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150 Sparkassen in Norddeutschland betroffen / Ab 10 Uhr laufen Systeme wieder

Nicht die Bankenkrise, sondern ein Marder legt das SB-System lahm

Rinteln (wm). Besorgnis bei Sparkassenkunden am Donnerstagmorgen: Alle Bargeldautomaten tot, und in Supermärkten verweigerten die elektronischen Kassen die EC-Karte der Sparkasse. Kein Wunder, dass die morgendliche Bargeldnot in der Rintelner Gerüchteküche in Windeseile zum GAU wurde: "Hat die Bankenkrise jetzt auch unsere Sparkasse erfasst?" wollten besorgte Anrufer wissen.

veröffentlicht am 04.10.2008 um 00:00 Uhr

Jens Wiemken

Keine Panik: Hat sie nicht - es war ein Stromausfall in Hannover, der für rund sieben Stunden nicht nur die SB-Systeme im Landkreis Schaumburg, sondern von insgesamt 150 Sparkassen in ganz Norddeutschland lahmgelegt hat, schilderten am Donnerstagmittag, als die Krise längst ausgestanden war, Sparkassen-Pressesprecher Werner Nickel und Jens Wiemken, der stellvertretende Organisationsleiter der Sparkasse. Später stellte sich heraus: Ein harmloser Marder im Umspannwerk der Stadtwerke Hannover war es, der auch die Elek tronik im dortigen Rechenzentrum der Finanz-IT lahmgelegt hatte. Um 3.40 Uhr hatten die Terminals abgeschaltet. Trotzdem musste mitÖffnung der Sparkassenfilialen kein Mitarbeiter wieder nach Hause gehen, denn alle Computer liefen, die internen Arbeitsplätze waren vom Stromausfall im Rechenzentrum nicht betroffen. Das heißt, auch während des Stromausfalls konnten Kunden Bargeld an der Kasse bekommen, wurden Überweisungen getätigt. Lediglich Online-Banking war nicht möglich. Ab 10 Uhr liefen alle System wieder. Werner Nickel kann nachvollziehen, warum Kunden, verunsichert durch die täglichen Meldungen über Ban ken-Crashs, gleich das Schlimmste befürchtet haben, als die Automaten den Dienst verweigerten. Auch Kundenberater der Sparkasse hätten besorgte Anrufe erhalten - war in den Nachrichten nicht auch von "amerikanischen Sparkassen" die Rede, die in Schieflage geraten seien? Doch dazu müsse man wissen, erläuterte Nickel, dass amerikanische Sparkassen anders organisiert sind. Während in den USA auch Sparkassen zur Refinanzierung der Hypothekenkredite auf Kapitalmärkte angewiesen sind, refinanzieren sich Sparkassen in Deutschland über die Einlagen ihrer Kunden. Dazu kommt: Hier gibt es keine Immobilienblase. Sprachverwirrung auch bei den Zertifikaten: Sparkassenzertifikate seien keineswegs spekulative Papiere, sondern solide Spareinlagen ohne Risiko, so Nickel. Und Zertifikate der insolventen US-Bank Lehman Brothers habe die Sparkasse nicht im Angebot gehabt - damit sei auch kein Kunde von der Insolvenz betroffen. Auch die Schlagzeile inüberregionalen Medien, Kreditnehmern würde "der Hahn zugedreht" treffe so für die Sparkasse nicht zu: Nach wie vor gebe es für private wie gewerbliche Kunden Kredite - Bonität vorausgesetzt, was sich aber wohl von selbst verstehe. Aktienbesitzern empfiehlt Nickel, wie viele andere Kollegen aus der Bankbranche auch, die Nerven zu behalten: Zum verkaufen sei es zu spät, zum kaufen zu früh.



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