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Bernhard Bethe meistert Lehr-Krisen

Neu: "Vorstopper" bremst Azubis auf der Flucht aus

Landkreis (jl). Rund ein Drittel aller Schaumburger Azubis brechen ihre Ausbildung ab, der allergrößte Teil während der Probezeit. Dagegen setzen Kreishandwerkerschaft, Industrie- und Handelskammer (IHK) und das Job-Center Schaumburg jetzt Bernhard Bethe ein. Bethe kommt, wenn es kriselt - und seine ersten Arbeitsergebnisse sehen nicht schlecht aus.

veröffentlicht am 01.06.2007 um 00:00 Uhr

Bernhard Bethe

Nach Angaben von Job-Center-Geschäftsführer Michael Stemme brechen die meistens Azubis oder deren Chefs die Ausbildung während der Probezeit ab. Hauptgründe seien die "falsche Entscheidung bei der Berufswahl" oder "Reibungen" zwischen beiden Parteien. Oft entstünden diese, weil die jungen Leute Probleme mit Tugenden wie Pünktlichkeit hätten oder sich nicht richtig behandelt fühlten. Überwiegend seien es "unnötige Abbruchgründe", betonte Stemme. Solche Ausbildungsverhältnisse sollen jetzt mittels Ausbildungscoaching gerettet werden, wie sich das nennt, was Bernhard Bethe seit Mitte März macht. Bethe ist für den Verbund Job-Center, Kreishandwerkerschaft und IHK im Einsatz. Diese drei Partner sind diejenigen, die sich seit geraumer Zeit um ausreichend Ausbildungsplätze kümmern. Allein 39 zusätzliche Plätze gehen laut Stemme auf das Konto der Akquisiteure, die seit dem vergangenen Jahre für das Job-Center arbeiten. Weil man sich diesen Erfolg nicht kaputt machen lassen will, ist Bethe eingestellt worden. Bethe war vor seinem Arbeitsstart selber Kunde des Job-Centers. Der arbeitslose Tischlermeister hatte zuvor im Werkunterricht für eine Stadthäger Schule gearbeitet und war dem damaligen Leiter sowie "Siga"-Vorsitzenden Rudolf Krewer positiv aufgefallen, weil er einen guten Draht zu Problem-Schülern gehabt und immer wieder Krisen gemeistert hatte. Deshalb hatte die "Siga" dem Job-Center Bethe als "Vorstopper", so Krewer, vorgeschlagen, als die Stelle für den Ausbildungscoach besetzt werden sollte. Formal betrachtet ist die neue Stelle eine so genannte Arbeitsgelegenheit. Bethe ist dadurch nicht mehr Hartz-IV-Empfänger, sondern versicherungspflichtig bei der "Siga" angestellt. Die Wahl findet Stemme vor allem wegen der langjährigen Berufserfahrung Bethes im Handwerk optimal, weil der Coach so einen ganz anderen Draht zu den Ausbildern habe. Das hat sich seit März bereits in zwei Fällen ausgezahlt. Bethe hat seitdem einen Ausbildungsplatz in der Gastronomie und im Bauhandwerk gerettet, wo es zwischen Azubis und Ausbildern stark kriselte. Bethe macht nicht alles allein. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die jeweiligen Konflikte zu analysieren, um dann Instanzen aus dem großen Netz einzuschalten und mit dem Job-Center und Partner zusammenzuarbeiten. Das kann mal die Schlichtungsstelle der Handwerkskammer sein, das können aber auch Beratungsstellen sein, die in persönlichen Krisen einspringen. Manchmal reicht es aber nach seinen Worten, die potenziellen Abbrecher oder deren Chefs "auf den Topf zu setzen", damit die Ausbildung weiter geht.



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