Doch Lustfeld wunderte sichüber die Sandsteinbrocken, die er beim Pflügen immer wieder zutage förderte. Dort, wo diese Brocken besonders konzentriert auftraten, begann er zu graben, stieß auf Mauerfundamente und informierte das Institut für Denkmalpflege in Hannover. Drei Jahre mit Ausgrabungen folgten, 45 mal 25 Meter maßen die frei gelegten Fundamente schließlich, auch der Brunnen, der für Wasser in der Anlage sorgte, wurde entdeckt. Eine Kirche vermuteten die Archäologen in dem großen rechteckigen Raum, daran angeordnet Nebengebäude - ersteres sauber gearbeitet, in ordentlichen rechten Winkeln, Letztgenanntes mit deutlichen Mängel an der Baukonstruktion. Weder in Rehburg noch im Loccumer Kloster waren Unterlagen über diese Anlage vorhanden. Einzig der Name einer nahe gelegenen Siedlung aus dem Mittelalter war immer noch bekannt: Asbeke. Ein Name, der die einzige Spur war, anhand derer weitergesucht werden konnte. Fündig wurden die Wissenschaftler in der "Bischofsgeschichte der Hamburger Kirche", einer schriftlichen Überlieferung aus dem 11. Jahrhundert. Demnach hat Erzbischof Adalbert von Bremen (1043 bis 1072) gleich mehrere Probsteien gegründet, darunter eine in "Asbeke in den Waldbergen der Mindener Diözese". Recht eigennützig waren die Beweggründe dieses Erzbischofs seinerzeit, als er ein Stift außerhalb seiner Diözese gründete: um den ehrgeizigen Plan zum Bau des Bremer Doms zu verwirklichen, benötigte der Kirchenmann Baumaterial und davon war in diesen "Waldbergen" einiges vorhanden. Mit der Stiftsgründung erreichte Adalbert, dass er Sandstein und Kalk bekam, bis ins 13. Jahrhundert lässt sich diese geschäftliche Verbindung zwischen Bremen und Rehburg nachvollziehen. Die Gründung des kleinen Stifts auf dem Rehburger Berg hatte sich für die Bremer Erzbischöfe also durchaus gelohnt. Die Geschichte des Stifts stand für seine Bewohner allerdings unter einem weniger gutem Stern. Als der Stifter höchstpersönlich eines Tages zu einer Visite auf den Hügel kam, brach unplötzlich das Hauptgebäude in sich zusammen. Nur wenige Jahre stand das "Stift Asbeke" somit als geistlicher Ort auf dem Hügel, das Gebäude wurde nie wieder aufgebaut. Als Spuren der Vergangenheit sind nur die Fundamentreste geblieben. Wie das Leben auf dem Hügelrücken nahe der noch zu gründenden Stadt Rehburg vor 1000 Jahren ausgesehen hat, bleibt weiterhin ein Geheimnis. Der Fantasie der Besucher beim Picknick an historischem Ort werden keine Grenzen gesetzt.

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