weather-image
17°
Rückläufige Dorfentwicklung: Der Wandel hat einiges an Infrastruktur vernichtet / Aber: Vieles lässt sich positiv beeinflussen

Noch hat Vehlen gute Chancen bei der Dorferneuerung

Vehlen (sig). Wie wird das Dorf in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren aussehen, in dem ich heute lebe? Solche und ähnliche Fragen beschäftigen zurzeit etliche Bürger des Ortes, die sich dafür einsetzen, dass die Dorfentwicklung nicht (mehr oder minder) dem Zufall überlassen wird. Damit alles Hand und Fuß hat, arbeitet in diesem Gremium beratend Wolfram von Lange vom Institut für Stadt- und Regionalplanung aus Hannover mit.

veröffentlicht am 05.05.2007 um 00:00 Uhr

Die Zeiten, als sich in der Disko "Herz-Ass" und "Lollipop" die

Jeder vernünftigen Planung geht eine Bestandsaufnahme voraus. Und die hat gezeigt, dass es Vehlen im Laufe der Nachkriegszeit nicht anders ergangen ist als anderen Gemeinden. Zunächst gab es die gewünschte Infrastruktur mit örtlichen Einkaufsmöglichkeiten, mit Bank, Handwerk und Schule. Das machte Sinn,denn Vehlen war wie andere Orte durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen aus dem Osten zum Teil kräftig gewachsen. Dieser Zustand hat sich gewandelt. Heute nimmt die Einwohnerzahl eher ab und die Konzentration im Handel und auch im Gewerbe zu. Stark rückläufig ist vor allem die Landwirtschaft. Immer mehr kleine oder auch mittlere Betriebe geben auf und verkaufen oder verpachten die Flächen an die übrig gebliebenen größeren Höfe. Wenn dadurch vorher bäuerlich genutzte Gebäude, Scheunen und Stallungen leer stehen, dann wirft auch das die Frage nach der weiteren Nutzung auf. Oder sollte man einfach abreißen? Eine der besonders wichtigen Fragen für jeden Ort lautet: Wo kann eigentlich noch Gemeinschaftsleben stattfinden, wenn Läden, Schulen, Kindergärten, Gaststätten und andere Einrichtungen bereits geschlossen wurden und sich dieser Prozess noch fortsetzt? Dann fehlt nicht nur dieses Rückgrat der Infrastruktur mit der Chance für zwanglose Begegnungen und Gespräche, sondern es gibt praktisch auch keine dörfliche Mitte mehr. Vehlen hat zumindest noch den Vorteil, dass es neben dem Dorfgemeinschaftshaus das kirchliche Gemeindezentrum "Elim" gibt, außerdem das Feuerwehrgerätehaus, in dem auch der Ortsrat tagt, und mit der "Linde", dem "Labyrinth" und "Mediterrano" drei Gaststätten. Das mögen manch andere Gemeinden noch als Idealfall ansehen. Das Vereinsleben allerdings hat im Laufe der Zeit auch in Vehlen nachgelassen. Nach dem Männergesangverein ist der Seniorenclub aufgelöst worden. Die Ortsfeuerwehr und der Turnverein mit seinem Gymnastikangebot sowie die Dorfjugend bestehen noch als verbliebene Eckpfeiler. Dazu kommt eine erfreulich aktive Jugend- und Betreuungsarbeit der Kirchengemeinde. Reicht das alles oder muss man sich nicht noch Gedankenüber Angebote für die immer älter werdenden Mitbewohner, über mögliche Dienstleistungen, wie Kranken- und Altenpflege machen? Die Folgen des demographischen Wandels und der längeren Lebensdauer zwingen zu solchen Überlegungen. Reicht es auf Dauer, wenn Vehlen sich immer mehr zu einem reinen Wohnstandort entwickelt? Die Hoffnungen auf weitere Gewerbeansiedlungen sind zumindest in einem gewissen Umfang dadurch gebremst worden, dass es bis auf weiteres kein Gewerbegebiet "Vehler Wiehen" gibt. Da fehlen Stadt und Gemeinde das Geld, um das im fürstlichen Besitz befindliche Gelände aufzukaufen und zu erschließen. Viele Vehlener sind wegen fehlender Arbeitsplätze Berufspendler. Welche Chancen hat der Ort, das zu ändern, zumindest in kleinen Schritten? Das Thema Tourismus wird hier sicherlich nach wie vor kleingeschrieben, selbst wenn die alte Vehler Wassermühle (sollte sie geöffnet haben) durchaus als ein regionaler Anziehungspunkt bezeichnet werden kann. Tagesgäste werden auch von dörflichen Veranstaltungen wie dem Ernte- und Meierhoffest angelockt. Man sieht: Es gibt viel zu tun für den Arbeitskreis, der sich mit Fragen der Strukturveränderung und der Dorferneuerung befasst.

0000448274-12-gross.jpg


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare