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Brandschutz vor hundert Jahren: Löschpflicht für alle Männer des Dorfes / Freiwillige Feuerwehr Vehlen seit 70 Jahren

Neben Ledereimern gab es nur fünf Feuerwehrhelme

Vehlen (sig). Wenn vor einem Jahrhundert in einem Bauernhaus ein Brand ausbrach, bestand die große Gefahr, dass nicht mehr viel gerettet werden konnte. In den Städten erfasste der "rote Hahn" oft gleich eine ganze Häuserzeile, weil die Feuerwehren nur sehr bescheiden ausgerüstet waren und nicht ausreichend sowie schnell genug Löschwasser heranbringen konnten. Das galt zum Beispiel auch für die Vehlener Wehr, die noch um 1900 herum lediglich über eine Handdruckspritze, einige Leitern sowie Ledereimer verfügte.

veröffentlicht am 17.10.2006 um 00:00 Uhr

Aus den fünfziger Jahren stammt diese Aufnahme von den damaligen

Auch von einer brauchbaren Schutzkleidung für die "Blauröcke" konnte kaum die Rede sein. In Vehlen standen damals beim Einsatz zum Beispiel nur fünf Feuerwehrhelme zur Verfügung. Da konnte man durchaus von einem gefährlichen Job für die Männer des Dorfes sprechen, von denen im Ernstfall alle am Brandherd erscheinen mussten, die zwischen 18 und 45 Jahre alt waren. In jener Zeit war das Pflicht. Als diese Wehr um 1890 ins Leben gerufen wurde, bildete Vehlen mit Ahnsen, Beeke und Gelldorf einen Feuerlöschverband. Das alte Spritzenhaus befand sich dort, wo heute vor dem Kirchengelände das Ehrenmal steht. Zur Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr kam es erst im Spätsommer des Jahres 1936. Damals trafen sich im Gasthaus "Zur Linde" 35 Einwohner aus Vehlen und Beeke. Gemeindevorsteher Friedrich Meier und Kreisbrandmeister Vogelsang aus Meinsen gaben die notwendigen Informationen über die Aufgaben einer solchen Ortswehr. Daraufhin erklärten 24 Männer aus Vehlen und sieben aus Beeke ihren Beitritt. Das war die Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr Vehlen-Beeke. Heinrich Blomberg aus Vehlen wurde damals durch Zuruf zum Feuerwehrhauptmann gewählt und Heinrich Büsche aus Beeke zu seinem Stellvertreter. In den darauf folgenden Wochen ging es an die Ausbildung der Aktiven. Das Jahr 1939 brachte einen ersten großen Fortschritt mit der neu angeschafften Tragkraftspritze samt Anhänger und Druckschläuchen. Der Zweite Weltkrieg sorgte für einen tiefen Einschnitt. Etliche Feuerwehrmänner kamen nicht wieder nach Hause zurück, und die englische Besatzungsmacht räumte das Spritzenhaus leer. Die Gerätschaften wurden später bei der Glasfabrik gefunden und wieder nach Vehlen zurückgeholt. Mit der Wiederbelebung der Ortsfeuerwehr kam es im Jahr 1951 sogar zur Gründung einer Feuerwehrkapelle, die von Wilhelm Levermann geleitet wurde, sich aber leider neun Jahre später auflöste, weil kein Nachfolger gefunden wurde. Nachdem Beeke 1955 in die Stadt Obernkirchen eingemeindet worden war, sorgten Bürgermeister Wilhelm Meier und der Gemeinderat dafür, dass zwischen 1958 und 1959 für die verbliebene Vehlener Wehr ein neues Gerätehaus mit einem Schlauchturm und zwei Wohnungen errichtet wurde. Wenige Jahre danach gab es noch einen Anbau mit einem Schulungsraum. Schritt für Schritt wurde auch die Fahrzeug- und Geräteausstattung modernisiert. Heinz Röckemann gründete 1969 die Jugendwehr und trat zwei Jahre später die Nachfolge des Ortsbrandmeisters Heinrich Blomberg an. Seit 1978 hat sich auch bei der Vehlener Wehr die Gleichberechtigung durchgesetzt. Frauen konnten von diesem Zeitpunkt an in den aktiven Dienst übernommen werden. Aus Altersgründen übergab Heinz Röckemann 1997 das Kommando an Christoph Schuster, der sich engagiert um eine Ersatzbeschaffung für das schon 36 Jahre alte schwere Löschfahrzeug LF 8 bemühte und schließlich aus Protest gegen das Nichtvorankommen sein Amt aufgab. Seitdem steht Michael Hanke an der Spitze. Die Historie der Vehlener Wehr reicht also in das 19. Jahrhundert zurück. Als freiwillige Gemeinschaft allerdings besteht sie jetzt 70 Jahre. Die Hälfte dieser Zeit gibt es auch schon eine Partnerschaft mit der Feuerwehr Dudensen, die deshalb mit einer Abordnung nach Vehlen kam, um zu gratulieren. Die Gastgeber schenkten ihr einen Erinnerungspokal. Zu den Gratulanten zählten bei diesem Anlass auch Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote sowie Ortsbürgermeister Werner Harder.

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