weather-image
18°
Trachtentage Kleinenbremen / Wohlhabende Braut wird angezogen / Alles Originalstücke

Noch 17 Kleidungsstücke über der Unterwäsche

Kleinenbremen (gp). Liebhaber und Bewunderer der schaumburg-lippischen ("National"-) Tracht kommen nicht nur im einstigen Fürstentum auf ihre Kosten. Eine Hochburg der roten Röcke und Flügelhauben ist auch das preußische Kleinenbremen. Das Bauern- und Bergmannsdorf knapp jenseits der Kreis- und Landesgrenze gehört zum Verbreitungsgebiet der "Bückeburger" Tracht.

veröffentlicht am 14.04.2006 um 00:00 Uhr

Jana Bultemeier (links) in Konfirmationstracht mit der charakter

Um die Traditionspflege im Ort kümmert sich eine rührige, an die 30 Mitglieder starke Trachtentanzgruppe. Um das Wissen um die kulturhistorische Bedeutung der Kleidung nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, stellt die Truppe ihre stetig wachsende Sammlung seit Jahren im Rahmen so genannter "Trachtentage" vor. Jetzt ging - nach längerer Unterbrechung - eine Neuauflage des mittlerweile landauf landab bekannten Informationsangebots über die Bühne. Zweimal lief im Medienraum des Besucherbergwerks eine einstündige Informations- und Unterhaltungs-Show ab. Beide Male war der Saal voll besetzt. Akteuren und Besuchern machte die Vorführung erkennbar viel Spaß. Moderator Alfred Gerntrup musste eine Menge Fragen über Machart, Stoffqualität, Tragekomfort und Verbreitungsgebiet der Kleidungsstücke beantworten. Als Vorzeigeobjekte hatte die Truppe diesmal vor allem Stücke aus der Zeit vor 1900 mitgebracht. Vorgeführt und erläutert wurden diverse Arbeits-, Alltags- und Festtagsgarnituren für jung und alt, spezielle Hochzeits-, Konfirmations- und Abendmahlstrachten sowie - last not least - die meist nicht so glanzvollen Kittel und Gehröcke der männlichen Bevölkerung. Ab und zu bekamen die Zuschauer auch das "Untendrunter" zu sehen. Spektakuläres Highlight war das Ankleiden einer jungen, wohlhabenden Braut an ihrem Hochzeitstag. Zuerst stand die junge Frau nur im Unterhemd mit "Auszier" und gemusterten Strümpfen da. Dann kamen, Stück für Stück, 17 weitere Teile hinzu: Zuerst der lila-blaue Unterrock, dann, darüber, der (sichtbare) "schwarze" Rock mit Granatapfelband, ein doppelter Kragen, das "Wames" (Mieder), die Vorärmel, das weiße Untertuch, das gleichfarbene (Ober-) Tuch, der "Bänderhang", die seidene, schwarz gemusterte Schürze, das Queder (Gürtel), die goldbestickte Krawatte, weiße Daumenhandschuhe, diverse, gold-rot bestickte Putzbänder, die "Kralle" (Bernsteinhalskette), die kunstvoll gestalteten Ohrringe und - als Krönung des Ganzen - die mit Blüten, Spiegeln, Perlen und "Kantillen" (Golddrahtspiralen) verzierte Brauthaube. Trachtengruppen-Vorsitzende Christa Costa machte den Zuschauern den enormen Arbeitseinsatz des hinter den Kulissen wirkenden "Nähteams" klar. Seit Jahren besonders engagiert sind Sigrid und Alfred Gerntrup, Dorle Drinkuth, Kerstin Framke und Simone Weigel. "Ohne deren, von großem historischen und fachlichen Wissen getragener Arbeit wäre unsere kultur- und denkmalpflegerisch angelegte Arbeit nicht möglich". Die Leistungder Kleinenbremer hat - zumindest auf preußischer Seite - beträchtliche Anerkennung gefunden. So wurde die Truppe unter anderem mit dem Kulturpreis des Kreises Minden-Lübbecke und der Kulturplakette der Stadt Porta Westfalica ausgezeichnet. Besonders stolz ist man nach Aussage von "Trachtenvater" Gerntrup darauf, dass nur Originalteile aus dem Dorf und der näheren Umgebung in Gebrauch genommen worden seien. Vieles von dem, was Nachbarn und Freunde zur Verfügung gestellt hätten, habe in mühseliger Kleinarbeit neu aufgearbeitet und instand gesetzt werden müssen. Auf diese Weise sind mittlerweile über 30 komplette Garnituren entstanden. Darüber hinaus versucht man mit großem Erfolg, schon frühzeitig Kinder und Jugendliche einzubeziehen. Unter der Regie von Dorle Drinkuth sind seit Jahren regelmäßig an die 40 junge Dorfnachbarn dabei.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare