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Dr. Holger Buschmann: Mit allen legalen Mitteln den Kamm verteidigen

Naturschutzbund: Vorstellung der Naturstein GmbH grenzt an Frechheit

Steinbergen (rd). Nach Planung der Norddeutschen Naturstein GmbH (NNG) soll am Messingsberg der gesamte Kamm abgebaut werden. "Für

veröffentlicht am 30.03.2007 um 00:00 Uhr

uns ist das keine echteÜberraschung", kommentiert Dr. Holger Buschmann, Artenschutzreferent des Kreisverbandes des Naturschutzbundes (Nabu) die Situation. "Es war zu erwarten, dass es darauf hinausläuft. Die Sicherheit ist kein Argument der Firma für den Abtrag, sondern die deutlich verlängerte Betriebslaufzeit und die verlockenden saftigen Gewinne." Die Taktiererei habe zwar nun ein Ende, aber glücklich könnten die Naturschützer damit nicht sein, so Dr. Buschmann. Nach wie vor schlage das Planungsbüro Luckwald die schnelle Rekultivierung gegen besseres Wissen vor. Die naturschutzfachlichen Empfehlungen der Gemeinden und des Naturschutzes würden weiterhin ignoriert. So lägen immer noch keine Vorschläge für den Ausgleich des bisher abgebrochenen Kammbereiches vor, der höchst wertvolle Biotope enthalten habe. "Das Liegenlassen des gesamten und nicht nur eines Teils des Geröllfeldes wäre nicht nur akzeptabel, sondern ist aus Sicht des Naturschutzes eine Selbstverständlichkeit. Sich die dicksten, gut verwertbaren Brocken aus dem oberen Teil des Geröllfeldes nehmen zu wollen und nur den nicht Gewinn bringenden unteren Teil der Natur zu überlassen, ist zwar aus Sicht der NNG verständlich, der Vorschlag an sich grenzt aber schon an eine Frechheit", wird Buschmann ungewohnt deutlich. Völlig ausgeblendet werde von dem Unternehmen dabei auch, dass es sich bei den Kammbereichen faktisch um ein Landschaftsschutzgebiet handele, zudem um ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet. Selbst das Planungsbüro habe unlängst zugeben müssen, so Buschmann, dass ein Ausgleich für den Kamm, sollte man ihn abtragen, nicht wirklich möglich sei. Als enttäuschend bezeichnet Dr. Petra Sittig, Vorsitzende des Naturschutzbundes Schaumburg, das Vorgehen der Abbaufirma: "Wieder einmal sind die Natur- und Heimatschutzverbände nicht zum Vorstellungstermin eingeladen worden." Das sei eine "Politik der Konfrontation". Während der frühere Geschäftsführer der Steinbrüche den Dialog mit der Bevölkerung und den Verbänden gesucht habe, halte das die neue Führung offensichtlich nicht mehr für notwendig. Aus der Sicht des Naturschutzbundes versucht die Betriebsleitung, sicherlich auch getrieben durch den großen internationalen Konzern im Hintergrund, der Werhahn KG, ihre Vorstellungen gegen alle Widerstände aus den verschiedensten Gesellschaftsbereichen ohne Abstriche durchzudrücken. "Dass der Firma das Ansehen weniger wichtig ist als der maximale Gewinn, kann man schon daran erkennen, dass die Bemühungen des Naturschutzbundes, zu einer gemeinsamen Linie mit Vorteilen für alle Beteiligten zu kommen, einfach vom Tisch gefegt worden ist," kommentierte Buschmann. Nun sei davon auszugehen, dass die NNG versuchen werde, ihre Abbauerweiterung auf Landesebene durchzusetzen, selbst wenn sich der Landkreis gegen eine Teillöschung des Landschaftsschutzes aussprechen sollte. Buschmann kündigte an, der Naturschutzbund werde alle legalen Mittel zur Verteidigung des Kamms einsetzen und rechne mit der Unterstützung der Bevölkerung und der Politik. Er machte allerdings auch deutlich, dass es für die Gesteinsabbauer doch einen Grund geben könnte, ihre Haltung zu überdenken: "Vielleicht gibt es ein Umdenken, auch um es sich nicht für zukünftige Abbauvorhaben mit dem Naturschutz zu verderben."

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