weather-image
21°
Experten erklären, warum manche Vögel auch im Winter hier bleiben

Nicht alle Störche fliegen in den Süden

Hameln-Pyrmont. So überrascht der Laie ist, so wenig verwundert ist der Experte über den Storch, der über ein schneebedecktes Feld bei Hastenbeck watete und dabei von unserem Leser Thomas Fietzek beobachtet und fotografiert wurde. Du hier und nicht in Afrika? Bei deinen Verwandten, wo es warm ist und reichlich Futter gibt? Nein, Verwandte gibt es hier zwar zurzeit weniger, aber Futter offenbar noch in ausreichender Menge.

270_008_7817642_lklf102_0701.jpg
Birte Hansen

Autor

Birte Hansen Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen mit Ihrem Digital-Abonnement
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Der frisst ja nicht nur Frösche, sondern auch Mäuse, und die findet er noch“, sagt Hans Arend vom Naturschutzbund Hameln-Pyrmont (Nabu). Es sei inzwischen ziemlich verbreitet, dass einzelne Störche bleiben, sagt Arend, und vermutet, dass dieser einzelne Storch aus „Lippe“ stammt. Dort gibt es den Verein zum Schutze des Weißstorches Elbrinxen. Dessen Vorsitzender Günter Kopei bestätigt immerhin, dass fünf Störche tatsächlich in diesem Jahr wieder geblieben sind. Einer der Störche muss in diesen Monaten auf seinen Partner verzichten – der nämlich sei geflogen. Ob die beiden nach der Rückkehr wieder ein Paar sind – so sicher ist das nicht, wie Kai-Michael Thomsen erklärt. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Michael-Otto-Institut im Nabu im vielen Menschen bekannten Storchendorf Bergenhusen in Schleswig-Holstein.

Laut Storchexperte Thomsen sind Störche zwar sehr loyal, allerdings nur ihrem Nest gegenüber, nicht aber unbedingt dem Partner. Was ja auch biologischer Unsinn wäre, wäre es anders. Die Paarbildung verändere sich durch das angepasste Zugverhalten der Störche zudem stark. „Einer, der hier überwintert, kann im Februar, März schon anfangen zu brüten“, sagt Thomsen. Jene, die dagegen erst den Weg aus Afrika wieder zurücklegen müssen, fangen meist erst im April damit an. Das, so hätten er und seine Kollegen beobachtet, bringe viele Konflikte mit sich. Denn sei das Stammnest eines aus Afrika kommenden Storches bereits von einem anderen Pärchen belegt, gebe es regelrechte Kämpfe, die meistens zugunsten des Heimkehrers ausgehen – den wiederum das bereits bestehende Gelege dann überhaupt nicht interessiert; die Eier fliegen raus. Solche Auseinandersetzungen gebe es unter den Störchen, die zusammen im April zurückkehren weit weniger.

Besorgt sein müsse man angesichts eines Storches hierzulande in dieser Jahreszeit nicht, betont Thomsen. „Ich plädiere dafür, dass man sie nicht füttert“ und ein „halbwegs natürliches Verhalten“ fördern. Füttern mache das Reagieren auf die äußeren Bedingungen für den Storch eher schwieriger. Ohne menschliches Zutun könne der Storch noch merken, dass das Futter angesichts der vielleicht doch noch sinkenden Temperatur knapp werde und Richtung Südwesten ziehen. Diese „Winterflüchter“ genannten Tiere verbrächten dann den Winter am Bodensee, in Frankreich oder Spanien, wo das Wetter ihnen das Leben leichter mache. „Wenn ein Storch ein bis zwei Tage hungern muss“, mache ihm das nichts aus, sagt Thomsen. Ändere sich die Situation dann nicht, rät Thomsen, sich mit dem zuständigen Nabu-Storchenbetreuer vor Ort in Verbindung zu setzen. In Hameln-Pyrmont ist das Dietmar Meier, Telefon 05152/51243 oder per E-Mail an info@NABU-hamelnpyrmont.de.

Der Storch ist übrigens nicht der einzige Zugvogel, der in diesen Wochen hierzulande gesichtet wurde. Im Rahmen der „Stunde der Wintervögel“, in der letztlich an mehreren Tagen eben jene Vögel von der Bevölkerung gezählt werden, seien auch schon Rotschwänzchen und ein Zilpzalp gemeldet worden, erzählt Hans Arend – beides eigentlich Zugvögel.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare