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Wie die Piraten in Diedersen auf dem Rittergut derer v. Hake ihren Werbespot drehen

Nur ein Pferd lässt sich schlecht auftreiben

Diedersen. Nur die Sonne fehlte, als die Dreharbeiten für den Werbespot der Piraten-Partei zur Landtagswahl im kommenden Jahr auf dem Rittergut derer v. Hake in Diedersen beginnen sollten. Aber auch ein paar Regentropfen konnten das Team um Torben Friedrich, den in Diedersen lebenden Landtagskandidaten der Piraten, nicht schrecken. „Macht nichts, auf unserer Wetter-App ist nur von einem kleinen Schauer die Rede. Vielleicht kriegen wir ja sogar noch einen Regenbogen“, kommentiert Friedrich die wolkige Lage, während Mutter Bärbel den provisorisch errichteten Stand auf dem Hof mit geschmierten Brötchen und Kaffee versorgt und Vater Siegfried sich sorgt, wie das für die Dreharbeiten eingeplante Pferd herangeschafft werden kann. Pech, dass der dafür engagierte Reiter am Abend zuvor gestürzt und ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

veröffentlicht am 31.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.11.2012 um 16:10 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Das vierköpfige Filmteam von Brainclash aus Hannover packt unterdessen seine Gerätschaften aus und sucht sich geeignete Bildmotive, mit denen demonstriert werden soll, „dass die Piraten in ganz Niedersachsen zu Hause sind und nicht nur im Internet“, wie ihr Projektleiter Carsten Bätge aus Helmstedt erklärt. „Wir wollen zeigen, dass bei uns Tradition und Moderne miteinander verknüpft sind und sich ländliches Leben und moderne Energiequellen, wie die Photovoltaik-Module auf den umliegenden Dächern, gut miteinander harmonieren.“ Eigentlich keine überraschende Erkenntnis, waren es doch vor allem die Landwirte, die in den vergangenen Jahren ihre Scheunen und Häuser mit Solarmodulen vollgepackt haben.

Einer Nachbarin, deren Solaranlage zum fotogenen Hintergrund des gefilmten Gesprächs zwischen Torben Friedrich und Wilken v. Hake wird, zeigt sich wenig begeistert von den Aktivitäten auf ihrer Scheuneneinfahrt. „Ich will nicht, dass man mein Haus und meinen Garten erkennen kann“, meldet sie deutlichen Protest an. „Und meinen Namen will ich auch nicht in der Zeitung lesen. Mit den Piraten habe ich nämlich nichts zu tun.“

Das gilt eigentlich auch für Wilken v. Hake. „Ich bin durch und durch CDU-Mann“, erklärt er auf die Frage, weshalb auf seinem Hof gedreht wird. „Aber deshalb können die hier trotzdem ihre Aufnahmen machen.“ Willig lässt er sich ebenso wie Torben Friedrich von Vicky Chassioti, der jungen Projektmanagerin des Filmteams, das Gesicht pudern, damit die Aufnahmen von Kameramann Florian Beu auch wirklich professionell und fernsehtauglich wirken, während v. Hake geduldig und mal ernst, mal lächelnd vor der Linse ein informatives Gespräch mit dem Piraten mimt. Denn den eigentlichen Text für den Spot wird ein Fernseh-Profi sprechen.

Erstaunlich ist wiederum, dass sich in einem Ort wie Diedersen so schwer ein Pferd auftreiben lassen soll. „Hier sind mehr als 60 Pferde untergestellt“, berichtet Siegfried Friedrich, „da muss sich doch jemand finden, der ein Pferd reiten oder führen kann.“ Aber am Vormittag sind die Dorfbewohner offenbar fast alle ausgeflogen, und nur ein paar Piraten aus Hameln sowie der eine oder andere Freund verirren sich zu dem Drehtermin vor dem alten Herrenhaus. Viele der hier untergebrachten Pferde seien eben nicht Eigentum von Bewohnern des Ortes, wie Vater Friedrich erläutert. Am Ende aber erklärt sich doch noch eine Ortsbewohnerin bereit, den Piraten als reitende Komparsin zu dienen, damit Landschaft, Pferd und Windkraftanlagen mit einem Ritt über ein Feld werbewirksam für die junge Partei eingefangen werden können.

Dass ausgerechnet in Diedersen ein Teil des Piraten-Spots gedreht wird, verdankt Landtagskandidat Torben Friedrich seiner ganz persönlichen Bewerbung mit Fotos von dem kleinen Ort mit seinem bäuerlichen Charakter bei der Partei, wie er berichtet. „Das passte zu unserem Vorhaben, die Piraten als eng mit dem Land verbunden darzustellen“, erklärt der Kandidat, der mit seinem Platz 6 auf der Landesliste beste Aussichten hat, mit seinem jugendlichen Alter von 25 Jahren in den Landtag einzuziehen, wenn die Piraten die Fünf-Prozent-Hürde knacken. „Ich habe hier bei der Kommunalwahl mit 16 Prozent schließlich das beste Ergebnis in Niedersachsen geholt.“

Mal ernst, mal lächelnd mimt Wilken v. Hake in Diedersen ein Gespräch mit Torben Friedrich (re.), dem Landtagskandidaten der Piraten im Wahlkreis 36, vor der Kamera ein informatives Gespräch für den geplanten Werbespot der Partei.

Foto: wft

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