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Kristina Busch und Clemens Priefert widerlegen gängiges Vorurteil: Heute beginnt ihre Ausbildung

"Nee, Hauptschüler nehmen wir leider nicht"

Rinteln (crs). Clemens Priefert hat für sich persönlich den Schlüssel zum Erfolg gefunden. "Wenn man etwas wirklich will und sich Mühe gibt, dann schafft man das auch", das ist die tiefe Überzeugung des 17-jährigen Hauptschulabsolventen. Was er wirklich wollte, das war der Einstieg in seinen Traumberuf direkt nach der Schule. Für dieses Ziel hat er sich reingehängt - und er hat es geschafft: Heute beginnt Clemens seine Ausbildung zum Elektriker im Rintelner Unternehmen Elektrotechnik Eckel. Clemens ist glücklich: "Es hätte gar nicht besser laufen können."

veröffentlicht am 01.08.2008 um 00:00 Uhr

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Genau wie seine frühere Mitschülerin Kristina Busch hat Clemens damit direkt nach dem Abschluss der Hauptschule eine Lehrstelle gefunden. "Wer von der Hauptschule kommt, der findet sowieso nichts" - dieses noch immer gängige Vorurteil widerlegen die beiden jungen Leute mit ihrem Erfolg. Und dennoch müssen Hauptschulabsolventen auf dem Ausbildungsmarkt mitunter schmerzliche Erfahrungen machen, so wie Clemens' Bruder nach einem erfolgreichen Praktikum bei einem Metallbauunternehmen vor zwei Jahren. Auf seine Frage nach Ausbildungsplätzen hieß es da nur lapidar: "Nee, Hauptschüler nehmen wir nicht." Dass Firmen wie Eckel Hauptschüler wie Clemens mit Kusshand nehmen, liegt auch an dessen Engagement. Im vergangenen Sommer hat Clemens beim Tag der offenen Tür im Industriegebiet Süd den Betrieb in der Heisterbreite zum ersten Mal von innen gesehen. "Es hat mich interessiert, was die machen", erzählt er. Also hat er einfachmal nachgefragt, wie es denn mit einem Ausbildungsplatz aussehe, hat ein Bewerbungsschreiben losgeschickt - und schon hatte er die Zusage, in den Osterferien zum Probearbeiten kommen zu können. Aus den ursprünglich geplanten zwei Wochen wurden schnell drei: "Die brauchten Leute und haben gesehen, dass ich gut mitarbeite", erzählt der 17-jährige Clemens nicht ohne Stolz. Nachdem er sich in der Praxis derart bewährt hatte, war die Unterschrift unter den Ausbildungsvertrag nur noch Formsache. Zwar nicht in ihren Traumberuf, aber doch in ein festes Ausbildungsverhältnis startet heute auch Kristina Busch. Nach den guten Erfahrungen im Schulpraktikum wollte sie am liebsten Einzelhandelskauffrau werden, schickte über 30 Bewerbungen los - aber bekam nur Absagen. "Es ist schwer, was zu finden", berichtet sie von frustrierenden Erfahrungen, die sich mit denen aus ihrem persönlichen Umfeld decken: "So wie ich es sehe, kriegen nur wenige eine Ausbildungsstelle." Auf den Rat ihres Vaters hin probierte sie es dann einfach bei Aldi, bewarb sich für die Ausbildungsstelle als Verkäuferin - und wurde genommen. Auch wenn die Lehre als Verkäuferin ursprünglich nur zweite Wahl war, ist Kristina jetzt zufrieden, "nein", sagt sie und korrigiert sich: "Ich bin richtig glücklich!" Und mit ihrem Traumberuf kann es immer noch klappen: Nach zwei Jahren Ausbildung hat sie die Möglichkeit, ein drittes Jahr anzuhängen, um Einzelhandelskauffrau zu werden. "Wenn ich gut bin", sagt Kristina. Das ist ihr großes Ziel. Clemens und Kristina haben Glück gehabt. Doch das ist nicht der Regelfall: Auch viele Hauptschulabsolventen mit Realschulabschluss wie Clemens und Kristina finden keinen Ausbildungsplatz, über 90 Prozent gehen nach dem Schulabschluss weiter zur Schule, durchlaufen Warteschleifen vor der Berufsausbildung. Als "Auffangbecken für Unentschlossene" sieht Hauptschulleiter Heinz Pettenpaul das Angebot der Berufsbildenden Schulen nicht unkritisch: Aus Bequemlichkeit wählten viele Schüler diesen Weg, ohne sich überhaupt zu bewerben. "Viele betrachten das als eine logische Fortführung der vergangenen Jahre." Für eine falsche Sicherheit hält auch Clemens diesen Weg: "Man wird doch auch älter - und die Ausbildungsbetriebe wollen junge Leute." Jung und engagiert setzen Clemens und Kristina heute den ersten Schritt ins Berufsleben. Kristina hat noch einen zweiten Grund zur Freude: Sie startet nicht nur in einen neuen Lebensabschnitt, sondern auch in ein neues Lebensjahr. Die frisch gebackene Auszubildende feiert heute ihren 18. Geburtstag.



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