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Rauchverbot in Gaststätten in Bückeburg von Gästen und Wirten kontrovers diskutiert / Totalverbot findet kaum Anhänger

Nicht alle Wirte haben ein Herz für Nichtraucher

Bückeburg. Für viele Raucher gehört die Zigarette nach einem guten Essen oder zum Bier einfach dazu. Dass diese Haltung nicht nur Freunde hat, zeigt die aktuelle Diskussion eines Rauchverbots in der Gastronomie. Wo in Bückeburg die Front zwischen Rauchern und Nichtrauchern verläuft und welche Restaurants schon rauchfrei sind, versucht dieser Bericht zu klären.

veröffentlicht am 17.08.2006 um 00:00 Uhr

Wirt Edgar Miller: Mit Aufsteller.

Autor:

Michael Grundmeier

"Passiv-Rauchen kann tödlich sein" - derartige Warnhinweise werden Wirte wohl auch in Zukunft nicht an der Kneipentür anbringen müssen. Klar ist aber, dass Gaststättenbetreibern seit einigen Wochen ein ziemlich rauher Wind ins Gesicht bläst. Vor allem Verbraucherminister Horst Seehofer und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt setzen sich für ein möglichst umfassendes Verbot des "blauen Dunstes" in Lokalen und Gaststuben ein. Die Minister wollen nicht nur Gäste, sondern auch Angestellte vor dem ungesunden "Kneipennebel" schützen. Kritik an der Initiative kommt vor allem vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). Dort sieht man in der Initiative einen "Dolchstoß" für viele Betriebe und versucht, das Verbot mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung zu verhindern. Bis 2008 sollen rund 90 Prozent der größeren Restaurants die Hälfte ihrer Plätze für Nichtraucher ausweisen. Inzwischen seien immerhin 860 Betriebe komplett rauchfrei und im Internet unter www.nichtraucherfuehrer.de auch recherchierbar, so die DEHOGA. Auch in Bückeburg wird das Für und Wider eines kompletten Zigaretten-Verbots in Lokalen diskutiert. Zudem sind einige Anstrengungen gemacht worden, um den Schutz von Nichtrauchern zu verbessern. So kann man in der ehemaligen Residenzstadt inzwischen Essen gehen, ohne dabei Tabakrauch fürchten zu müssen. Wirt Edgar Miller vom Ratskeller hat sich der DEHOGA-Initiative schon früh angeschlossen, sein Restaurantbereich ist seit März 2004 vollständig rauchfrei. Vor einem Rauchverbot per Gesetz fürchtet er sich nicht. "Mir wäre es recht, wenn es das für alle geben würde," betont der Wirt. Auch in Irland oder Italien sei der Umsatz nach dem Stichtag nicht zurückgegangen. Seine eigenen Erfahrungen mit dem "rauchfreien Restaurant" sind allerdings gemischt. "Ich habe gedacht, dass der Umsatz dadurch etwas steigt, er ist aber etwa auf gleichem Niveau geblieben," rechnet er vor. Viel wichtiger aber als ein paar Mark mehr in der Kasse, ist ihm die Gesundheit seiner Fachkräfte. "Man wird es sich in Zukunft nicht mehr leisten können, dass Angestellte vollgequalmt werden, die können sich das schließlich nicht aussuchen." Volker Hagemann vom "Bückeburger Hof" fordert, der DEHOGA die nötige Zeit zu geben. "Wir versuchen bis 2008 die freiwillige Selbstverpflichtung umzusetzen," erläutert er. Für den "Bückeburger Hof" heißt das konkret: kleine Aufsteller "bitten" in einigen Bereichen Raucher um Rücksichtnahme. "Das ist keine Pflicht,aber scheinbar sind viele Raucher inzwischen sensibilisiert und gehen lieber sofort an die Theke." Neben den Bedürfnissen der Nichtraucher, versteht Hagemann aber durchaus auch die Wünsche der Raucher. "Ich möchte beiden gerecht werden." Ein vollständiges Verbot hält er für den falschen Weg, "es ist bei uns schon so viel reglementiert, am besten regelt sich das über Angebot und Nachfrage." Brigitte Fenkne r vom Gasthaus Fenkner ist zwar selbst Nichtraucherin, hat aber ebenfalls Verständnis für Raucher. "Das hat ja auch etwas mit Gemütlichkeit zu tun, bei uns sind Raucher jedenfalls willkommen." Bekannt für eine gemütliche Atmosphäre ist auch das "Minchen". "Sowohl wir, als auch die Gäste wissen, dass wir keine Alpenluft bieten," betont Fabian Hahn . Wenn in Kneipen das Rauchen verboten wäre, würden Kunden wegbleiben, meint der Chef der Szenekneipe: "Die Leute kommen nicht, wenn sie nicht rauchen dürfen." Geteilter Meinung sind auch die Bürger aus Bückeburg und Umgebung. Richard Wagner hat insgesamt 40 Jahre geraucht: "Ich bin ein gewordener Nichtraucher," sagt er von sich selbst. Der 82-jährige Bückeburger fordert "ein Rauchverbot für alle Gaststätten." Wirte sollten zwei Räume bereithalten, wobei der eine rauchfrei bleiben müsse. Petra Böttcher aus Bückeburg ist nicht dieser Meinung. "Das ist für die Kneipen gar nicht gut." In Deutschland werde insgesamt viel zu viel reglementiert. "Wer gut gegessen hat, möchte auch eine Zigarette rauchen," sagt sie. Keine Probleme mit Zigarettenrauch hat Corianna Speckmann . "Es stört mich nicht wenn andere rauchen während ich esse. Ich habe viele Freunde, die rauchen, deshalb ist mir das egal." Kirsten Tiedemann aus Minden regt sich vor allemüber "hartnäckige Raucher" auf. "Ich finde es einfach widerlich, wenn ich im Restaurant sitze und jemand holt seine Zigaretten raus. Das grenzt eigentlich schon an Körperverletzung, ich kann doch schließlich nicht einfach weggehen."

Wirt Fabian Hahn: Gegen Rauchverbot.
  • Wirt Fabian Hahn: Gegen Rauchverbot.
Corinna Speckmann: Keine Probleme.
  • Corinna Speckmann: Keine Probleme.
Richard Wagner: Fordert Rauchverbot. Fotos: mig
  • Richard Wagner: Fordert Rauchverbot. Fotos: mig
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