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Vor Gericht: Betrüger-Pärchen bestellt kartonweise Tiernahrung, ohne zu bezahlen / Bewährung

Nur vom Feinsten für die lieben Miezekatzen

Obernkirchen/Bückeburg (ly). Nur vom Feinsten: Hühnchen, Leber, leckere Filets - da läuft jeder Hauskatze das Wasser im Maule zusammen. Nein, Hunger leiden mussten die Stubentiger eines Paares aus Obernkirchen gewiss nicht. Im Gegenteil wurde das Rudel mit Leckerbissen geradezu verwöhnt. Wer kann das bezahlen? Herrchen und Frauchen, beide arbeitslos und ständig klamm, jedenfalls nicht.

veröffentlicht am 25.04.2006 um 00:00 Uhr

Durch seineübertriebene Tierliebe wäre das Pärchen jetzt fast wegen Betruges im Gefängnis gelandet. Er (27) ist vor dem Bückeburger Amtsgericht noch einmal mit einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe davongekommen, sie (25) mit sieben Monaten, die ebenfalls ausgesetzt werden. Als Auflage müssen die Angeklagten jeweils 200 Stunden gemeinnützig arbeiten. Kartonweise bestellt, geliefert, nicht bezahlt: Sechs Lieferungen Tiernahrung im Wert von insgesamt rund 550 Euro hatten die Obernkirchener bei einem Internet-Handel geordert, zum Teil unter Angabe anderer Adressen. Auf den Rechnungen blieb der Online-Shop sitzen. Und weil das Pärchen gerade so richtig im Kaufrausch war, wurden am Computer obendrein in zwei weiteren Fällen reichlich CDs und DVDs bestellt. Wozu jemand Massen von DVD-Rohlingen für 226 Euro braucht, ließ sich vor Gericht indes nicht wirklich klären. Der Mann "will die Sachen ja bezahlen". Nur: "Als Hartz-IV-Empfänger ist das halt nicht so einfach." Logisch. Wenigstens die Miezen sollten es gut haben. Ungeachtet aller Geldnot mag sich die Frau, die deren Partner als "extrem tierlieb" einstuft, von den Vierbeinern nicht trennen. "Die Online-Firma hat sicher kein Interesse, ihre Katzen zu sponsern", gab Richter Armin Böhm zu bedenken und kündigte an, "dass die Angeklagten beim nächsten Mal in den Bau gehen". Deshalb eine Freiheitsstrafe und keine Geldstrafe mehr - quasi als letzte Warnung, "damit Sie das endlich verstehen". Bereits in einem vorausgegangenen Prozess war das Pärchen nämlich wegen einer Serie von Betrügereien verurteilt worden. Böhm: "Man kann nicht einfach drauflos bestellen, wenn man's sich nicht leisten kann." Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein hätte es durchaus vertretbar gefunden, beide wegzusperren: "Und glauben Sie nicht, dass Sie dann Zellennachbarn werden." Katzenfutter gibt'sübrigens auch beim Discounter. "Und zwar viel günstiger", wie der Staatsanwalt in Richtung der Angeklagten anmerkte.

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