weather-image
14°
Stiftsdamen gehen neue Wege

Neue Ideen, damit Historisches noch belebter wird

Fischbeck. Allein bei den Führungen konnten im Vorjahr über 10 000 Menschen im Stift begrüßt werden. Dabei konnten die Führerinnen immer wieder erkennen, dass viele der Gäste „eine solche Sehenswürdigkeit nicht erwartet haben“, sagt Äbtissin Uda von der Nahmer. Es sind nicht nur die historischen Gebäude, die ob ihrer Schönheit verblüffen, auch der Stiftsgarten mit der nunmehr über tausend Jahre alten Eibe und den nach altem Vorbild angelegten Beeten ringt den Besuchern Bewunderung ab.

veröffentlicht am 05.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 19.03.2010 um 10:45 Uhr

Äbtissin Uda von der Nahmer und Kapitularin Ursula Schroeder vor

Autor:

Peter Jahn

Fischbeck. Allein bei den Führungen konnten im Vorjahr über 10 000 Menschen im Stift begrüßt werden. Dabei konnten die Führerinnen immer wieder erkennen, dass viele der Gäste „eine solche Sehenswürdigkeit nicht erwartet haben“, sagt Äbtissin Uda von der Nahmer. Es sind nicht nur die historischen Gebäude, die ob ihrer Schönheit verblüffen, auch der Stiftsgarten mit der nunmehr über tausend Jahre alten Eibe und den nach altem Vorbild angelegten Beeten ringt den Besuchern Bewunderung ab. Wer heute das Tor zum Stiftsgarten öffnet und den Weg unter der großen Magnolie vorbei am großen Kirschbaum geht und dann rechts hinter der Fachwerkmauer einschwenkt, entdeckt zur Linken eine Eibe, der man nicht ansieht, dass sie noch vor nicht allzu langer Zeit schwer geschädigt worden war.

Es ist kaum zu glauben, dass die Eibe heute in solcher Pracht zu bestaunen ist, denn nachdem Orkan Kyrill übers Land gefegt war, befürchteten viele, dass dies das Ende des Baumes sei. Doch dieser hat sich prächtig erholt, ist rundherum grün, nur wenige dürre Ast-Fragmente sind noch sichtbar. Einige dicke Baumteile, die der Orkan abgebrochen hatte, liegen noch neben der jugendlich erscheinenden Eibe. Aus anderen Baumteilen fertigt inzwischen ein Hobby-Drechsler schöne Knöpfe, die Besucher im Torhaus des Stifts erwerben können.

Damit „das einzigartige Kleinod im Weserbergland noch mehr wahrgenommen wird“, haben die Äbtissin und die sechs Stiftsdamen entschieden; ein ganz hochkarätiges Musikprogramm zusammengestellt. „Vier Jahreszeiten, vier Sinne, vier Himmelsrichtungen: Nord-Süd-West- Ost: Kreuzgang und Kreuzhof. Die Besucher werden eingeladen, musikalisch oder literarisch mit den Jahreszeiten durch das Stift zu wandeln“, sagt Äbtissin Uda von der Nahmer. Die Magnolien im Abteigarten im Frühling, der Kräutergarten im Sommer, die Apfelbäume im Herbst und die adventlich geschmückte Kirche im Winter. Die Konzerte in Fischbeck sollen so ihren ganz eigenen Charakter bekommen.

In diesem Jahr werden erstmalig vier qualitativ hochwertige Konzerte angeboten. Sie werden den Jahreszeiten zugeordnet. So wird mit einem Konzert der Frühling in der Stiftskirche begrüßt, mit dem nächsten der Sommer, dann folgen Herbst und Winter.

„Die positive Resonanz auf die Konzerte des vergangenen Jahres haben uns ermutigt, ein neues Konzept für das Kulturprogramm des Stiftes zu entwickeln“, verrät die Äbtissin. Die Konzertbesucher kommen selbst von weit her, aber: „Es ist nicht einfach, die Menschen aus dem Umkreis in Bewegung zu setzen“, bedauert Äbtissin von der Nahmer.

Das neue Konzept, das sie gemeinsam mit der Kapitularin Ursula Schroeder vorstellte, ist überschrieben mit: Jahreszeiten im Stift Fischbeck. Weniger soll dabei mehr sein. Vier hochkarätige Veranstaltungen werden in diesem Jahr geboten. Die Äbtissin spricht von „einem fulminanten Start“. Zum ersten Konzert wird am Sonnabend, 10. April, das weltberühmte Hilliard-Ensemble in der Stiftskirche auftreten. Die vier vielfach ausgezeichneten Sänger – sie erhielten unter anderem den Deutschen Schallplattenpreis, traten bereits bei den Berliner Festwochen, dem Schleswig-Holstein-Musikfestival, bei den Londoner Proms und bei den Salzburger Festspielen auf. Populär wurde das Hilliard-Ensemble durch die CD „Officium“, welchedie Sänger mit dem bekannten norwegischen Saxophonisten Jan Garbarek einspielten. „Nach Möglichkeit wird vor dem Konzert und in der Pause ein schlichter klösterlicher Imbiss angeboten, der bereits komponiert wurde“, erklärt Uda von der Nahmer.

Karten gibt es im Vorverkauf im Stift von Dienstag bis Freitag zwischen 10 Uhr und 12 Uhr unter Tel. 05152/ 6984-308, bei der Dewezet in der Osterstraße in Hameln oder im Kulturtourismusforum des Rathauses in Hessisch Oldendorf. Der Kartenvorverkauf beginnt am kommenden Montag, 8. März.

Uda von der Nahmer geht auf die Vorteile dieses neuen Konzeptes ein. Sie ist sicher, dass sich „Jahreszeiten im Stift Fischbeck“ leicht und gut einprägt. Der Titel stehe mit keiner etablierten Konzertreihe in Konkurrenz. Im Stift selbst werde eine Bündelung der Kräfte erreicht. „Vier herausragende Konzerte im Jahr können professionell gut vorbereitet werden und sprechen Menschen aus nah und fern an“, betont die Äbtissin.

Nach dem Auftakt am 10. April wird im Sommer „Wege durch das Land“ in Fischbeck zu Gast sein, im Herbst tritt der bekannte griechische Sänger Stathis Nikolaidis mit Ensemble auf und am 3. Advent wird das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in der Stiftskirche zu hören sein. Bis auf das Konzert und die Lesungen im Rahmen von „Wege durch das Land“, am Vorabend von Johannis am 19. Juni, sind für alle Konzerte Karten zum Preis von 20 Euro bei freier Platzwahl erhältlich. „Ermöglicht wurde dies durch die Förderung der Klosterkammer Hannover, des Landschaftsverbandes Hameln-Pyrmont und der Sparkasse Weserbergland“, freuen sich Uda von der Nahmer und Ursula Schroeder. Hinter „Wege durch das land“ verbirgt sich eine Veranstaltung des Literaturbüros Ostwestfalen-Lippe. Bis Ende März steht fest, welche internationalen Künstler dabei sein werden.

Alle Künstler, die bisher im Stift aufgetreten sind, schwärmen von der besonderen Akustik. Hinzu kommt die Orgel mit dem Prospekt – „das ist die schöne Seite, die man sieht“, wie die Äbtissin erklärt –, den Johann Adam Berner im Jahr 1734 fertiggestellt hat. Vor drei Jahren war dahinter ein völlig neues Instrument eingebaut worden, das dem Original sehr nahekommt und dem Stil der großen norddeutschen Barockorgeln entspricht.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt