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Nicht beeilen mit dem Teilen

Das Teilen von Freude ist schon grundsätzlich eine Charaktereigenschaft, die in die Lehrpläne von Schulen und Universitäten geschrieben werden sollte. Aus Geteiltem wird hier Doppeltes, ist das nicht fantastisch? Unter Pflanzenden, die ihre Freuden an sehr bestimmten Stauden mit anderen Gärtnern teilen, also ebenfalls vervielfachen wollen, vermag dieses Verhalten eine noch größere Folge für den Garten auslösen zu können.

veröffentlicht am 11.04.2019 um 17:08 Uhr

Das Teilen von Stauden ist gut – muss aber auch nicht nach Fachbuch verordnet übertrieben werden. Foto: ey
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Denn es ist ja nicht so, dass wir Gleichgesinnten vor einer Blume stehen und wie aus einem Munde ihre Schönheit lobpreisen, sondern es geht um mehr als das: um den Erhalt der bestimmten Sorte, um die Verjüngung der greise und blühfaul gewordenen Pflanze.

Das Fachbuch berücksichtigt nicht die Verhältnisse vor Ort

Es ist aber ein Fehler, zu glauben, man habe aus jedem Vorgang, jeder Arbeit, die im Staudenbeet zu tun ist, eine Gesetzmäßigkeit abzuleiten. Regelmäßig geteilte Pflanzen bleiben blühfreudig und vital, lautet eine feststehende Devise. Wenn also grundsätzlich davon die Rede ist, den Rittersporn etwa alle drei bis fünf Jahre zu teilen, was also bedeuten würde, den Wurzelstock mit dem Spaten oder der Grabegabel dem Boden zu entnehmen und aus dieser Basis zwei oder drei werden zu lassen, kann dies nicht mehr als eine Richtlinie sein, und Richtlinien sind verschiebbar. Denn kein noch so schlaues Fachbuch berücksichtigt die Verhältnisse vor Ort, sodass ich meinen würde, dass nichts weniger als nur die Situation der Pflanze und ihre Vitalität darüber zu entscheiden haben, ob eine Teilung ihrer Lebensbasis notwendig ist oder nicht. Das Teilen von Stauden ist folglich eine Notwendigkeit, die aus der jeweiligen Situation abzuleiten ist; es muss die Tüchtigkeit der Pflanze ausschlaggebend sein und nicht die Motivation des Schaffenden.

Es gibt zwei Rittersporne – Delphinium-Elatum-Hybriden – deren prachtvolle Kerzen mit dunkelblauen Blütentrauben und dunklen wie weißem Auge seit mindestens acht Jahren in einer schmalen Rabatte am Haus keinen Eindruck von Vergreisung oder Ermüdung machen. Ich habe ihre Wurzelballen noch niemals geteilt und werde auch solange davon Abstand nehmen, solange es ihnen augenscheinlich gut geht. Es gibt einfach überhaupt keinen Grund, ihnen gewissermaßen ins Herz zu stechen. Und immerhin gibt es zum Beispiel mit Pfingstrosen und weiteren Arten ja auch Pflanzen, die sogar sehr sensibel auf solche Störungen reagieren können und unter allen Umständen in Ruhe gelassen werden wollen. Alt werden sie dennoch, blühfreudig bleiben sie auch.

Ich überlasse die beiden Rittersporne also weiterhin ihrem Glück, in Frieden und freudvoll zu erstrahlen. Beim Federborstengras ’Hameln‘ habe ich diesen Fehler des übereilten Einschlags bereits getan: Obwohl es einige Sommer hindurch bis zum Herbst seine Federborstenanzahl vermehrte und ein glanzvolles Gras in der gemischten Staudenpflanzung war, hielt ich es für notwendig, es mit einem kräftigen Spatenhieb in zwei Teile zu stoßen. Mir kommt es vor, dass damit ein Riss durch das Wesen dieser kompakten Pflanze entstanden ist; ohne Not von mir herbeigeführt. Die beiden Hälften haben sich nicht davon erholt, gingen nicht an und dann ein. Es mag viele andere, vernünftige Erklärungen dafür geben, ich hatte hingegen genau die eine, das Gras in seinem sich ruhenden Ich empfindlich gestört zu haben. Deshalb bin ich der Meinung, dass nichts mehr als die Natur selber darüber entscheidet, wann wir Untertänigen Hilfestellung leisten dürfen.

Tabellarisch verordnetes Teilen ist Stress

Aktionismus aus der Laune heraus oder irgendeinem kruden Plan folgend bringt jedenfalls häufig nicht das gewünschte Ergebnis. Ein tabellarisch verordnetes Teilen von Staudenpflanzen mag den Anschein haben, präventiv einer Vergreisung bestimmter Pflanzen vorzukommen, ist aber auch Stress für manche Art und Sorte. Und für den Gärtner, der ihn sich selber macht.

Jens F. Meyer

j.meyer@dewezet.de



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