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30 Kinder aus Litauen erholen sich in Schaumburg / "Klamottentauschbörse" kommt gut an

Nur mit Plastiktüte nach Deutschland gereist

Landkreis (sk). "Nun heißt es wieder Abschied nehmen." Dieser Satz, den Ira Batter im Besuchsprogramm geschrieben hat, hat noch ein paar Tage Zeit. Noch erholen sich 30 Kinder und Jugendliche aus Litauen auf Initiative des Vereins "Sterntaler Kinder Litauen e.V." in Schaumburger Gastfamilien.

veröffentlicht am 22.08.2006 um 00:00 Uhr

Wer braucht noch eine Hose? Beata Raslanaite (27) preist Kleidun

Eine "Klamottentauschbörse", veranstaltet im Vereinsheim des TuS Lauenhagen, war ein Programmpunkt für die sieben bis 18-jährigen Kinder und Jugendlichen. Aus sehr armen und zum großen Teil zerrütteten Familien einer Trabantenstadt von Vilnius kommen die jungen Gäste, die meist nur mit einer Plastiktüte nach Deutschland gereist sind. Das Bekleidungsangebot für die jungen Besucher kam darum bestens an. Bergeweise türmten sich Jeans und T-Shirts auf den Tischen, Pullover, Strumpfhosen, Jacken und Schuhe. Bürger hatten die Textilien gespendet. Der Verein "Sterntaler Kinder Litauen" besteht seit sechs Jahren und zählt 20 aktive Mitglieder, die regelmäßig Fahrten litauischer Kinder nach Schaumburg und deren Unterbringung organisieren. Das Geld für die Busreisen - mit dem Linienbus, einem "Euroliner", machen sich die Kinder samt Betreuer auf den Weg - "verdienen" die Vereinsmitglieder auf Flohmärkten in Bad Nenndorf und Stadthagen. Zum Verkauf bieten die Lauenhägerin Ira Batter und dort Mitstreiterinnen dort Sachspenden aus der Bevölkerung an. Mit dieser Art der Finanzierung konnten zum fünften Mal Kinder zu Erholung nach Schaumburg eingeladen werden. Kleidung und andere wichtige Güter, die die Kinder mit nach Hause nehmen können, sind wichtig und hochwillkommen. Vielmehr aber, so Batter, zähle für die jungen Menschen, dass sie bei ihrem Aufenthalt in Deutschland Familienleben kennen lernen. Etliche Kinder sind Waisen, andere Sozialwaisen, deren Eltern sich nicht mehr umihre Kinder kümmern oder diese auch nicht mehr dürfen. Alkohol zerstört viele Familien in sozialen Brennpunkten. Etliche Kinder sind zum wiederholten Mal in der gleichen Schaumburger Gastfamilie untergebracht, so die zwölfjährige Agné. Rita Weber aus dem Auetal, deren Ehemann und die Tochter freuen sich, dass in diesem Jahr auch Agnés Schwester Dalia (9) dabei ist. Die Verständigung mit den Kindern sei zwar schwierig, aber mit der "internationalen Gebärdensprache" klappe es ganz gut, so Weber. Außerdem steht mit Beata Raslanaite (27) eine Übersetzerin für die gesamte Reisegruppe zur Verfügung. Die junge Frau aus Litauen war in ihrer Heimat Lehrerin und studiert jetzt in Kassel noch einmal für das Grundschullehramt in Deutschland. Damit das Heimweh bei aller Fürsorge durch die Ferieneltern nicht zu groß wird und die Gastkinder ihre eigene Sprache sprechen können, treffen sich die 30 Kinder regelmäßig zu gemeinsamen Aktionen. Das "Rasti-Land" wurde bereits erkundet, und am Donnerstag treffen sich alle Gastfamilien mit ihren Schützlingen zu einem Spiel- und Grillnachmittag im Gemeindepark in Meerbeck.

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