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Doppeltes Kontra: Magergrasboden und archäologische Fundstätte / Ausgrabungen auf Kosten der Stadt

Naturschützer gegen Sportplatz am Knickbrink

Krankenhagen (who). Der TSV Krankenhagen wünscht sich für seine zahlreichen Fußballer einen zusätzlichen Trainingsplatz. Die Kicker favorisieren nach wie vor eine Anlage direkt neben dem Sportplatz und ihrem Vereinsheim am Knickbrink. Wenn die Argumente des Naturschutzbundes zur Gesetzeslage greifen, könnte das bedeuten, dass alle weiteren Planungen auf Eis gelegt werden müssten.

veröffentlicht am 16.10.2007 um 00:00 Uhr

Was für die Sportler ein Trainingsplatz werden soll, ist für Nat

"Ganz klar: Ein Sportplatz im Naturschutzgebiet - das geht nicht", lautete am vergangenen Donnerstag dieüberzeugte Feststellung von Dr. Volker Buschmann, Artenschutzreferent der Rintelner Nabu-Gruppe. Buschmann hatte das Gelände auf Anregung des Rintelner Arztes und Hobby-Botanikers Dr. Erhard Marx in Augenschein genommen, der bei zahlreichen persönlichen Beobachtungen eine Vielzahl von seltenen Insekten und Pflanzen auf dem Knickbrink ausgemacht hat, die speziell in Bereichen mit Magergrasbewuchs vorkommen. Darunter Glatthafer, Rotschwingel oder Wolliges Honiggras. Unter anderem seien solche Pflanzen die Grundlage für das Vorkommen von besonderen Wespen- und Bienenarten und seltenen Heuschrecken. Diese wiederum seien es, die speziellen Vogelarten als Nahrung dienen. Die vielfältige Flora und Fauna auf dem Knickbrink sei Grund genug, den Naturschutz im bisherigen Umfang aufrecht zu erhalten und von der nötigen Teillöschung zu Gunsten des Sportplatzbaus abzusehen, so Dr. Buschmann nach der Besichtigung. Der Hinweis von Dr. Marx auf das ausgedehnte eisenzeitliche Urnengräberfeld im Untergrund bestärkte den Nabu-Mann vollends in seiner Einschätzung. Buschmann: Für archäologische Fundstätten gelte die gesetzliche Regelung, dass der Besitzer des Geländes bei bedeutsam erscheinenden Funden auf eigene Kosten reguläre wissenschaftliche Grabungen durchführen und für die Kosten aufkommen müsse. Die Stadt Rinteln sei Eigentümer des Geländes und werde angesichts des zu erwartenden Umfanges der Ausgrabungen wohl kaum bereit sein, die Kosten zu übernehmen, so die Einschätzung des Wissenschaftlers an der Universität Göttingen. "Es wäre schade, ein so bedeutsames Naturschutzgebiet, wie das auf dem Krankenhäger Knickbrink aufzugeben und unwiderruflich zu verlieren", gibt Dr. Marx zu bedenken. Für ihn persönlich ist es keine Frage: Der Knickbrink ist ein Arten- und Landschafts-Kleinod, das auf jeden Fall für die Allgemeinheit erhalten werden sollte. Seit Mai 2006 arbeitet er an einer Biotop-Kartierung des Geländes, das seit dem 31. Oktober geschütztes Naturschutzgebiet ist. Krankenhagens Ortsbürgermeister Gerhard Werner schränkt zu dem Thema ein: "Mir ist nicht bekannt, dass in dem Bereich, auf dem der Trainingsplatz angelegt werden soll, in der Vergangenheit Urnen gefunden worden sind." Darüber hinaus verweist er auf soziale Gesichtspunkte zu den Forderungen der Naturschützer: "Wirhaben auch die Belange der Jugendarbeit des SV Krankenhagen zu berücksichtigen." In diesem Zusammenhang habe der Ortsrat dem Landkreis Ersatzflächen für den zu bauenden Trainingsplatz angeboten. Die Reaktion darauf stehe noch aus. Gerhard Werner: "Ich gehe davon aus, dass es noch Gespräche dazugeben wird." Im Übrigen sei der Kreis der Ansprechpartner für den Ortsrat und nicht der Nabu. Im Genehmigungsverfahren scheint die Angelegenheit noch immer nicht entscheidungsreif zu sein. Landkreis-Sprecher Klaus Heimann dazu: "Zurzeit laufen noch die Untersuchungen zur Entscheidungsfindung."



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