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Neue Perspektive für Hamelns altes Kino

veröffentlicht am 05.11.2009 um 16:33 Uhr

Altes Kino

Hameln. Auf dem alten Kinogebäude an der Deisterallee weht die NPD-Flagge auf halbmast – und die Stadt hofft, dass das Tuch in den Nazi-Farben bald ganz eingeholt wird. Denn der plötzliche Tod des NPD-Vizevorsitzenden, Neonazi-Anwalts und Immobilienspekulanten Jürgen Rieger – der Hamburger ist im Alter von 63 Jahren einem Schlaganfall erlegen – könnte auch dem braunen Spuk in dem traditionsreichen Gebäudekomplex ein Ende setzen. Nach Informationen des NDR hat Rieger sein Vermögen komplett an seine Kinder vererbt und nicht etwa an die finanziell in der Klemme steckende Partei. Weil sich Riegers Familie vom Rechtsradikalismus distanziert, dürften jetzt alle angeblichen Pläne für ein Neonazis-Tagungszentrum oder ein Seniorendomizil für braune Kameraden vom Tisch sein. Fraglich ist zudem, wie lange die rechtsgerichteten Bewohner in dem Haus, die auch für den Flaggenappell auf dem Dach verantwortlich sind, von den neuen Eigentümern noch geduldet werden.
 Im Rathaus zeigt sich Thomas Wahmes, der für Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann Stellung nimmt, erleichtert über die neue Entwicklung. „Das ist eine gute Nachricht.“ Jetzt gehe es darum, das markante und für Hameln überaus wertvolle Gebäude zu sanieren und es dauerhaft mit neuem Leben zu füllen. Schließlich handele es sich um das alte „Hotel Monopol“, in dessen Saal sich ab 1896 fast das gesamte städtische Kultur- und Gesellschaftsleben abgespielt habe. Der große Gründerzeitbau sei ein stadtbildprägendes Denkmal. „Es ist zwar auf dem ersten Blick in einem schlechten Zustand“, sagt Wahmes, „doch die Grundsubstanz ist gut.“  Rieger hatte das Gebäude vor zehn Jahren gekauft – wahrscheinlich als Spekulationsobjekt. Es wurde zeitweise auf einer obskuren Internetseite für 2,2 Millionen Euro inseriert. Die Lage an der stark befahrenen Straße spricht laut Gabriele Güse, Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes in Hameln, gegen eine gastronomische Nutzung. Im Übrigen habe Hameln reichlich Fremdenbetten. „Ein zusätzliches Hotel ist nicht nötig“, meint Güse. Im Rathaus will man nun erst einmal abwarten. Vielleicht melde ja ein Investor sein Interesse an.

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