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Matthias Gräbner und Karl-Heinz Wesemann: Tagestouristen lassen 22 Millionen Euro in der Region

Nach der Karibik ein Wochenende an der Weser

Rinteln (wm). Das Positive zuerst: Rinteln und Hessisch Oldendorf, schilderte Touristikfachmann Matthias Gräbner am Dienstagabend den Mitgliedern des Kulturausschusses, seien beim Tourismus auf dem richtigen Weg: Seit 1998 ein Plus von 25 Prozent bei den Übernachtungszahlen, 37 500 Ankünfte im Vorjahr, rund 970 000 Tagesbesucher in der Rinteln und Hessisch Oldendorf zeige die Bedeutung des Tourismus in der Region.

veröffentlicht am 21.06.2007 um 00:00 Uhr

Damit können Rinteln und Hessisch Oldendorf werben: Mit der Wese

Der bringt auch Geld in die Kassen: Rund 23,30 Euro gebe der Tagesgast aus, 86,10 Euro jeder, der hier auchübernachtet. Das summiere sich, so Gräbner, im Jahr auf 14,4 Millionen Euro Einnahmen durch Übernachtungsgäste, 22,6 Millionen durch den Tagestourismus. Rein rechnerisch garantierten diese Summen in beiden Städten 895 Arbeitsplätze. Allerdings machte Gräbner, wie später auch Werbeagenturchef Karl-Heinz Wesemann von der gleichnamigen Rintelner Agentur, deutlich, dass vielen der hohe Stellenwert des Fremdenverkehrs offensichtlich gar nicht bewusst ist. Wesemann: "Das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass Rinteln und Hessisch Oldendorf eine Tourismusregion sind, ist nicht besonders ausgeprägt." Diskussionen über Wohnmobile am Weseranger seien hier ausgesprochen kontraproduktiv. Vor allem in der Gastronomie gebe es Defizite. Gräbner wie Wesemann sehen hier vor allem Abstimmungs- und Kommunikationsprobleme unter den heimischen Gastronomen und einen hohen Modernisierungsbedarf bei manchen Betrieben - auch vor dem Hintergrund, dass "das Anspruchsniveau der Gäste steigt". 656 Betten gibt es in Rinteln plus 180 in der Jugendherberge, 415 in Hessisch Oldendorf. In der Diskussion wurde auch klar, welches Ziel man hier ansteuern müsste, nämlich eine bessere Vermarktung regionaler Produkte. Ursula Helmhold nannte als Beispiel die Rhön: "Da wird regional gegessen, auf hohem Niveau, Produkte aus dem Umfeld sind dort ein Markenzeichen." Gräbner nannte Trends, an denen sich auch Rinteln orientieren müsse: Eine wichtige Zielgruppe seien die 40- bis 59-jährigen, die kein Kind mehr unter 14 Jahren im Haushalt hätten, damit flexibel seien. Diese Gruppe buche Urlaub in der Karibik, mache danach aber noch drei bis vier Mal oder noch öfter Kurzurlaub in Deutschland. Gräbner erläuterte, um ein präziseres Profil der Gäste und Wünsche zu bekommen, würden in Rinteln und Hessisch Oldendorf 500 Interviews geführt. Als Nahziele nannte Gräbner die Entwicklung eines gemeinsamen Buchungssystems, die Zusammenführung von Adressen, einen Bilderpool, Info-Boxen in den Betrieben, damit sich Gäste am Abend in Ruhe anschauen können, was man am nächsten Morgen in der Region unternehmen könnte. Noch nicht ausgeschöpft sei auch der "graue Markt" - Familienbesuche, die Tante, die in einem Hotel oder in einer Pension übernachtet, weil bei den Gastgebern kein Platz ist. Wesemann schilderte dem Ausschuss ausführlich und im Detail, wie und wo für Rinteln geworben wird, nämlich gezielt im norddeutschen Raum und im Süden bis Kassel. Werbung für Rinteln erscheint unter anderem in der ADAC-Motorwelt, der Freizeitrevue, dem TV-Programmheft rtv und in der Apothekenumschau ("da hatten wir überraschend viele Rückmeldungen"). Grundsätzlich bemühe man sich auch, zielgruppenorientiert in andere Kampagnen einzusteigen. Wie weit das gehen kann, schilderte Wesermann an einem Beispiel: Bei einem großen Versandhandel könne man den Paketen Prospekte für Wandern in Rinteln beilegen - gezielt bei den Kunden, die als Naturliebhaber gelten können, weil sie schon mal Wanderschuhe oder ähnliches bestellt haben. Wesemann erläuterte auch, welche Werbung sinnvoll ist: für die Natur im Weserbergland, für Wandern, Radfahren und das Wasser. Kultur dagegen könne nur eine Zugabe sein, denn die meisten Rinteln-Gäste kämen aus Ballungsgebieten, und in Hamburg beispielsweise werde in einer Woche mehr Kultur geboten als inRinteln im ganzen Jahr - es ergebe keinen Sinn, da mithalten zu wollen. Seine Empfehlung: Mehr Mittel für Tourismuswerbung auszugeben, besonders für eine bessere Präsentation im Internet. Gräbner: "40 Prozent ziehen das Internet zur Rate, wenn sie verreisen wollen." Wesemann nannte aber auch die Grenzen: Rinteln werde es kaum finanzieren können, dass "die Stadt an erster Stelle steht, wenn jemand ,Radeln' in die Suchmaschine Google eingibt".

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