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Kirchenvertreter warnen vor dem Wunsch nach anonymer Bestattung

Nicht jedes Grab braucht Pflege

Stadthagen (gus). Mitglieder der St.-Martini-Kirchengemeinde warnen davor, voreilig eine anonyme Bestattung im letzten Willen zu verfügen. Anlässlich eines Rechtsstreits in Stadthagen haben die Kirchenvertreter über ihre Erfahrungen mit Hinterbliebenen von anonym Bestatteten berichtet.

veröffentlicht am 20.03.2008 um 00:00 Uhr

Das Urnenfeld muss nicht von Angehörigen gepflegt werden. Diese

Laut Pastor Klaus Pönnighaus möchten häufig Menschen von ihm erfahren, wo die Grabstelle eines Bekannten oder Verwandten ist, der anonym beigesetzt worden ist. Die Information dürfe er aber nicht einfach herausgegeben. "Schließlich war es der letzte Wille des Verstorbenen", erklärt Friedhofsmeister Lutz Trebeß. Er und Pönnighaus sähen sich nicht berechtigt, dem letzten Willen eines Menschen zuwider zu handeln. Manchmal werde den Hinterbliebenen erst im Nachhinein klar, dass sie gern einen Ort wüssten, an dem sie um einen lieben Menschen trauern können. Friedhofsverwalter und Pastor haben eigenen Worten zufolge schon etliche tragische Szenen erlebt, weil Trauernde sich einen solchen Ort wünschten. Ein Beispiel aus Trebeß Erinnerungen betrifft die Bewohnerin eines Pflegeheims. Zwei Freundinnen hätten nichts von deren Tod erfahren, weil sie nicht verwandt waren. Die Verfügung der Toten, anonym bestattet zu werden, habe einen Mechanismus ausgelöst, bei dem nicht nach Trauernden aus dem Freundeskreis gesucht worden sei. Eine Gedenkfeier sei nicht organisiert worden. Die Freundinnen standen vor vollendeten Tatsachen, der letzte Wille stand für Trebeß über deren Wünschen. Solche Probleme erfahre jedoch kaum jemand. Derzeit läuft ein Rechtsstreit zwischen einem Stadthäger und dem hiesigen Ordnungsamt wegen einer anonymen Bestattung, angeblich gegen den Willen der Verstorbenen (wir berichteten). Diese war durchgesetzt worden, weil niemand für das Begräbnis bezahlen konnte. Nun will der Hinterbliebene den Aufbewahrungsort der Überreste herausfinden. Das würde nur möglich, so Pönnighaus, wenn er vor Gericht gewänne und somit entschieden wäre, dass die anonyme Beisetzung nicht rechtens gewesen ist. Oft, so Pönnighaus, wissen weder die betreffenden Personen noch die Angehörigen und Freunde, was sie mit der Verfügung einer anonymen Bestattung auslösen. Die Entscheidung - meist gefällt, um den Hinterbliebenen nicht zur Last zu fallen - sei endgültig. "Die Verstorbenen wollten vermeiden, dass Angehörige die Grabpflege übernehmen müssen", sagt Pönnighaus. Dabei sei mit einem nicht-anonymen Grab nicht zwingend auch Pflege verbunden. Auf den beiden Stadthäger Friedhöfen (Kleine Eichen und St. Martini) gebe es Rasenreihengräber mit eingelassenen Grabsteinen. Diese müssten gar nicht gepflegt werden. Den Rasenschnitt, so Trebeß, übernimmt die Friedhofsverwaltung. Auch die Kosten für die Beisetzung seien nicht so hoch, wie oft vermutet. Vorsorgefür das Begräbnis könne jeder mit einer entsprechenden Versicherung treffen. Sterbegeld-Policen können nach Angaben einer Stadthäger Versicherungs-Expertin zwischen 5000 und 10 000 Euro abgeschlossen werden. Die monatlichen Beiträge staffeln sich nach dem Alter des Versicherten. Ab dem 85. Lebensjahr entfallen die Beiträge.



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