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ECE, Mehrwertsteuer, Kunden- und Konsumverhalten: Lokale Textilbranche zeigt Perspektiven auf

Neue Strategien im Verdrängungswettbewerb

Hameln (kar). Verbesserter Kundenservice, neue Werbestrategien, Erlebnis-Shopping - in der Textilbranche lässt man sich etwas einfallen, um im knallharten Verdrängungswettbewerb nicht zuletzt auch im Hinblick auf das in Hameln entstehende ECE bei der Verteilung des "Kuchens" die Nase vorn zu haben. "Dazu gehört nicht nur die persönliche Ansprache der Kunden, sondern auch die ständige Überprüfungdes Sortiments", sagt Holger Wellner vom gleichnamigen Modehaus in der Ritterstraße. Kundenwünsche ausloten, gezielt auf ihre Bedürfnisse eingehen, ihnen mit Event-Shopping das besondere Einkaufserlebnis bescheren - darauf setzt man nicht nur bei Wellner, sondern auch bei Kolle gleich nebenan. "Wir müssen uns ständig etwas Neues für die Kunden einfallen lassen", sagt Kolle-Geschäftsführer Thomas König.

veröffentlicht am 02.11.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 24.05.2013 um 14:00 Uhr

Die Kassen, wie hier bei C & A, sollen auch künftig in der Texti

Das Weihnachtsgeschäft steht noch aus - insgesamt jedoch ist man in Hamelns großen Modehäusern bisher mit dem Umsatz zufrieden. Der sonnige September und milde Oktober habe zwar "keinen tollen Start in die Herbstsaison" beschert, meint Markus Deman, Geschäftsführer bei C & A. Die Fußball-WM im Sommer aber habe "richtig gut was gebracht". Das Modehaus an der Bäckerstraße hatte damals täglich bis 22 Uhr geöffnet. Eine Aktion, die sich auszahlte. Zum veränderten Konsumverhalten vieler Käufer, die beim Shoppen den Extra-Kick suchen, kommt der Trend zu großen Einkaufszentren wie die Hamelner ECE-Stadtgalerie, die 2008 ihre Pforten öffnen soll und - laut Planung - auf den 20 000 Quadratmetern Verkaufsfläche auch 8500 Quadratmeter für Bekleidungsartikel vorhalten will. Rund 45 Prozent. Eine Bedrohung für den Textileinzelhandel in Hameln? Wellner und Kolle haben als unmittelbare Nachbarn des ECE nichts zu befürchten, sind, wie Kolle, entweder ohnehin in dem Komplex integriert, oder partizipieren, wie Wellner, durch die Nähe. Bei C & A sieht das schon anders aus. "Aber es gibt einfach noch viel zu viele Fragezeichen, um zu spekulieren", sagt Deman. Solange nicht bekannt sei, welche Bekleidungsgeschäfte sich im ECE-Center einmieten, warte er gelassen ab. Bis dahin setzt der heimische C & A-Chef auf das breit gefächerte Angebot seines Hauses (Deman: "Unser Anspruch!") und eine gewisse Kundentreue, die er aus den jährlich durchgeführten Kundenbefragungen ersieht. "Je weiter ein Geschäft vom Center entfernt liegt, desto schlechter die Karten", darüber sind sich Horst und Holger Wellner mit Thomas König einig. "Die Kaufströme werden sich in der Altstadt verändern", meint König. Aus der Ib-Lage von Kolle werde dank ECE eine Ia-Lage. "50 Meter Entfernung sind schon zu viel",meint der Kolle-Geschäftsführer mit Blick auf die Erfahrungen in anderen Städten. Andererseits sei damit zu rechnen, dass der Mietspiegel in Hameln falle und damit die "riesige Erosion an wertigen Geschäften", die in den letzten Jahren stattgefunden habe, aufgehalten werde. Die hätten neben der "Stadtgalerie" durchaus eine Chance, sind sich die Chefs bei Wellner einig. "Um mit einem kleinen Ladengeschäft gegen die Großen gegenzuhalten, muss man sich spezialisieren", ist Holger Wellner sicher. Da gelte es Marktnischen zu füllen. Ein gutes Beispiel dafür, dass dies in Hameln funktioniert, ist das auf Braut- und Abendmoden spezialisierte "Studio Fee", dessen Chefin Ute Hapke sogar Kunden hat, die eigens aus Hannover anreisen. Ein eher ungewöhnliches Konsumverhalten; denn: "Der Kaufkraftabfluss nach Hannover ist stärker als der Kaufkraftzuflussaus Hannover", sagt Horst Wellner. Als WIR-Vorsitzender und Vorstandsmitglied des Hamelner Stadtmarketing hat er Kaufverhalten und Einzelhandelssituation stets im Blick. Zwar empfindet Horst Wellner die Größe des geplanten ECE-Centers als "zu viel", die Alternative "gar nicht" würde allerdings auch nicht funktionieren. Das ECE sei ein Magnet. Dessen geschätztes Einzugsgebiet von Markus Deman allerdings als utopisch bewertet wird. Die Schnittmenge zwischen den künftigen ECE-Städten Minden und Hameln ist seiner Ansicht nach zu groß. Etwas Positives aber sieht er an dem Einkaufscenter - und spricht damit auch WIR und Stadtmarketing aus dem Herzen: "Ich hoffe, dass der Druck so groß wird, dass wir in Hameln endlich einheitliche Öffnungszeiten hinkriegen." Besonders den Samstag empfindet Deman als extrem. Der klassische Einkaufstag, bei dem in anderen Städten die Kassen klingeln, ist in der Rattenfängerstadt ein Stiefkind. "Gerade am Samstag muss sich die Stadt, um Käufer zu ziehen, einheitlich präsentieren." Ein in anderen Branchen heiß diskutiertes Thema, die Mehrwertsteuer, spielt in der Textilbranche offenbar nur eine untergeordnete Rolle. Sie werde "nicht sichtbar" weitergegeben, so Horst Wellner: "Die Eckpreisdaten wird man erhalten." Thomas König bringt es mit einem Beispiel auf den Punkt: "Eine Hose, die bislang 49,50 Euro gekostet hat, wird im neuen Jahr nicht für 51,23 Euro verkauft." Eher versuche man an der Preisschraube beim Einkauf zu drehen. Ob sich das Konsumverhalten der Hamelner durch die Mehrwertsteuer verändern wird, vermögen die Textilfachleute nicht abzuschätzen. Markus Deman: "Die Frage wird sein, was passiert im Januar und Februar..."

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