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Geht unabhängiger Bürgermeisterkandidat bald zu Fuß?

Nach spektakulärem Unfall: Ermittlung gegen Brzuska

Stadthagen (jl). Wenn es nach der Marschrichtung der Justiz geht, wartet auf den Stadthäger unabhängigen Bürgermeisterkandidaten Jörg Brzuska ein längeres Dasein als Fußgänger, eine Geldstrafe und ein Eintrag ins Strafregister. Der 39-Jährige hat aus Sicht der Polizei und der Staatsanwaltschaft auf spektakuläre Weise einen Unfall verursacht. Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr heißt das Delikt. Brzuska sieht sich hingegen schon jetzt als Justizopfer: "Ich bin auf der Straße schon verurteilt worden", sagte er auf Anfrage.

veröffentlicht am 02.09.2006 um 00:00 Uhr

Jörg Brzuska

Es ist der Tag des WM-Finales, der 9. Juli. Zeit: 14 Uhr. Ort: Die Straße An der Bornau (Kreisstraße 26) in Obernwöhren. Laut Polizeibericht, so Pressesprecher Axel Bergmann auf Anfrage, will aus einer Seitenstraße der Fahrer eines VW-Kleinbusses mit Anhänger auf die Kreisstraße biegen. Nach Informationen unserer Zeitung bemerken der 23-Jährige am Steuer und dessen jugendliche Mitfahrer in geraumer Entfernung eine dunkle Limousine, die sich nähert. Ihr Transport dient "dem Ereignis" des Tages, dem Finale Frankreich-Italien. Jugendliche, die in der Kirche aktiv sind, bereiten eineöffentliche Übertragung vor. Die technischen Gerätschaften haben sie an Bord. Der 23-jährige Fahrer steuert das Gespann auf die Kreisstraße, offenbar zu langsam für den Mann am Steuer der dunklen Limousine, Jörg Brzuska. Es kommt laut Polizeiprotokoll zu einem Beinaheunfall. Brzuska kann rechtzeitig abbremsen. Dann muss es mit dem 39-Jährigen durchgegangen sein. Die dunkle Limousine überholt das Gespann mit den jugendlichen Insassen. Dabei will Brzuska nach seinen Worten angeblich von dem Kleinbusfahrer "bedrängt" worden sein. Er habe sich lediglich das Kennzeichen des "Bullis" merken wollen, und dabei sei der Anhänger im Weg gewesen, deshalb das Überholmanöver. Die Daten des Kennzeichens versucht der unabhängige Kandidat -erster Satz im Wahlflyer: "Bürgermeister zu sein, bedeutet eine besondere Verantwortung zu übernehmen" - sich schließlich auf eine offenkundig halsbrecherische Weise zu beschaffen: Er platziert sein Auto in der nächstbesten Kurve, um das Gespann zu stoppen. Über die Art der Platzierung gehen die Angaben auseinander. Die Insassen des Gespanns wollen die schwarze Limousine quer auf der Fahrbahn gesehen haben -wegen der Straßenkrümmung aber zu spät. Diese Version wird laut Oberstaatsanwalt Bodo Becker auch von einer Zeugin unterstützt. Diese habe bei der Polizei zu Protokoll gegeben, dass der Kleinbus "keine Chance" gehabt habe. Brzuska will sein Auto normal am Straßenrand geparkt haben und nur, weil sich der Fahrer mit dem Beifahrer "unterhalten" habe, sei es zum Zusammenstoß gekommen. "Der Fahrer hat nicht aufgepasst. Er hätte links überholen können", behauptet der Beschuldigte auf Nachfrage. Bei dem Zusammenstoß wird niemand verletzt, aber die beidenFahrzeuge sind manövrierunfähig. Die Polizei bewertet das Szenario in der Kurve anders. Sie stellt den Führerschein des Ausbremsers vorläufig sicher und erstattet Strafanzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Dabei müssen sich die Beamten ziemlich derb formulierte Worte anhören, die nicht protokolliert sind, aber bei den eingesetzten Beamten noch nicht verklungen seien, wie der Polizeisprecher andeutet. Jetzt läuft ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren gegen den unabhängigen Kandidaten. Es ist laut Oberstaatsanwalt Becker noch nicht abgeschlossen, weil Brzuskas Anwalt sich eine Frist für eine Stellungnahme ausbedungen habe. Becker strebt an, diesen Fall mit einem Strafbefehl und einem Führerscheinentzug abzuschließen.

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