weather-image
18°
Landwirt Oldendorf schockiertüber Reaktionen der Anwohner

"Nicht mal mehr gegrüßt"

Hattendorf (la). "Ich binüber die Reaktionen der Anwohner zu meiner geplanten Biogasanlage schockiert und wünschte bereits, nicht diesen Entschluss getroffen zu haben", sagt Karl-Ludwig Oldendorf und seine Verzweiflung ist ihm dabei anzusehen.

veröffentlicht am 10.05.2007 um 00:00 Uhr

Will eine 1,2-Megawatt-Biogasanlage bauen: Landwirt Karl-Ludwig

Vor einem Jahr hat der Landwirt, der die Hofstelle in der Straße "Die Lust" seit zehn Jahren als GbR gemeinsam mit Friedrich-Wilhelm Biesterfeld aus Antendorf betreibt, noch etwa 100 Milchkühe in seinen Ställen gehalten. "Das musste ich aus gesundheitlichen Gründen aufgeben", so Oldendorf. Um sich ein zweites Standbein zu sichern, plante er, eine Biogasanlage hinter seinem Hof zu errichten. "Der Bauantrag für eine 500-KW-Anlage ist bereits vor einem Jahr genehmigt worden. Sie wird in jedem Fall in Kürze gebaut und noch in diesem Jahr in Betrieb gehen", sagt der Landwirt. Die Rohstoffe dafür sind angebaut. Mit Mais, Grünroggen, der bereits siliert ist und Ackergras soll die Anlage betrieben werden. Neben der Anlage sollen auf einer Betonplatte die großen Schlauchsilos mit der Biomasse gelagert werden. "Dafür habe ich bereits eine Silopresse angeschafft, und die ersten 75 Meter langen Schläuche, gefüllt mit Grünroggen, liegen auf unserem Grundstück", erklärt Oldendorf. Um sich die Option auf eine Erweiterung der Anlage zu sichern, beantragte Oldendorf jetzt bei der Gemeinde Auetal eine 1,2-Megawatt-Anlage. Dagegen laufen viele Hattendorfer Sturm. Sie befürchten einschneidende Veränderungen im Landschaftsbild und eine Mono-Kultur durch überwiegenden Maisanbau. Am meisten befürchten sie allerdings eine erhebliche Mehrbelastung durch Verkehrslärm. "Wir bewirtschaften seit Jahren rund 230 Hektar Land in Poggenhagen (24 Prozent), in Antendorf (43 Prozent), in Segelhorst (9 Prozent) und rund um unseren Hof (24 Prozent)", erläutert der Landwirt. Auf diesem Land sei bislang Weizen, Gerste, Raps und Mais angebaut worden. Das Getreide hätten die beiden Landwirte in Antendorf und Hattendorf gelagert und rund 700 Rundballen Stroh seien jährlich auf dem Hof der Oldendorfs gelagert worden. "Das benötigten wir für unsere Kühe", sagt Oldendorf. Das Getreide und Stroh sei regelmäßig angeliefert worden, der Mähdrescher auf den Straßen unterwegs gewesen, und der Kuhmist sei auf die Felder abgefahren worden. "Das war landwirtschaftlicher Verkehr, der sich nicht vermeiden lässt", so Oldendorf. "Und daran wird sich auch nichts ändern, wenn wir hier die 1,2- Megawatt-Biogasanlage bauen." Das Verkehrsaufkommen werde nicht größer, keine zusätzlichen Ländereien angemietet und auch keine Biomassen angekauft. Zwar habe Planer Matthias Reinold von sechs bis sieben Fahrzeugen pro Stunde gesprochen, aber das sei nur eine Darstellung des schlimmsten Falls gewesen, der völlig unrealistisch sei. "Selbst in der Erntezeit werden nicht so viele Fahrzeuge unterwegs sein", meint Oldendorf. Fahren werden auch keine schweren Lastwagen, sondern wie gehabt die Schlepper mit Anhängern. "Es ändert sich nichts an der derzeitigen Verkehrssituation, und wenn nicht das Genehmigungsverfahren wäre, dann hätten die Anwohner davon überhaupt nichts mitbekommen", sagt Oldendorf, der ausdrücklich darauf hinweist, dass er nichts verbergen will. Der durch die Biogasanlage gewonnene Strom soll ins Netz eingespeist werden und die entstehende Abwärme will der Landwirt für seinen Hof nutzen. "Wenn wir die Anlage später erweitern, müssen wir darüber nachdenken, wie wir die weitere Abwärme nutzen können", so Oldendorf, der sich auch vorstellen kann, dass Hattendorfer davon profitieren könnten. Allerdings müssten dazu erst neue Investitionen möglich sein. "Schließlich kostet uns die Biogasanlage rund zwei Millionen Euro und das ist nicht mal eben zu bezahlen", so Oldendorf. "Wir hoffen sehr, dass die Hattendorfer Einwohner unsere Anlage tolerieren. Es ist erschreckend, dass man so viele Jahre mit Menschen zusammenlebt und jetzt von einigen nicht einmal mehr gegrüßt wird", stellt Oldendorf fest.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare