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"Internationale Konzerte im Stift": Pianist begeistert Publikum mit deutschen und russischen Klavierstücken

Nico Benadie brilliert beim "Tastenzauber mit links"

Obernkirchen (dis). Es springt einen förmlich an, dieses Gefühl, etwas Außergewöhnlichem beizuwohnen. Man rutscht nach vorne, sitzt gespannt wie ein Flitzebogen auf der Stuhlkante. Die Rede ist vom Pianisten Nico Benadie, dem Leiter der "Internationalen Konzerte im Stift", bei denen er jetzt persönlich als Solist brillierte.

veröffentlicht am 16.05.2007 um 00:00 Uhr

Nico Benadie am Flügel. Foto: clb

Zu Beginn desüber zweistündigen Ereignisses rückte der Solist Bach ins Programm, allerdings aus der Sicht von Brahms, der die berühmte Geigen-Chaconne für die linke Klavierhand bearbeitet hatte. Der hinreißende virtuose Effekt, den Nico Benadie genüsslich ausmalte, versperrte kaum die Einsicht, dass es sich bei diesem selten gespielten Opus um entschieden mehr als einen Gag handelt: Es gibt wenige Stellen im Brahmschen Schaffen, wo sich die Auseinandersetzung des klassischen Romantikers mit dem Prinzip Zukunft in Bachs Werken intensiver nachvollziehen ließe. Apropos Brahms, dessen mit 18 Jahren komponiertes "Scherzo es-Moll", op. 4, führte der Klangmagier später noch als Drahtseilakt ohne Netz vor, in dem er das Nebeneinander der Stimmen geradezu plastisch auslotete. Zwischendurch sorgte er mit poetischem Gespür, hellem Timbre und interessant forciertem Tempo dafür, dass Mozarts heitere "Sonate F- Dur", KV 332, erblühte. Im zweiten Teil folgte eine Reise durch Wechselbäder von extremer Ausdruckskraft und feiner Tonmalerei: teuflisch schwere Schöpfungen der befreundeten Ekstatiker Skrjabin und Rachmaninow, die neben tadelloser Technik, Feinfühligkeit, Gestaltungskraft und Kondition verlangen. Skrajabins zwei Stücke für die linke Hand, op.9, Prélude und Nocturne, zeigten, wie minutiös Benadies Finger arbeiten können. Jede Stimme erhielt eine eigene, subtile Färbung, ganz nebenbei entstand die Illusion der Beidhändigkeit. Nach so viel Milde überraschte des Tastenzauberers phonmächtiger Zugang zu Rachmaninows "Sonate Nr. 2, b-Moll",op. 36, deren vollgriffige Akkorde er äußerst geläufig zu aufpeitschenden Klangkaskaden formte. Hinterher war ein Beruhigungsmittel fast unerlässlich. Und das verabreichte Nico Benadie mit der - stürmisch erklatschten - Zugabe. Hierbei mobilisierte er abermals seine linke Hand, um - à la Brahms - den langsamen Satz aus Bachs "Konzert f-Moll", für Cembalo und Streicher, in seiner eigenen Klavierfassung vorzustellen. Den nächsen Auftritt bei den "Internationalen Konzerten im Stift" hat am 24. Juni, um 17 Uhr Miguel Lecueder (Spanien/Uruguay), der Albéniz, Villa-Lobos, Franck und Chopin spielen wird.



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