weather-image
Immer mehr Schaumburger heizen mit Holz – doch die Beschaffung von Brennholz ist eine Kunst für sich

„Niemals alleine im Wald ,Holz machen’!“

Heizen mit Holz liegt im Trend. Außer der Behaglichkeit, die ein

veröffentlicht am 06.11.2009 um 23:00 Uhr

Unfallgefahr: Unter Spannung stehendes Kronenholz kann beim Zert

prasselndes Kaminfeuer im Wohnraum vermittelt, sind es mitunter auch wirtschaftliche Überlegungen, wegen der sich Hausbesitzer einen Kaminofen oder sogar eine mit Holzscheiten befeuerte Zentralheizung anschaffen. Im Vergleich zu den fossilen Brennstoffen Erdöl und -gas kann das Heizen mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz nämlich durchaus

günstiger sein. Da aber auch ofenfertiges Brennholz seinen Preis hat, liegt der Gedanke nahe, selbst in den Wald zu ziehen und „Holz zu machen“.

Von Michael Werk

Brennholz auf eigene Faust aus dem Wald zu holen, kann ja eigentlich nicht allzu kompliziert sein, möchte man meinen: Die alte Motorsäge aus dem Geräteschuppen gekramt oder schnell eine neue gekauft, den kleinen Anhänger (zur Not tut’s auch der vom Nachbarn) hinter das Auto gespannt, ein kurzer Anruf beim Förster, um zu klären, wo im Wald die Baumfällaktion nach Altväter Sitte möglich ist – los geht’s! Nun, ganz so einfach ist die Sache dann aber doch nicht.

Der Forstwirtschaftsmeister Karl-Heinz Knigge zeigt, wie ein Bau
  • Der Forstwirtschaftsmeister Karl-Heinz Knigge zeigt, wie ein Baum fachgerecht gefällt wird.

„Mittlerweile ist es zum allgemeinen Standard geworden, dass sich die Forstämter von ihren Brennholzkunden zunächst einen entsprechenden ‚Sachkundenachweis‘ vorlegen lassen“, sagt Lothar Seidel, der Leiter des Kreisforstamtes Spießingshol in Hagenburg. Aus dieser Bescheinigung muss klar hervorgehen, dass sich der Hobby-Waldarbeiter in einem oder mehreren Lehrgängen das erforderliche Wissen über den sicheren und fachgerechten Umgang mit der Motorsäge angeeignet hat. Wer nicht nur von Forstmitarbeitern am Waldweg bereitgestellte Stammabschnitte zu Brennholz verarbeiten, sondern tatsächlich selbst Bäume von der Senkrechte in die Waagrechte befördern will, muss außerdem Kenntnisse über die unterschiedlichen Techniken des Fällens von Bäumen und des Aufarbeitens der später am Boden liegenden Kronen nachweisen. Überzogen ist diese Forderung nicht: „Eine Motorsäge ist ein Arbeitsgerät mit einem unwahrscheinlichen Gefahrenpotenzial“, sagt Seidel. „Und wenn es beim Hantieren mit diesen Geräten zu Unfällen kommt, sind in der Regel schwere Verletzungen bis hin zu Todesfällen die Folge.“

„Niemals allein in den Wald!“ lautet daher eine eiserne Grundregel für alle Brennholzkunden, ergänzt Karl-Heinz Knigge, Forstwirtschaftsmeister beim Landkreis Schaumburg und Leiter der Motorsägen-Kurse des Kreisforstamtes. Dies bläut er auch seinen Lehrgangsteilnehmern ein. Stets sollte eine zweite Person dabei sein, die bei einem eventuellen Unfall Erste-Hilfe leistet und gegebenenfalls einen Notarzt alarmiert. Selbst eine an sich nicht lebensbedrohliche Verletzung könne dazu führen, dass es der Verunglückte ohne fremde Hilfe nicht mehr schafft, aus dem Wald herauszukommen. Wenn dieser dann irgendwo in einem menschenleeren Waldgebiet auf dem Erdboden liege, zudem noch bei niedrigen Temperaturen – da brauche man nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass derartige Unfälle tödlich enden könnten.

„Nachfrage deutlich höher als Angebot“

In den Kursen zum Erwerb des landläufig als „Motorsägen-Schein“ bezeichneten Sachkundenachweises lernen die Teilnehmer daher all das, was man als Hobby-Waldarbeiter wissen muss, berichtet Knigge. So ist etwa der zu fällende Baum vor dem Ansetzen der Motorsäge genau zu beurteilen: Wo steht er im Bestand? Ist er gerade oder schief gewachsen? In welche Richtung soll er umfallen? Hängen tote Äste in der Krone, die sich lösen können? Ist der Baum innen faul? Je nachdem, welche Antworten sich auf diese und andere Fragen ergeben, entscheidet sich, mit welcher Sägetechnik dem Baumstamm zu Leibe gerückt wird. Bei der falschen Vorgehensweise kann sich nämlich das Schwert der Motorsäge in der Schnittfuge verklemmen, der Stamm der Länge nach aufplatzen und den danebenstehenden Menschen treffen oder der Baum in die verkehrte Richtung fallen – nur um einige mögliche Probleme zu nennen. Eine persönliche Schutzausrüstung (bestehend aus Schutzhelm mit -brille oder Gesichtsschutz, Gehörschutz, Arbeitshandschuhen, Schnittschutzhose und Sicherheitsschuhen mit Schnittschutzeinlage) ist daher ein absolutes Muss bei der Arbeit mit der Motorsäge.

Absatzsorgen für Brennholz gibt es offensichtlich nicht: „Die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot“, berichtet Seidel. Rund 8000 Raummeter gehen beim Kreisforstamt in einer Saison über den Tresen. Mehr Brennholz könne man jedoch nicht zur Verfügung stellen, da man sonst die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung gefährden würde. „Die Nachfrage ist riesig“, bestätigt Christian Fischer, Privat-Forstdirektor des Fürstlichen Forstamtes Bückeburg und Leiter der dortigen Fürstlichen Hofkammer. In den vergangenen zehn Jahren habe es einen regelrechten Brennholz-Boom gegeben. Mit 3000 bis 4000 Rundmetern plus 300 bis 1000 Festmetern – die jeweils zu „ortsüblichen Preisen wie bei allen anderen auch“ abgegeben werden – ist aber ebenfalls „der Zenit“ erreicht.

In Anbetracht des florierenden Marktes führen viele Forstämter Wartelisten, in die sich neue Brennholzinteressenten eintragen lassen müssen. Es gebe allerdings auch immer eine gewisse Fluktuation innerhalb des Kundenbestandes, versichern die drei Forstamtsleiter. „Da wird jeder sein Holz bekommen“, konkretisiert es Schaefer bezogen auf seinen Zuständigkeitsbereich.

Ganz gleich ob Profi oder Laie: Wer Brennholz „machen“ möchte, benötigt eine vernünftige Grundausstattung, damit die Arbeit gut und sicher von der Hand geht, weiß Mathias Mandler, Verkäufer beim Volksdorfer Fachgeschäft Vehling Motorgeräte. Bei der Sicherheitskleidung sollte man daher unbedingt auf eine geprüfte Qualität achten. Anerkannte Prüfsiegel seien etwa das KWF-Zeichen des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik und das FPA-Zeichen des Forsttechnischen Prüfungsausschusses. Die Hose beispielsweise sollte zudem mindestens der Schnittschutzklasse 1 gemäß EN-Norm 381-5 entsprechen. „Keine Schutzausrüstung bietet aber eine 100-prozentige Sicherheit vor Verletzungen“, warnt der Fachmann. Auch die beste Schnittschutzhose könne man nämlich mit einer Motorsäge unter Vollgas durchsägen. Beim Kauf der Motorsäge selbst kommt es laut Mandler auf den geplanten Einsatzzweck an: Für die Verarbeitung von schwachen Baumstämmen und Kronenholz genüge ein Gerät mit einem 35 Zentimeter langen Schwert, erst bei stärkeren Holzdurchmessern empfehle sich der Gebrauch von längeren Schwertern. Die Motorleistung sollte dabei der jeweiligen Schwertlänge angepasst sein. Für die 35-Zentimeter-Version zum Beispiel seien Motoren ab 2,2 PS sinnvoll. Weitere benötigte Utensilien seien Keile oder ein Fällheber, ein Spalthammer sowie Packzangen oder ein „Sapi“ (eine Art Spitz-Axt, um Holzstücke zu bewegen).

Ein Raummeter Holz heizt wie 200 Liter Öl

„Landkreisweit dürfte mittlerweile in jedem dritten Einfamilienhaus ein Kaminofen zu finden sein“, schätzt Harald Koller, Bezirk-Schornsteinfegermeister aus Nienstädt und Kreismeister der Schaumburger Schornsteinfeger. „Und es werden immer mehr.“ Wie viele seiner Kunden sieht auch er ein gewisses Potenzial, durch das Heizen mit Holz einen Teil der jährlichen Energiekosten einzusparen.

Während nämlich ein Liter Heizöl beziehungsweise ein Kubikmeter Erdgas mit einem Heizwert von rund zehn Kilowattstunden (kWh) aufwarten, sind es pro Kilogramm Brennholz ungefähr vier bis viereinhalb kWh, erklärt der Experte. Ein Raummeter Brennholz, der im Schnitt 450 Kilogramm Gewicht auf die Waage bringt, wartet folglich mit einem Heizwert von etwa 1800 bis 2025 kWh auf. Um den gleichen Heizwert mit fossilen Brennstoffen zu erzielen, müsste man dagegen rund 180 bis 202,5 Liter Öl oder Kubikmeter Gas nehmen.

Damit sich das Heizen mit Brennholz lohnt, sind allerdings noch einige andere Aspekte zu beachten: „Wichtig ist, dass man vernünftig heizt“, sagt Koller. Verwendet werden darf daher nur ausreichend abgelagertes Scheitholz mit maximal 20 Prozent Restfeuchte. Denn je trockener das Brennholz, desto höher ist dessen Heizwert. Bei zu feuchtem Holz würde indes ein Teil der Wärmeenergie allein für das Verdampfen der im Holz enthaltenen Feuchtigkeit verloren gehen. Mindestens zwei Jahre lang sollte das Brennholz daher vor Regen geschützt, aber luftig gelagert werden, bevor es zum Einsatz kommt. Überprüfen lässt sich der Feuchtigkeitsgehalt übrigens mit kleinen Messgeräten, die es zu Preisen von rund zehn bis 150 Euro in Baumärkten zu kaufen gibt, verrät der Schornsteinfegermeister. Für den Hausgebrauch seien die preiswerten Geräte zwar „in Ordnung“, die teureren würden aber genauere Werte anzeigen.

Zu beachten ist beim Heizen mit Holz zudem, dass die Luftzufuhr des Kaminofens nicht zu stark gedrosselt wird, so Koller. „Gelangt zu wenig Sauerstoff in den Brennraum, findet keine optimale Verbrennung des Holzes statt.“ Vielmehr kokelt das Holz dann nur vor sich hin, was zu einer starken Ruß- und Teerbildung (mit einer entsprechenden Verunreinigung des Ofens und des Schornsteins) sowie zu anderen umweltschädlichen Emissionen führt.

Zur Sache

„Heizen mit Holz ist umweltfreundlich“

Motorsägen-Kurse werden unter anderem vom Kreisforstamt und dem Fürstlichen Forstamt Bückeburg angeboten. Die zweitägigen Lehrgänge kosten rund 120 Euro. Das Kreisforstamt hat zudem jeweils eintägige Grund- und Aufbaukurse im Programm, für die eine Teilnahmegebühr von rund 50 Euro zu entrichten ist.

Heizen mit Holz ist umweltfreundlich, sagt Kreisforstamtsleiter Lothar Seidel. Beim Verbrennen werde nur so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie es auch bei der natürlichen Zersetzung des Holzes im Wald frei werden würde. Zum Vergleich: Beim Verfeuern von einem Liter Heizöl gelangen zirka 2,9 Kilogramm Kohlendioxid in die Luft, rechnet der Fachmann. Da ein Raummeter Holz dem Heizwert von ungefähr 200 Litern Öl entspricht, würden die rund 8000 Raummeter Brennholz, die vom Kreisforstamt pro Jahrverkauft werden, insgesamt 4,6 Millionen Kilogramm Kohlendioxid aus dem fossilen Brennstoff einsparen.

Ansprechpartner für all jene, die ihr Brennholz selbst aus dem Wald holen wollen, sind die örtlichen Revierförstereien des Kreisforstamtes, des Fürstlichen Forstamtes Bückeburg und des Klosterforstamt Westerhof.

Die Waldwirtschaft wird bekanntermaßen nicht nur betrieben, um den Brennholzbedarf der Bevölkerung zu decken, erläutert Steffen Fitzner, Wendthäger Revierförster des Kreisforstamtes. Das eigentliche Ziel ist vielmehr die Produktion von qualitativ hochwertigem Stammholz für etwa die Möbel- und Furnierindustrie. Bei der regelmäßigen „Auslesedurchforstung“ werden dann nach und nach jene Bäume für die Brennholzverwendung ausgewählt, die den Anforderungen an den sogenannten „Zukunftsbaum“ nicht entsprechen. Dieser zeichne sich durch einen „geraden Wuchs, Astreinheit, Gesundheit und Vitalität“ aus. Bei der Buche etwa bleiben dabei von ursprünglich rund 5000 gepflanzten Bäumen pro Hektar nach 120 Jahren nur noch etwa 100 Exemplare über.mw

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare