weather-image
27°
Politik reagiert verärgert auf Braas-Schließung / Reese: Neuer Dachsteine-Produzent kommt

"Nicht von Job-Argumenten abhängig machen"

Rinteln (wm). Auf die Meldung, dass das 1959 gegründete Braas-Werk im Industriegebiet Süd im Februar 2008 geschlossen werden soll (wir berichteten), reagierte SPD-Fraktionssprecher Klaus Wißmann gestern ganz spontan: "Dann sollten wir die Braasstraße in Richard-Hartinger-Straße umbenennen."

veröffentlicht am 23.10.2007 um 00:00 Uhr

Bald dicht: Lafarge-Bürogebäude im Industriegebiet Süd. Foto: to

Die grüne Ratsfrau und Landtagsabgeordnete Ursula Helmhold ärgert vor allem, dass Rat wie Kreistag praktisch mit der Drohung "erpresst" worden seien, das Dachsteine-Werk mache dicht, wenn der Kiesabbau im Möllenbecker Wald nicht um 30 Hektar erweitert werde. Braas hatte bereits im Jahr 2000 in diesem Sinne Druck beim Wirtschaftsministerium in Hannover gemacht. Helmhold: "Wir sollten daraus lernen, uns nicht mehr von Arbeitsplatz-Argumenten bei unseren Entscheidungen abhängig zu machen." Sie werde das Gefühl nicht los, dass im Sommer 2005 bei Lafarge die Entwicklung längst abzusehen gewesen sei, als sich der Kreistag für einen weiteren Kiesabbau ausgesprochen habe. Wilhelm Reese, Chef der Reese-Gruppe mit Kieswerken in Möllenbeck, Kalletal, Stolzenau und Sprakensehl, dementierte vehement, dass die Grubenerweiterung nur wegen Braas notwendig sei, kündigte aber gleichzeitig an, in Rinteln würden in Zukunft wieder Dachsteine produziert, zwar nicht von Braas, aber einem anderen Unternehmen: "Ich arbeite daran." Michael Lackner, Lafarge-Werkleiter für die Werke Rinteln und Petershagen, legte gestern in einem Telefongespräch Wert auf die Feststellung, dass die Werkschließung in Rinteln "nicht zwingend bedeute, dass alle Mitarbeiter aus Rinteln gehen müssen, betroffen ist auch die Belegschaft in Petershagen". Hier gelte es, eine "Sozialauswahl" zu treffen, außerdem werde man "dem größten Teil der Mitarbeiter alternative Möglichkeiten anbieten". Susanne Kreuzberg, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei der Lafarge-Geschäftsleitung in Oberursel, ließ Details offen: Über die Anzahl der betriebsbedingten Kündigungen dürfe sie keine Angaben machen. "Eine Aussage hierzu kann, wenn überhaupt, erst nach Abschluss des Interessenausgleichs getroffen werden." Zumindest beim Rintelner Dachdecker-Unternehmen Axel Behrens mochte man eine schlechte Konjunktur im Dachdeckerhandwerk - mit als Ursache für die Schließung des Dachsteinwerkes genannt - pauschal so nicht bestätigen: Zwar sei die Zahl der Neubauten deutlich geschrumpft, dafür würden zurzeit viele Dächer saniert, nicht weil sie undicht seien, sondern unter dem Aspekt der Wärmedämmung - auch mit Blick auf den Energiepass. Wird das Lafarge-Werk im Februar 2008 stillgelegt, ist damit eine große Fläche im Industriegebiet Süd ungenutzt. Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz betonte, er bedaure zwar einen so großen Leerstand, aber die Zielrichtung einer Vermarktung könne nur eine neue Gewerbeansiedlung sein: "Wir werden das Unternehmen nicht noch für den Weggang belohnen, indem wir dieFläche für Einzelhandel umwidmen", wie mit Blick auf die benachbarten Verkaufsflächen schon spekuliert worden sei.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare