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Landfrauen bringen Knirpsen gesunde Ernährung bei / Unterwegs mit Käpt'n Blaubärs Milchmix

"Neben jedes Klassenzimmer eine Küche!"

Landkreis (tw). Fastfood, mit der linken Hand in den Mund gestopft, während die rechte den Curser der Maus über den PC-Monitor schiebt: So sehen die "Mahlzeiten" von Kindern in vielen Schaumburger Elternhäusern aus. Die Folgen dieser Fehl-, ja Mangelernährung kommen oft schon bei der Schuleignungsuntersuchung ans Licht. Dass Esskultur auch anders aussehen kann, führt der Landfrauenverein Dritt- und Viertklässlern in den Grundschulen seit 2005 mit dem Projekt "Kochen mit Kindern" vor Augen, finanziell unterstützt von der Volksbank in Schaumburg.

veröffentlicht am 19.01.2007 um 00:00 Uhr

Im Beisein von Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier und Volksbank-Vorstand Joachim Schorling stellte der Kreisverband der Landfrauen das Projekt jetzt in den Räumen des Kreditinstituts am Bückeburger Marktplatz vor. "Wenn wir in Schaumburg zukunftsfähig bleiben wollen, ist alles, was zur Bindung der jungen Menschen an die Region beiträgt, eine gute Investition", sagte Schorling. "Deshalb sind wir von der Idee, den Kinder Wissen über eine gesunde Ernährung und die Produktion heimischer Lebensmittel beizubringen, begeistert." 23 Landfrauen sind es, welche die zwischen vier und fünf Stunden dauernden Unterrichtseinheiten in Theorie und Praxis schultern. Ehrenamtlich, versteht sich. Allein 2006 waren sie 65 Mal im Einsatz, informierten die Steppkes über die Themen "Milch" und "Kartoffel". "Für das Projekt", lobt Kreisvorsitzende Rosemarie Schweer, "hat jede Landfrau zweiKurse absolviert und sich in 20 Unterrichtsstunden fit gemacht". Für 2007 steht das Thema "Getreide" auf dem Plan; 2008 soll das in der Schule Gelernte in einen "Ernährungsführerschein" münden. Dass die Landfrauen mit ihrem Engagement eine Lücke schließen, freut auch den Landrat: "Kaum ein Kind hat jemals ein Hausschwein gesehen", erinnert Schöttelndreier und beklagt gleichzeitig den "Verfall der Tischsitten". Eben deshalb seien bei Jugendfreizeiten des Landkreises das gemeinsame Mittag- und Abendessen inzwischen richtige Programmpunkte. "Wenn die Landfrauen in die Schulen kommen, geht's zunächst um Grundlegendes", sagt Geschäftsführerin Ulrike Tubbe-Neuberg. Etwa um Antworten auf Fragen wie: "Wie kommt die Milch vom Euter in die Tüte?", "Wie decke ich meinen Bedarf an Calcium?" und "Was ist Hygiene?". Die Kinder lernen: Hygiene ist, wenn man sich vor dem Essen die Hände wäscht und zum Kochen eine Schürze umbindet. Ist beides geschehen, erhält jede Gruppe ein Rezept - und schon geht's los. Bevor das Zubereitete dann genossen wird, werden die Tische gedeckt. Und siehe da: Gesund schmeckt gut - die Knirpse essen ihre Teller in aller Regel leer. "Damit die Kinder im Elternhaus als ,Multiplikatoren' wirken, erhalten sie alle ein Kochbuch mit auf den Weg", sagt Schweer. Nicht selten mit der durchaus gern gesehenen Folge, dass Leckereien wie "Käpt'n Blaubärs Milchmix" oder "Baron Münchhausens Kanonenkugeln" oft eine ganze Woche den Speiseplan einer Familie bestimmen. Wünsche der Landfrauen für die Zukunft: "Dass es in den Schulen nicht nur einmal im Jahr Unterricht zum Thema Ernährung gibt, sondern jede Woche." Und - augenzwinkernd - dass TV-Koch Tim Mälzer Angela Merkel an der Spitze der Republik ablöst. Der hatte nämlich sinngemäß erklärt: "Wäre ich Kanzler, würde ich Ernährung als Schulfach einführen und neben jedes Klassenzimmer eine Küche bauen!"



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