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Anwohner der Straße An der Gehle irritiert die Festsetzung des Hochwassergebiets / Heute Vortrag

Nicht gründlich genug gemessen?

Helpsen (gus). Zahlreiche Helpser Bürger dürften heute Abend die Ohren spitzen und die Fäuste ballen. Denn um 18 Uhr sollen im Saal der Kirchengemeinde Seggebruch Detailinformationen zur Festsetzung des Überschwemmungsgebiets an der Gehle auf den Tisch kommen. Und manchen Betroffenen stößt noch immer übel auf, dass diese Materie beinahe an ihnen vorbeigelaufen wäre.

veröffentlicht am 23.02.2011 um 00:00 Uhr

Die Schaumburger Nachrichten haben sich die Argumente von sechs Anliegern der Straße An der Gehle angehört, deren Grundstücke bis zu den darauf stehenden Gebäuden oder sogar ganz im neu festzusetzenden Hochwassergebiet liegen. Von Hochwasser ist den Anliegern dort – trotz der schon namentlich deutlichen Nähe zum Bach Gehle – aber nie etwas bekannt gewesen. Selbst im August 2010, als der Bach nach dreitägigem Regen über die Ufer trat, blieben sämtliche Häuser trocken. Inklusive Keller.

Lediglich die Grundstücksbereiche, die am nächsten an der Gehle liegen, wurden wenige Zentimeter hoch überschwemmt. Doch Manfred Rudorf belegt mit Fotos von dem Hochwasser, das von Experten in die Nähe eines Hundertjährlichen Hochwasser gerückt wurde (wir berichteten), dass nicht etwa Gehle-Wasser in den Garten floss. Dort stand klares Grundwasser, die Gehle ist – daher der Name – gelblich gefärbt, bei starkem Regen gelb-braun.

Trotzdem sollen das Grundstück der Rudorfs und einige weitere an der Straße im HQ100-Hochwassergebiet liegen – also dem Bereich, der bei einem hundertjährlichen Hochwasser überflutet wird. Dies leuchtet den Anwohnern nicht ein. Rudolf Hein vermutet, dass nicht gründlich genug vermessen wurde. Als Beispiel führt er an, dass ein höher liegendes Grundstück am Anfang der Straße An der Gehle ebenso im Hochwassergebiet liegen soll wie die etwas niedrigeren Parzellen, die allerdings bei nahezu ebenem Niveauverlauf teils nur zur Hälfte überschwemmt werden sollen.

An anderen Stellen sind Grundstücke scheinbar unlogischerweise aus dem Hochwassergebiet ausgeschlossen worden. Beispielsweise die Tankstelle an der Kirchhorster Straße. Der benachbarte Wolfskamp hingegen befindet sich komplett im Hochwassergebiet. Hein argwöhnt, hier könnten Betreiber-Interessen den Ausschlag gegeben haben.

Die Anlieger der betroffenen Grundstücke An der Gehle sind nicht nur irritiert, sondern auch sauer. Hätte Ratsfrau Martina Lohmann (CDU) nicht Alarm geschlagen und unsere Zeitung informiert, wäre die Informationsveranstaltung, die dann Anfang Februar ausfiel, ohne Bürgerbeteiligung verlaufen. Eine Einladung erhielt keiner der Betroffenen. „Die Gemeinde hat die Brisanz nicht erkannt“, meint Rolf Bohnekamp.

Und das bei einer Angelegenheit mit dramatischen Folgen. Hein legt eine Studie der Technischen Universität München vor, nach der Grundstücke wegen der Zurechnung zu einem Hochwassergebiet zwischen zehn und 100 Prozent an Wert verlieren.

Heute Abend wollen sich die Betroffenen zunächst einmal anhören, was Landkreis-Beamter Bernd Hugo zur Sache vorzutragen hat. Zahlreiche Helpser dürften beim Kreis Einspruch einlegen. Und sie hoffen, bereits heute Abend Fragen an Referenten, Rat und Verwaltung stellen zu können.



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