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Übernachtungsstatistik: Kliniken und KurT legen Zwist bei und ignorieren amtliche Zahlen

Nenndorfer Bettenstreit: Jemand spielt falsch

Bad Nenndorf (rwe). Die Kliniken und die Kur- und Tourismusgesellschaft haben ihren Zwist um dasÜbernachtungsplus 2007 offiziell beigelegt. Nach einem Vermittlungsgespräch im Rathaus verweisen sie mit der Stadt in einer gemeinsamen Erklärung darauf, dass die Zahlen in allen Bereichen positiv seien. Jedoch wird mit keiner Silbe erwähnt, wie es zu der unterschiedlichen Darstellung kam. Die Frage, warum das Landesamt für Statistik bei den Kliniken andere Zahlen hat, als diese der Öffentlichkeit präsentierten, lassen die Beteiligten unter den Tisch fallen. Das nährt den Verdacht: Jemand spielt falsch.

veröffentlicht am 09.05.2008 um 00:00 Uhr

"Steigende Gästezahlen dokumentieren positive Ent- wicklung" überschreiben die Teilnehmer des mehrstündigen Spitzengesprächs ihre Mitteilung an die Presse. Bürgermeisterin Gudrun Olk hatte die Geschäftsführer Peer Kraatz (Rheumaklinik des Staatsbades) und Horst Schiller (Klinik Niedersachsen) sowie Silke Busche für die Kur- und Tourismusgesellschaft (KurT) eingeladen. Mit am Tisch saß auch Stadtdirektor Bernd Reese, zugleich Chef des KurT-Aufsichtsrates. Ziel des Treffens: "die unterschiedlichen Darstellungen der Gästezahlen für Bad Nenndorf der Landesbehörde für Statistik und der Kliniken einvernehmlich und abschließend zu erörtern". Das scheint gelungen. "Die in allen Bereichen steigenden Zahlen belegen, dass Bad Nenndorf von Gästen wieder stärker besucht wird und mehr Patienten in den Kliniken behandelt werden", heißt es. Also alles eitel Sonnenschein in der Kurstadt? Es dürfte eher der kleinste gemeinsame Nenner gewesen sein, auf den sich beide Seiten verständigt haben. Die Kliniken rücken jedenfalls nicht öffentlich von ihrer Kritik an der KurT-Chefin ab. Sie hatten Busche vorgeworfen, sinkende Zahlen in den Hotels und Pensionen durch den Zuwachs in denKliniken zu kaschieren und das Plus in der Statistik als Ergebnis ihrer Arbeit darzustellen. Dabei, so viel steht fest, operierten die Geschäftsführer bei ihrer öffentlichen Schelte gegen Busche offenbar mit anderen Zahlen als den offiziellen aus dem Landesamt für Statistik. Diesem wurden 2007 für die Kliniken insgesamt weniger Übernachtungen gemeldet als die von den Unternehmern genannten 171 387. Das bestätigt der zuständige Sachbearbeiter auf Anfrage. Er darf aber aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Summen nennen und sieht keine methodischen Gründe für die Differenz. Die Angaben der Kliniken werden demnach bei der Behörde nicht weiter hinterfragt und komplett übernommen. Der Fehler, immerhin Auslöser der Debatte, wird in der Mitteilung völlig außer Acht gelassen: "Die Übernachtungsstatistik für das Jahr 2007 weist einen deutlichen Anstieg von 10 940Übernachtungen allein in Hotels und Pensionen aus. Die von der Klinik Niedersachsen und dem Staatsbad ermittelten Belegungszahlen ergeben ebenfalls einen weiteren Anstieg von 20 282Übernachtungen in den beiden Kliniken. Daraus errechnet sich eine Gesamtübernachtungszahl von 254 238Übernachtungen im Jahr 2007." Damit frisiert Bad Nenndorf die offizielle Statistik. Die amtlichen Daten des Landesamtes sind andere. Danach gab es 2007 offiziell 249 450Übernachtungen und einen Gesamtanstieg von 11 696. Die Kliniken sehen offenbar keinen Anlass, die unterschiedlichen Angaben mit dem Landesamt aufzuklären. Horst Schiller, Geschäftsführer der Klinik Niedersachsen und derzeit im Urlaub, hatte gegenüber unserer Zeitung schon vor dem Friedensgipfel im Rathaus darauf hingewiesen, sich die Differenz nicht erklären zu können. Staatsbad-Chef Peer Kraatz verweist auf die gemeinsame Mitteilung. Dieser will er nichts hinzufügen. Die Diskussion sei damit abgeschlossen. Klärungsbedarf bei den Zahlen sieht er nicht. Kraatz: "Wir haben die Debatte angestoßen, dann können wir sie auch wieder beenden." In der abgestimmten Erklärung klopfen sich nun alle gegenseitig auf die Schulter: Als Ursachen für das Plus nennen die Verfasser "die Belebung der Innenstadt, erfolgreiche Werbemaßnahmen der KurT und der Hotellerie sowie das umfangreiche fachmedizinische Angebot der beiden Kliniken". Den Ursachen für den sogenannten Bettenstreit gehen sie nicht auf den Grund. Ganz versöhnlich heißt es am Ende: "Dem Gesundheitsstandort Bad Nenndorf hilft bei einem zunehmenden Wettbewerb mittel- und langfristig nur eine enge Zusammenarbeit aller verantwortlichen Akteure, um die Erfolgsbilanz zu festigen und auszubauen."



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