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Demoskop Klaus-Peter Schöppner bei der Konrad-Adenauer-Stiftung / Vertrauen wichtigste Währung

Niedersachsen vor dramatischen Veränderungen

Bückeburg (bus). Die Beantwortung der Frage "Welche grundsätzlichen Veränderungen kommen in den nächsten 20 Jahren auf Niedersachsen zu?" hat im Mittelpunkt des aktuellen Mittagsgesprächs der Konrad-Adenauer-Stiftung im kleinen Saal des Bückeburger Rathauses gestanden. Knappe Einstiegsantwort des renommierten Meinungsforschers Klaus-Peter Schöppner:"Dramatische". Womit das Referat aber keineswegs erschöpft war. Konkrete Aussagen über das Dasein der Niedersachsen anno 2020/25 gestalteten sich indes deshalb als schwierig, weil Deutschland derzeit an einem Scheideweg stünde. Bei der Frage nach den Auswirkungen der Wandlungen auf das alltägliche Zusammenleben musste Schöppner passen: "Ich weiß es nicht."

veröffentlicht am 15.02.2008 um 00:00 Uhr

Klaus-Peter Schöppner stimmt die Zuhörerschaft auf "dramatische

Der Geschäftsführer für Politik- und Sozialforschung des heute zum britischen TNS-Konzern (Taylor Nelson Sofres) gehörenden Unternehmens Emnid - das Kunstwort kürzt die Begriffe Erforschung, Meinungsforschung, Nachrichten, Informationen, Dienstleistungen ab - machte zwei Entwicklungstendenzen aus, die zu einer starken Polarisierung der Gesellschaft führen werden. Der einen Gruppe (Sozialmodell) würde wenig Geld, aber viel Freizeit zur Verfügung stehen, die andere Abteilung (Marktmodell) müsse damit klarkommen, mit viel Geld, aber wenig freier Zeit ausgestattet zu sein. Auf diese Extreme hätten sich nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch Politiker, Dienstleister, Industrie und Handel einzustellen. Schöppner: "In jedem Fall müssen die Menschen flexibler werden." Für Niedersachsen könne es sich durchaus auszahlen, auf "einmaliges Lokalkolorit mit Historie und Histörchen" zu setzen. Es gehe aber vor allem darum, sich unverwechselbar zu machen, bedeutete der Demoskop. Das Land werde 20/25 infolge der Globalisierung so international sein wie New York heute, Hannover so multikulturell wie Hanoi, sagte Schöppner. Zudem sei es angesichts rasanter technischer Fortschritte und stetig wachsender weltweiter Transparenz von Vorteil, glaubwürdig und authentisch zu agieren. "Vertrauen ist die wichtigste Währung, die wir haben", unterstrich der Experte - Fairness und Verlässlichkeit statt Inszenierung und Verpackung. Schöppners Ausführungen stießen im Joël-Le-Theule-Saal auf ein hochaufmerksames Publikum, dessen Interesse sich in zahlreichen Nachfragen widerspiegelte. Der Emnid-Geschäftsführer rief nur ein einziges Kopfschütteln hervor - der moderierende frühere Landtagsabgeordnete Friedel Pörtner mochte mit der Forderung nach einem "Controlling für alle - inklusive Lehrer und Politiker" nicht vollends konform gehen. Dass Schöppner dem Lauf der Dinge auch besinnliche Aspekte abzugewinnen weiß, stellte sein Zitat eines Häuptlings aus dem Tschad unter Beweis: "Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit". Dass der Referent Zustimmung zu einer Überprüfung seiner Vorhersagen signalisierte, sprach für seine Ernsthaftigkeit. "Ich bin gern bereit, Bückeburg in zwanzig Jahren einen erneuten Besuch abzustatten." Quod esset demoskopum.

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