weather-image
19°

Serie "Traditionsgaststätten" - Teil 3: Seit April leitet Ulrike Droste das Gasthaus "Zur Linde"

Nach neun Männer-Generationen die erste Chefin

Todenmann (clb). Wer kennt sie nicht, die beiden uralten kräftigen Linden an der Todenmanner Hauptstraße, die eine fast so lange Tradition haben wie das Kirschendorf selber? Nach diesen beiden Linden ist das ebenso bekannte Gasthaus benannt worden, als es im 18. Jahrhundert in den Besitz der Familie Droste überging. Bei der Gründung im Jahre 1619 wurdedie Gaststätte zunächst unter dem Namen "Grenzkrug" geführt.

veröffentlicht am 20.05.2008 um 00:00 Uhr

Inzwischen ist es die zehnte Generation der Drostes, die den Familienbetriebübernommen hat. Nachdem Horst und Erika Droste das Gasthaus 1974 übernommen und 34 Jahre geleitet haben, ist seit April diesen Jahres Tochter Ulrike offizielle Chefin. Aus gesundheitlichen Gründen hatte ihr Vater ihr die Geschäftsleitung übertragen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Marcus Rinne kümmert sich die Wirtstochter um den kompletten Gaststättenbetrieb inklusive der 13 Hotelzimmer. Morgens um 6.30 Uhr geht's los - da muss das Frühstück frisch auf dem Tisch stehen, müssen vormittags und mittags Tischbestellungen aufgenommen, Lieferungen angenommen sowie Einkäufe und bürokratische Aufgaben erledigt werden. Und alles termingerecht, sodass ab 17 Uhr das Lokal wieder für die abendlichen Besucher geöffnet werden kann. Für Ulrike Droste, die quasi in das Gaststättenleben hineingeboren wurde und schon im zarten Alter von zehn Jahren Bier auf den Rollschuhen servierte, stand schnell fest, dass sie in die elterlichen Fußstapfen treten will. Nach der Schulzeit absolvierte sie zunächst ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau und arbeitete noch einige Zeit in ihrem erlernten Beruf in Porta Westfalica, bevor sie 1990 fest mit einstieg. "Ich hatte den Gedanken schon immer im Hinterkopf, dem elterlichen Betrieb beistehen zu müssen", sagt die 40-Jährige. Und so ist sie nach neun männlichen Droste-Generationen die erste Frau an der Spitze des Gasthauses. Trotz Heirat hat Ulrike Droste ihren Mädchennamen behalten - in erster Linie, um die Familienzusammengehörigkeit zu zeigen. "Wenn in einem Betrieb Namensänderungen vorgenommen werden, sorgt das meist für Verwirrung bei den Gästen", erklärt sie. Auch davon, dass so ein Generationswechsel nicht so ganz leicht ist, kann die gelernte Hotelfachfrau ein Lied singen: "Alle Gäste kennen meinen Vater, da muss man erstmal akzeptiert werden." Doch dadurch, dass sie schon lange vor der offiziellen Übernahme am Tresen präsent gewesen sei, hätten sich die meisten schon an das "neue Gesicht" gewöhnt. "Trotzdem ist man nach wie vor das Kind, egal wie alt man ist." Neben Fahrradfahrern undÜbernachtungsgästen aus der näheren Umgebung prägen vor allem die Todenmanner Kegel- und Boule- freunde mit ihren regelmäßigen Turnieren sowie Konfirmations-, Geburtstags-, Beerdigungs- oder Hochzeitsgesellschaften das Bild des Gasthauses. Und fast schon mit zum Inventar gehören natürlich auch die alt eingesessenen Stammgäste aus dem Dorf, welche die Theke oft schon seit 20, 30 oder 40 Jahren aufsuchen, um regelmäßig den neuesten Dorfklatsch auszutauschen, die Knobelbecher kreisen zu lassen oder sich einfach mal die Sorgen von der Seele zu reden. Und das sind solche Momente, wo der Wirt nicht nur Wirt ist, sondern gleichzeitig noch Seelentröster und Psychologe. Im Laufe der Jahre kristallisieren sich auch feste Freundschaften zwischen Inhabern und Gästen heraus - einer der Gründe, warum es Horst Droste so schwer fällt, nicht mehr regelmäßig den Zapfhahn zu betätigen. "Mein Vater ist mit Leib und Seele Wirt gewesen, der müsste schon bettlägerig sein, damit er sich vollständig zurückzieht", ist sich Ulrike Droste sicher. "So lange er kann, wird er auch aktiv sein!" Der ehemalige Lindenwirt blickt auf 34 turbulente Jahre zurück - anfangs noch mit einem gekoppelten Landwirtschafts- und Gaststättenbetrieb, wo die Kühe gemolken wurden, bevor das Frühstück serviert wurde. Nach dem Großbrand im Jahr 1975 stellte die Familie den Hofbetrieb jedoch ein; heute grasen nur noch einige Pferde hinter dem Haus. Horst Drostes persönliches Fazit: "Es waren 34 Jahre voller Stress, in denen es aber auch jede Menge Spaß gab..."



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt