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Werner Möller: Selbstständig mit Ebay / "Kein Zocker, sondern Händler"

Nicht bei Versteigerungen verzetteln

Rinteln. Werner Möller hat seit neuestem einen kleinen Laden in der Bäckerstraße, wo er unter anderem Handyzubehör, Elektrowerkzeug und vor allem seltene Duftkerzen verkauft. Eigentlich aber handelt er bei Ebay, dem Internetauktionator.

veröffentlicht am 25.09.2006 um 00:00 Uhr

Werner Möller. Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

"Ich bin aber kein Zocker", sagt er. "Ich bin Händler!" Das heißt, die Ware, die er unter dem Mitgliedsnamen "kwd-hth-handel" zum Verkauf anbietet, wird von den Interessenten nicht ersteigert, sondern zu einem Festpreis erworben. "Versteigerungen interessieren mich nicht, das ist mir zu riskant! Es würde mir zu viel ausmachen, wenn ich zum Beispiel eine meiner guten Bohrmaschinen unter Wert verkaufen müsste." Immerhin aber fand der ehemalige Außenhandelskaufmann überhaupt erst durch eigene glückliche Ersteigerungen zum Ebay-Handel. Als er vor etwa zwei Jahren seine Arbeitsstelle wegen Rückenprobleme kündigte und beschloss, selbstständig zu werden und nie wieder für jemand anderen zu arbeiten, da bot er bei Ebay auf ein Überraschungspaket mit lauter Handyzubehör. Das wurde ein solches Schnäppchen, dass er die Einzelteile gleich wieder einstellte und einen netten Gewinn machte. Der Ebay-Händler war geboren. "Mit links macht man das aber nicht", betont er. In seinem Lager in Uchtdorf warten die unterschiedlichsten Waren, darunter fabrikneue Fahrräder oder Elektroscooter, auf ihre Käufer, Waren, für die er ständig Kontakte zu anderen Händler knüpft, um für möglichst "schnuckelige" Preise größere Mengen einzukaufen. Dafür fährt er in Deutschland herum und fast täglich kommt ein Lieferant, um die Bestellungen vorbeizubringen. Verkaufte Ware, die Werner Möller zusammen mit seiner Freundin versandfertig gemacht hat, nimmt er dann gleich mit. Der winzige Laden in der Bäckerstraße ist meistens mit Freunden und Bekannten besetzt. Die bunten Duftkerzen haben längst ihre Stammkunden gefunden, sie bestehen aus drei Schichten, die nacheinander unterschiedliche Düfte abgeben. "Mehr als die Miete will ich durch den Laden ja gar nicht reinbekommen!", sagt Werner Möller. "Außerdem macht er vielleicht darauf aufmerksam, dass ich mich auch als Verkaufsagent anbiete." Viele Menschen würden nämlich gern ihre alten Sachen bei Ebay versteigern, nur wagen sie sich nicht so recht ins Internet, haben Angst, betrogen zu werden oder wissen eben nicht, wie man das macht, eine Ware beschreiben, ein geeignetes Foto einzustellen. "Also, wenn ich das mache oder wenn Sie das machen - ich wette, ich bekomme für dasselbe Ding doppelt so viel." Mit Trödelkram gibt er sich allerdings nicht ab. Wer ihn als Verkaufsagent bucht, muss 10 Euro investieren, bezahlt dafür später aber nur einen relativ niedrigen Anteil vom Verkaufserlös. "Ja, ja, die Leute wollen natürlich am liebsten, dass ich ihnen ihre Sachen abkaufe, aber das geht natürlich nicht." Das eine oder andere ist er aber schon zur Zufriedenheit seiner Kunden losgeworden, darunter zum Beispiel auch eine alte Registrierkasse. Bescheiden muss er trotzdem sein. In zwei Jahren hat er knapp 500 Ebay-Geschäfte getätigt und bei manchen davon ging es gerade mal um ein paar Euro. "Ach, es geht eigentlich ganz gut", sagt er. Und zu seinem Glück läuft er selbst nicht Gefahr, sich beim Ebay-Ersteigern zu verzetteln. "Klar, manchmal beteilige ich mich auch an einer Auktion. Aber ich setze mir dabei immer ein festes Limit." Wie so mancher Ebay-Freund für bestimmte Versteigerungen bis Mitternacht aufzubleiben, um am Ende der Gewinner zu sein, nein, das kommt niemals in Frage: "Ich bin froh", sagt er, "wenn der Computer auch mal einfach aus ist."

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