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Bürgermeister ärgert sich über das lange Verfahren für den "Todesübergang" / Zwei bis drei Jahre gelten als "normal"

Nach Katastrophe gibt Bahn AG zu: "Wir sind am Zug"

Hohnhorst (rwe). Der unbeschrankte Bahnübergang in der Hohnhorster Hauptstraße bekommt bis 2009 eine Schranke. Das hat die Bahn AG auf Anfrage bestätigt. "Wir sind am Zug", gibt Sprecher Hans-Jürgen Frohns zu. Das Unternehmen nimmt noch dieses Jahr die Planung auf. Das wäre aber auch ohne den Unfall geschehen, fügt er hinzu. Am Dienstag hatte eine 33-jährige aus Wunstorf das Blinklicht übersehen und war mit dem vollbestzten Auto auf die Schienen gefahren. Ihr Mann und die zwei Söhne starben, die zweijährige Tochter wurde verletzt.

veröffentlicht am 22.06.2007 um 00:00 Uhr

Kinder aus dem Ort haben Blumen am Bahnübergang niedergelegt. Si

Die Nackenhaare stellen sich bei Otto Lattwesen auf, wenn er an das Verfahren um die Schranken denkt. "Da packt mich die kalte Wut", sagt er, um dann aber hinzuzufügen, dass die Ursache für den Unfall auf dem Übergang in der Hauptstraße "menschliches Versagen" war. "Das muss man richtiger Weise sagen." Die Bahn treffe da keine Schuld, auch wenn sie den Einbau der Halbschranken schneller hätte voranbringen können. Um den Vorgang noch einmal nachzuvollziehen, hat er sich einen Gesprächsvermerk aus den Akten geholt. Denn im September 2004 hatte der Landkreis Schaumburg bei der Bahn beantragt, die Gleise durch eine Schrankenanlage zu sichern. Das Unternehmen müsste an der Stelle nichts tun, hatte nach einem Ortstermin aber dem Kreis nahe gelegt, den Einbau von sich aus zu fordern. Der mögliche Grund für das Verhalten: Wird die Bahn von sich aus tätig, muss sie die Kosten allein tragen. Will der Straßenbaulastträger die Maßnahme, werden die dafür nötigen 500 000 Euro gedrittelt. Bahn, Landkreis und Bund sind zu gleichen Teilen im Boot. Dass sie direkt an dem Kindergarten eine Schranke für sinnvoll halten, hätten die Bahnvertreter schon damals durchblicken lassen, erinnert sich Lattwesen. Die Bereitschaft, den Umbau zu verfolgen, hätten die Bahn-Vertreter aber erst in dem Gespräch im Oktober 2006 gegenüber Landkreis und Straßenbaubehörde mündlich erklärt. "In dem Gespräch ging es eigentlich um etwas anderes. Das wurde am Rande mit geklärt", so Lattwesen, der nicht direkt an dem Verfahren beteiligt ist. Ihn wurmt es, dass zwischen der Erkenntnis und der Zusage bereits zwei Jahre lagen und es am Ortseingang in Hohnhorst nun einen "Todesübergang" gibt, wie die Boulevardpresse den Unglücksort betitelt hat. Unter anderem lag es daran, dass Arbeiten für die neue Schranke mit dem geplanten Ausbau der Ortsdurchfahrt abgestimmt werden sollten. Zwar sind beide Maßnahmen unabhängig voneinander, dennoch wartete der Landkreis auf die Bahn AG, weil die Straßenarbeiten wegen der Kanäle am Übergang beginnen müssen. "Das leuchtete mir ein", sagt Lattwesen, der auch Mitglied im Kreisbauausschuss ist. "Wir sind jetzt am Zug", sagt Bahnsprecher Hans-Jürgen Frohns. Noch in diesem Jahr gehe das Unternehmen "im Dialog mit dem Kreis" die Planung und das Genehmigungsverfahren an. Bisher seien dahingehend aber noch keine konkreten Schritte vorgenommen worden, ergänzt er. Ob die Zeit reicht, den ursprünglich im nächsten Jahr beabsichtigten Umbau vorzunehmen, ist nicht sicher. "2008, 2009" werde das geschehen, verspricht Frohns. Auch die Dauer bezeichnet er als normal. Zwei bis drei Jahre nehme so ein Verfahren in Anspruch. Die Installation der Halbschranken habe jedenfalls nichts mit dem traurigen Unfall zu tun, fügt Frohns hinzu. "Das war vorher schon geplant."



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