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Schulamt: "Eine Abstimmung mit den Füßen" / Anmelderekord an Gymnasien mit 53,8 Prozent

Nur noch 9,5 Prozent wählen die Hauptschule

Landkreis (ssr). So viele Schüler wie noch nie zuvor sind für das kommende Schuljahr für die Schaumburger Gymnasien angemeldet worden - kreisweit 53,8 Prozent aller Grundschulabgänger. Gleichzeitig hält die Flucht vor den Hauptschulen an. Noch nicht einmal mehr jeder zehnte Viertklässler wechselt zum Schuljahr 2007/08 andiese Schulform. Das Schulamt des Landkreises Schaumburg spricht von einer "ganz eindeutigen Abstimmung mit den Füßen".

veröffentlicht am 27.02.2009 um 14:18 Uhr

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Der Trend ist ungebrochen: Hatten die Gymnasien im Jahr 2000 kreisweit ,nur' 37,2 Prozent aller Vierklässler aufgenommen, sprang die Quote im Jahr 2004 über die 50-Prozent-Marke und hat jetzt den Rekordwert von 53,8 Prozent erreicht. Umgekehrt die Tendenz bei der Hauptschule: Zu dieser Schulart waren im Jahr 2000 ebenfalls 37,2 Prozent der Viertklässler gewechselt, dieser Wert ist auf 9,5 Prozent abgestürzt. Eingermaßen stabil halten sich dazwischen die Realschulen (2000: 33,5 Prozent; 2007/08: 30,1 Prozent). Bei der Vorlage dieser taufrisch erhobenen Daten auf Anfrage weist Ralf Mahnert vom Schulamt des Landkreises auf die "erheblichen Differenzen zwischen den Schullaufbahn-Empfehlungen der Grundschulen und den Entscheidungen der Eltern" hin. Für immerhin 24,5 Prozent aller Viertklässler sei die Hauptschule als geeignet empfohlen worden. Das bedeutet, dass mehr als zwei Drittel der betreffenden Eltern dieser Empfehlung nicht folgen. Für die Gymnasien wurden 38,7 Prozent empfohlen, also weit weniger als tatsächlich dort hingehen. Die Verschiebung erfolgt gleichsamüber den in sich stabilen Puffer der Realschulen. Mahnert dazu: "Wenn es denn nur irgendwie geht, werden für die Hauptschule empfohlene Kinder zur Realschule geschickt, und die empfohlenen Realschüler wandern massenhaft an die Gymnasien ab." Zu beobachten sei auch, fuhr Mahnert fort, dass die Empfehlungen der Grundschullehrer sich drastisch von denen der früheren Orientierungsstufen (OSt) unterscheiden. Die OSt-Klassenkonferenzen hatten weitaus mehr Schüler für die Hauptschule empfohlen als es heutzutage die Grundschul-Klassenlehrer in ihren Einzelentscheidungen tun. "Die Grunschulen scheinen nach vier Schuljahren ein positiveres Bild von den Laufbahnchancen der Schüler zu haben als es die OSt-Pädagogen nach der sechsten Klasse (inklusive Fremdsprache) hatten", analysierte Mahnert. Eine weitere Beobachtung des Schulamtes: Die ganz eigenständigen Hauptschulen in Rinteln und Bückeburg zeigen sich in der Schülerzahl stabiler als jene Hauptschulen, die unter einem Dach mit Realschulen sind. Schulamtsleiter Friedrich-Wilhelm Dehne interpretiert den massiven Trend als "ganz eindeutige Abstimmung mit den Füßen weg von der Hauptschule". Er fügte hinzu: "Es würde mich wundern, wenn dies mittelfristig nicht doch strukturelle Veränderungen nach sich ziehen wird." Rein räumlich und von der Ausstattung her gesehen wären gerade die ländlichen Schulzentren in Schaumburg nach Einschätzung Dehnes theoretisch sofort in der Lage, zu Gesamtschulen umgestaltet zu werden. "In Obernkirchen und Rodenberg ginge das sofort", sagte er, "in Lindhorst und Helpsen nach nur geringfügigen Veränderungen." Durch den Ansturm auf die Gymnasien fahren diese in den kommenden Jahren laut Dehne räumlich "unter Volllast". Die Gymnasien in Bückeburg und Bad Nenndorf müssen Außenstellen nutzen, ebenso das Stadthäger Wilhelm-Busch-Gymnasium. Eine Entspannung werde dort erst nach dem Jahr 2011 eintreten, wenn die Reduzierung auf zwölf Schuljahre zahlenmäßig wirksam wird, sagte Dehne voraus.

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