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Ein Jahr nach dem Ausscheiden als Fraktionschef folgt der Austritt / Enttäuscht von Politik und Partei

Nachbeben: Joachim Gutsche verlässt die CDU

Landkreis. Seiner Ehrung für 35 Jahre Mitgliedschaft blieb Joachim Gutsche fern. Inzwischen weiß die CDU, warum: Der langjährige Fraktionschef im Kreistag hat heute seinen Austritt aus der Partei erklärt. Gutsche (69) ist enttäuscht von der eigenen Partei, und mehr noch: "Ich habe das Vertrauen in die Politik insgesamtverloren."

veröffentlicht am 10.11.2007 um 00:00 Uhr

Joachim Gutsche

Als eigenwillig und kritisch hat die CDU ihren "geborenen" Fraktionschef (von 1977 bis 2006) schon zu dessen Amtszeit kennen gelernt. Der Gedanke an Austritt seiüber Jahre gewachsen, sagt Gutsche, "mit steigender Tendenz". Einen konkreten Anlass habe es nicht gegeben - nur die über Jahre verdichtete Einsicht, dass sich die Politik in eine falsche Richtung entwickle und immer weniger gestandene Persönlichkeiten zu der Hoffnung Anlass gäben, daran würdesich etwas ändern. Gutsche nennt als Beispiel die Wahlkreisreform der CDU-Landesregierung, die gegen alle Sachargumente durchgesetzt worden sei. Und die Schulpolitik, die sich nur an der blanken Zahl der Abiturienten, nicht mehr an deren Qualität orientiere. Der Lehrermangel insbesondere in den Naturwissenschaften bezeuge das "totale Versagen der Politik", findet Gutsche drastische Worte. Auch der Finanzausgleich, der dem Landkreis immer weniger Handlungsspielräume belasse, falle in diese Kategorie: "Es ist höchst deprimierend, wenn man jahrelang darauf hingewiesen hat und auf Landesebene nicht gehört wird." Es sei jedoch nicht nur die Politik der Landesregierung, die er nicht mehr mittragen könne, sondern die Politik insgesamt, betont Gutsche: "Ich wäre wohl auch aus jeder anderen Partei ausgetreten." Mit Urteilenüber die Arbeit der neuen Kreistagsfraktion hält er sich zurück. Er wisse zu wenig über sie, Kontakte zur Kreispolitik habe es im letzten Jahr kaum gegeben. "Sie sind auch nicht gesucht worden." Gutsche scheidet nicht unbedingt in Harmonie aus dem Amt. Der Putsch-Versuch seines späteren Nachfolgers Gunter Feuerbach ein gutes Jahr vor Ende seiner Amtszeit im Sommer 2005 wirkt nach. "Das war unschön, man hätte die Zeit noch abwarten können." Gutscheüberstand die interne Kampfabstimmung, doch die Risse waren nicht mehr zu kitten. Relativ geräuschlos trat der Fraktions-chef Ende Oktober 2006 nach 29 Jahren im Amt von der politischen Bühne ab. Zwar wurde er von der Fraktion verabschiedet, vermisst habe er allerdings eine Geste der Partei. Auf dem Kreisparteitag am 1. November 2006 - nur einen Tag nach seinem Ausscheiden - sei er nicht mal mehr erwähnt worden. "Das ist wohl das Schicksal eines Politikers", sagt Gutsche nicht ohne Verdruss. Dennoch: Als Ausdruck eines frustrierten Polit-Rentnertums möchte er den Austritt ausdrücklich nicht verstanden wissen. "Ich bin nicht frustriert, nur altersweise." In einem Telefongespräch hat sich Kreisvorsitzender Klaus-Dieter Drewes bei Gutsche für dessen langjähriges Engagement bedankt. Der Parteichef "bedauert" den Austritt. Im nächsten Jahr hätte man Gutsche zu dessen 70. Geburtstag mit der goldenen Ehrennadel der Partei auszeichnen wollen.



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