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Nicht jeder Künstler taugt als Vorbild für die Jugend

Obernkirchen. Als Vorbild für die Jugend taugt Itai Nyama wohl nur bedingt. Die Schule hat der 1975 in einer ländlichen Gegend von Zimbabwe geborene Afrikaner frühzeitig und ohne einen ordentlichen Abschluss verlassen. Dann hat er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten, ehe er den berühmten und etablierten Bildhauer Joseph Muzondo traf. Der stellte ihn als Assistenten ein.

veröffentlicht am 24.08.2006 um 00:00 Uhr

Die Schule hat er ohne ordentlichen Abschluss verlassen, dann ha

Autor:

Frank Westermann

Denn schon in der Schule hatte Nyama mit seiner Schauspielbegabung, seinen Zeichnungen und seiner Vorliebe für Gedichte seine künstlerische Ader erahnen und aufblitzen lassen. Vier Jahre blieb er bei seinem Lehrmeister, dann zog er in eine Künstlerkolonie und entwickelte seinen eigenen Stil, den er als "open mind", als "offenen Geist" bezeichnet. Bestätigt wurde er vor zwei Jahren, als er unter 97 Bewerbern den zweiten Platz in einem unter der Schirmherrschaft der deutschen Botschaft in Harare stehenden Wettbewerb gewann. Der Stein müsse zu ihm sprechen, hatte er auf dem Ratsempfang in Obernkirchen erklärt. Wie es aussieht, hat der Dialog begonnen, denn von seinem Monsterblock hat er in den letzten beiden Tagen viel weggehauen. Natürlich hat jeder, der bei ihm stehen bleibt, die gleiche Frage auf der Zunge: "Na, hat er schon was gesagt?" Sein Landsmann Tutani Mgabazi hat seine ersten Werke mit zwölf Jahren an Sammler verkauft, die er bei seinem Onkel, dem Bildhauer Francis Mugavazi, geschaffen hatte. Ein Jahr später war auch sein Vater von seinem Talent überzeugt - und kaufte ihm die nötigen Werkzeuge. Bevor er seine Schulausbildung abschloss, waren schon die ersten Werke von ihm in der Nationalen Kunstgalerie Zimbabwes zu sehen. Der Rest ist in einem Satz erzählt: Nach seiner ersten Teilnahme am Symposium in Obernkirchen im Jahre 2000 hat er eine Karriere gestartet, die ihn, der vorher nie sein Land verlasen hatte, mittlerweile um die ganze Welt führte. Auf dem Kirchplatz wird er dort anknüpfen, wo er vor sechs Jahren aufgehört hat: bei der Schönheit. Auch seine neue Skulptur wird eine schöne Frau zeigen, die allerdings nicht stolz steht, sondern ruht - ganz entspannt auf einer Liege, die Haare fallen ihr über das Gesicht. Größere Erklärungen, was er denn mit seinem Werk ausdrücken will, gibt Kai Lölke nicht ab. Ein Mann sitzt rittlings auf einem Koffer. Das könne einiges bedeuten, hatte der 37-jährige Stadthäger auf dem Ratsempfang erklärt: "Es ist schon ein Unterschied, ob man seinen Koffer packen darf oder ob man ihn packen muss." Dass sein Werk Raum für viele Assoziationen lasse, davon ist Lölke überzeugt: Das Modell stand viele Monate in seiner Wohnung. Seit seiner letzten Teilnahme am 6. Symposium hat er viele Bildhauerkurse in Kindergärten gegeben, in Schulen, Ausbildungsstätten und in sozialen Wohnprojekten. Auf Obernkichen hat er sich besonders gefreut - wegen der Erinnerung an die tollen Eindrücke des letzten Symposiums, aber auch der besonderen Verbindung: Der gebürtige Schaumburger hat im Steinbruch Obernkirchen Steinmetz gelernt. Nachdem der Dienstag recht verregnet war, schien gestern die Sonne. Und sah die ersten Besucherströme. 500 seien es allein am ersten Tag gewesen, hatte IOBS-Vorsitzende Kristiane Allert-Wybranietz beim Ratsempfang erklärt - so viele wie nie am Premierentag. Und da langsam zu sehen ist, was die Künstler aus ihren Steinen herausarbeiten, dürfte die tägliche Besucherzahl ansteigen. Wer eine Führung durch die Stadt inklusive Skulpturenpfad und Jupp-Franke-Werkstatt wünscht, muss nicht mehr bis 17 Uhr warten. Gestern hat das "Team Obernkirchen" bekannt gegeben, dass Führungen dann stattfinden, wenn Bedarf ist - auch für Kleinstgruppen. Einfach am Kirchplatz-Holzhäuschen Bescheid sagen - innerhalb weniger Minuten wird ein Stadtführer erscheinen. Um 15 Uhr gibt es weiterhin Führungen für Kinder und Jugendliche. Eine Änderung gibt es beim Jupp-Franke-Film: Er wird jetzt um 18 Uhr in der Sakristei gezeigt.

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