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Kino Steinbergen zeigt "Requiem", den außergewöhnlichen Film über Exorzismus

Nicht ich bin es, sondern der Teufel

Rinteln/Steinbergen (cok). Wenn heute Abend, 20 Uhr, im Metropol Steinbergen der außergewöhnliche Film "Requiem" gezeigt wird, dann ist das dem Religionsunterricht in der 11. Klasse des Fachgymnasiums zu verdanken. Berufsschulpastor Gerd Brinkmann organisierte diese öffentliche Sondervorstellung, weil seine Schüler sich mit dem Thema "Exorzismus" auseinander gesetzt hatten.

veröffentlicht am 12.07.2006 um 00:00 Uhr

"Requiem" erzählt, basierend auf dem berühmt gewordenen Fall der Anneliese Michel aus den siebziger Jahren, die Geschichte einer schüchternen jungen Frau, deren katholische Familienverhältnisse und psychische Krankheit dazu führen, dass sie sich vom Teufel besessen glaubt. Sie studiert, sie verliebt sich, sie gewinnt eine Freundin, aber immer wahnhafter spürt sie, dass sie es ist, die die Verantwortung für das Böse in der Welt zu tragen hat. Bei einem "Großen Exorzismus", den zwei katholische Priester mit ihr vornehmen und der sich über Wochen hinzieht, geht sie schließlich zugrunde. "Die Schüler fragen oft, ob es nicht den Teufel geben müsste, wenn es Gott gibt", sagt Gerd Brinkmann. "Es ist die alte Frage, wie und warum das Böse in die Welt kommt." Seine Unterrichtseinheit begann mit dem Thema: "Gestalten des Bösen in der populären Kultur" und es bestätigte sich die große Faszination, die von Figuren wie dem charmant skrupellosen Kannibalen Hannibal Lector ausgeht oder von dem einst so schönen Anakin Skywalker, der sich dann als schrecklicher Darth Vader zur "Dunklen Seite der Macht" schlägt. "Stephen King zeigt fast immer, wie an sich harmlose Menschen von einer bösen Macht für böse Taten benutzt werden", so Brinkmann. "Aber wir sind vielleicht deshalb so fasziniert, weil das Böse ein Teil von uns selbst ist und jederzeit hervorbrechen könnte, wenn wir es nicht beherrschen." Stoff für Diskussionen gab es jedenfalls im Religionskurs mehr als genug und je weiter man vorstieß in der Frage, wer oder was für das Böse in der Welt zuständig ist, desto näher rückte die Exorzismus-Thematik. Nicht nur die katholische, auch die evangelische Kirche kennt die Teufelsaustreibung: Bei jeder Taufe wird mit dem Kreuzeszeichen des so genannten "Kleinen Exorzismus" das Kind an Christusübergeben und vor dem Bösen geschützt. Martin Luther war davon überzeugt, dass man aus den Texten des Neuen Testaments die Existenz von Teufeln zwingend schließen muss. Der "Große Exorzismus" der katholischen Kirche, der nach festgelegten Regeln von extra dafür ausgebildeten Priestern durchzuführen ist, der wurde allerdings seit dem Fall der Anneliese Michel nicht mehr angewendet. Hans-Christian Schmids Film "Requiem" mystifiziert nicht. Er ist das Portrait einer jungen Frau, die um ihr Leben kämpft, und er beschreibt die Sehnsucht, das "Böse" einer beherrschbaren Macht zuordnen zuzuordnen, von der man sich distanzieren kann: Nicht ich bin es, sondern der Teufel.

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