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Vor Gericht: Elfjährige verunglückt im "Musikexpress" / Parteien schließen Vergleich

Nach Messe-Unfall: 4000 Euro für die Eltern

Rinteln/Bückeburg (ly). Haben Schausteller die Pflicht, neue Fahrgäste so lange von Karussells fernzuhalten, bis die Wagen wieder stehen? Diese Frage hat das Bückeburger Landgericht gestern nicht mehr beantwortet. Im Zivilprozess um ein Unglück auf der Rintelner Herbstmesse 2005, wo ein elf Jahre altes Mädchen sich im "Musikexpress" beide Oberschenkel gebrochen hatte, kam es stattdessen zu einem Vergleich.

veröffentlicht am 24.05.2008 um 00:00 Uhr

Die Versicherung des lippischen Schaustellers soll demnach 4000 Euro zahlen. Damit wären sämtliche Ansprüche der Eltern des Kindes, die geklagt hatten, abgegolten. Am ersten Verhandlungstag war eine außergerichtliche Einigung gescheitert, damals über 3500 Euro. Zu etwas besseren Konditionen lenkte Dr. Hauke Herm, Anwalt der Eltern, diesmal ein. Viel mehr wäre vermutlich kaum drin gewesen. An dem tragischen Unfall ist das Kind wohl nicht ganz unschuldig. Verlangt hatten die Kläger ursprünglich 10 000 Euro Schmerzensgeld sowie 2000 Euro als Schadenersatz. Zahlen müssen sie zwei Drittel der Verfahrenskosten, der Schausteller den Rest. "Ohne Prophet sein zu wollen: An einer Mitschuld wird man nicht vorbeikommen", so Richter Dr. Joachim Steinbeck. "Die Schülerin sprang auf, als das Karussell noch fuhr", meinte Rechtsanwalt Karl Schürckmann, der den Betreiber vertritt. "Ein ganz schön riskantes Verhalten." Sicher hat die Schülerin diesen einen Fehler schon bitter bereut. Zwei Wochen musste sie danach ins Mindener Klinikum, einen Monat zur Reha - ganz abgesehen von den schlimmen Schmerzen. Großer Andrang hatte an jenem Messe-Montag am "Musikexpress" geherrscht, Sitzplätze waren heiß begehrt. Die Elfjährige, begleitet von einer Freundin, griff laut Zeugenaussagen nach der Stange eines noch fahrenden Wagens, sprang auf, verlor das Gleichgewicht, geriet in die Lücke zwischen zwei Wagen, wurde ein Stück mitgeschleift und brach sich die Oberschenkel. Nach dem Vergleich zogen diverse Zeugen unverrichteter Dinge wieder ab. Vorwürfe der Eltern, wonach die Wagen an jenem gut besuchten Familientag im November nur kurz zum Stehen gebracht worden seien und zum Teil sogar ein fliegender Wechsel stattgefunden habe, kamen im Prozess ebenfalls nicht mehr zur Sprache, weil die Beweisaufnahme abgesagt wurde. Der Betreiber des Karussells hatte erklärt, die Jugendlichen seien gewarnt worden, hätten sich aber nicht daran gehalten. Ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Schausteller hatte die Staatsanwaltschaft bereits im Vorfeld eingestellt.



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