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Leiter der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg, Frank Kreykenbohm, zu Gast bei unserer Zeitung

Notrufmanagement für zwei Landkreise leistbar

Landkreis (wm). Polizeidirektor Frank Kreykenbohm, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Nienburg/Schaumburg betonte gestern bei einem Redaktionsbesuch gemeinsam mit Pressesprecherin Kriminaloberkommissarin Gabriela Mielke, die Zusammenarbeit der vier Polizeikommissariate Stadthagen, Bad Nenndorf, Bückeburg und Rinteln mit der Polizeiinspektion Nienburg habe sich gut eingespielt. Es komme nicht mehr vor, dass ein Beamter in Nienburg, wo alle Notrufe auflaufen, die Ortsangabe "Süße Mutter" für einen Scherz hält.

veröffentlicht am 24.01.2007 um 00:00 Uhr

Polizeidirektor Frank Kreykenbohm.

Rund 50 000 Notrufe gingen pro Jahr in Nienburg ein, die Hälfte führe zu konkreten Einsätzen, "das heißt, es muss schnell gehen, und da darf es keine Vermittlungsprobleme geben". Und die Praxis habe auch gezeigt, "ein effektives Notrufmanagement für zwei Landkreise, das ist leistbar". Selbstverständlich habe es zu Beginn Anlaufschwierigkeiten gegeben. Die Beamten vor Ort fühlten sich schließlich zuständig für die Betreuung ihres Bereiches, in dem sie auch wohnen und leben, die örtlichen Verhältnisse kennen und hoch motiviert arbeiten. Da sei es verständlich, "dass sich jeder wehrt,wenn ihm Zuständigkeiten weggenommen werden". Deshalb arbeite man nach wie vor nach dem Prinzip der Dezentralität, wo immer es möglich ist. Kreykenbohm: "Im Alltag hat sich also im Grunde für die Beamten nicht viel geändert." Die Polizeiinspektion ziehe immer dann einen Fall an sich, wenn spezielle Fachkompetenz gebraucht wird - "nicht in jedem Kommissariat sitzt ein Spezialist für Wirtschaftskriminalität". Und für manche Aufklärung fehle vor Ort manchmal die Routine: "Wie oft kommt im Jahr ein Mord in Bückeburg vor?" Hier müsse dann Lokalkenntnis mit Spezialistenwissen ergänzt werden. In solchen Fällen würden die Beamten vor Ort mit ihrer Milieukenntnis und die Spezialisten aus Nienburg zusammenarbeiten: "Das klappt zunehmend besser, die Kollegen wachsen immer mehr in diese Rolle hinein." Grundsätzlich halte er den derzeitigen Personalstand für angemessen, "selbstverständlich können wir uns noch mehr vorstellen". Bei der Frage, nach welchem Personalschlüssel die Beamten auf die Polizeikommissariate verteilt werden, gebe es feste Parameter wie Einwohnerzahl, Fläche, die Zahl der Straftaten und Unfälle - wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung. Anlässlich einer Führungskräftetagung der Polizeidirektion Göttingen in Nienburg hatte Direktionspräsident Hans Wargel sich auch zum möglichen künftigen Standort einer gemeinsamen Einsatzleitstelle von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten geäußert. Aus fachlicher Sicht spreche er sich fürzwei Leitstellen im Direktionsbereich aus: Göttingen und Hameln. Sollte sich aber die Meinung herausbilden, auch an der Mittelweser eine Leitstelle einzurichten, komme als Standort ausschließlich Nienburg in Frage, so Wargel. Kreykenbohm, dazu befragt, erläuterte, da bei neuen "bunten" Leitstellen "nicht nur die Polizei im Fokus ist", gehe es auch um Fragen der Wirtschaftlichkeit. In anderen Bundesländern habe man durchaus positive Erfahrungen mit kombinierten Leitstellen gemacht. Über den Jahreswechsel sei die Inspektion aufgefordert worden, zu Pro und Kontra eines dann anstehenden Abzuges der Leitstelle aus Nienburg nach Hameln detailliert Stellung zu nehmen. Neben dem Standort müssten auch andere Aspekte geklärt werden: Wie soll die Leitstelle funktionieren? Nur wie ein Callcenter, wo jemand die Notrufe entgegen nimmt und weitervermittelt, oder mit eigener Organisationskompetenz? Er stehe zwar für Dezentralisierung, wo immer es möglich ist, das Prinzip erreiche aber seine Grenzen bei Faktoren wie Wirtschaftlichkeit und Qualifikation. Entscheidend sei für ihn, ob der "Mehrwert", der damit erreicht werde, die möglichen Nachteile der Zentralisierung aufwiegt, sagte Kreykenbohm.

Kriminaloberkommissarin Gabriela Mielke.
  • Kriminaloberkommissarin Gabriela Mielke.


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